Vier Jahre nach dem letzten, hierzulande mäßig erfolgreichen Album Radium Round erscheint nun endlich der lang erwartete Nachfolger Rare Species Das neue Album liefert 12 Songs in bewährter und unverwechselbarer Waltari-Manier. Vielleicht gibt man sich nicht mehr so stark den Extremen hin, und doch sprengen die Finnen nach wie vor alle stilistischen Grenzen. Man möchte von forschen Popsongs sprechen, aber auch von melodielastigem Metal. Waltari lassen wieder mal mehrstimmige Gitarrenriffs mit Elektronik, Doublebass mit Rap kollidieren. Waltari-Gitarrist SamiYli-Sirniö im Gespräch mit Christian Dännart
Was hat Euch nach dem letzten Album Radium Round so lange aufgehalten?
"Nach der Radium Round- Tour wollten wir eigentlich nur ein Jahr Pause machen, daraus sind aber dann schließlich 3 Jahre geworden. Es gibt mehrere Gründe dafür: Wir kamen an die falschen Plattenfirmen, eine davon ging sogar Pleite. Die Suche nach einem neuen Schlagzeuger dauerte auch länger als geplant, und dann waren alle Waltari-Leute auch noch mit anderen Sachen beschäftigt. Die Demos von Rare Species sind von 2001/2002, es wird also Zeit, dass das neue Album erscheint, wir haben lange daran gearbeitet."
Alle wart Ihr beschäftigt, Kärtsy zum Beispiel mit den Soundtracks für die Max Payne Spiele. Was hast Du getrieben?
"Ich habe in der Zeit mit Kreator gespielt. Es war eine Menge an Touren, die auch in die USA gingen. Ich mach das gerne, es ist eine gute Möglichkeit für mich, fit zu bleiben. Außerdem habe ich die Band schon als Kind gehört. Es ist etwas völlig Anderes als Waltari, eine völlig andere Musik und andere Leute."
Unter anderem hat Waltari in der Zwischenzeit auch mit dem finnischen Nationalballet gearbeitet. Wie muss man sich das vorstellen?
Mit dem Nationalballet haben wir als Band zusammengearbeitet. Das Stück hieß Evangelicum, mit Chor, klassischem Synfonieorchester, Ballettanz... und uns! Der damalige Choreograph ermöglichte die Zusammenarbeit. Wir steuerten Death-Metal und Grindcore-Parts bei. Dazu tanzten dann die Leute, das war sehr schräg! Ein großer Erfolg übrigens, das Opernhaus war zwölf Mal ausverkauft, außerdem wurde das Stück im finnischen Fernsehen ausgestrahlt. Wir wollten dann eine CD und DVD davon machen, das war aber dann finanziell nicht möglich. Das kommt vielleicht noch...
Was für ein Publikum hat sich das angeschaut?
"Es war ein sehr junges Publikum, das so vielleicht sonst nie in ein Opernhaus gehen würde.
Das Konzept beim letzten Album Radium Round war, recht radiotauglich und eingängig zu klingen, hattet Ihr für Rare Species ebenfalls ein gewisses Ziel vor Augen?
Das neue Album Rare Species geht nicht Richtung Radium Round eher in Richtung So Fine. Die Hälfte der Songs entstand mit Loops und dem üblichen digitalen Equipment, die andere Hälfte ist die Live-Band. Die Songs sind schon etwas älter. Sie entstanden kurz nach der Radium Round-Tour und arrangierten sich wie von selbst. Von den Punk Rock Songs, die in Finnland auf Vinyl erschienen, ist keiner auf dem Album, das war eine Sache für sich. Es ist auch kein Überschuss von Radium Round drauf. 20 Demos hatten wir für das Album, 12 sind geblieben. Wir versuchen nicht, alles zu machen, es kommt von selbst und wir sind zufrieden damit. Auf dem neuen Album gibt es zwei Metalstücke, und eine Ballade gibt es auch."
Ging das Konzept zu Radium Roundin kommerzieller Hinsicht auf?
Nein, es war kein Flop, aber auch kein Topseller. Das erfolgreichste Album in Finnland war Big Bang, The Stage war ein Riesenhit. In Holland war es So Fine, und irgendwo verkaufte sich Space Avenue ganz gut, aber wo?
Wie ist Rare Species entstanden?
"Die Vorproduktion fand im Proberaum statt. Bazie, der Gitarrist von The 69 Eyes hat die Aufnahmen gemacht. Teile davon sind sogar noch auf dem neuen Album zu hören. Die Gitarren von One Day stammen beispielsweise aus der Vorproduktion. Einige Demos waren auch sehr vage, die haben sich dann erst im Studio richtig entwickelt. Der Boss unsers finnischen Labels Vindauga Music hat sein eigenes Studio an der Westküste. Ein sehr schönes, dort nahmen wir auch einige der Sachen auf. Es war Luxus, inmitten von Ruhe. Das Album entstand mit der Band, keiner arbeitete für sich. Nur zum Mischen blieb Kärtsy alleine beim Produzenten."
Eure Single Life Without Love und Albumtracks wie Quick As A Day haben einen gewissen 80er-Einschlag. Woher kommt das?
"Wir sind alles Kinder der 80er Jahre. Als wir angefangen haben gab es Bands wie The Cure oder Metallica. Das Album ist ein Tribut an unsere Einflüsse. Es klingt sehr modern, aber es ist zu hören."
In Finnland seid Ihr jetzt also auch bei einem Independent-Label?
"Ja, und es ist das erste Mal, dass sie etwas rockiges herausbringen. Vertrieben wird das Album durch Sony. In Deutschland sind wir auch bei keinem Major, und das ist ganz OK. Wir sind ganz froh, noch ein Album machen zu können."
Wissen die Leute noch, wer Waltari ist?
"ch denke, dass uns die Fans nicht vergessen haben. Wir haben 2003 nur einen Gig in Helsinki gehabt, da waren aber schon eine Menge Leute da. Aber es war auch nicht ausverkauft. Die Radiostationen in Finnland setzen One Day auch ordentlich ein, hoffentlich geht es uns so auch in Deutschland."
In der waltarilosen Zeit in Deutschland habt Ihr eine kleine Tschechien-Tour gemacht. Wie kommt diese Verbindung?
"Eigentlich haben wir keine besondere Bindung zu Tschechien. Prag ist zwar eine meiner Lieblingsstädte, aber das gab nicht den Ausschlag. Eigentlich wollten wir sehen, wie sich unser neuer Schlagzeuger auf Tour benimmt."
Lag es vielleicht auch an dem günstigen Bier?
"Das kann natürlich auch sein."
Waltari ist ja abgesehen vom Schlagzeuger in Original-Besetzung.
"Wir waren kurz in Originalbesetzung zusammen, aber Janne mussten wir dann durch den neuen Schlagzeuger Mika Järveläinen ersetzen. Janne war nicht mehr richtig dabei und interessierte sich mehr für Metal. Mika ist mit 26 noch recht jung und sehr bei der Sache, das tut uns als Band ganz gut."
Wie ist das Bandfeeling momentan?
"Das, was wir machen, machen wir gerne. Wir kennen uns schon sehr lange, seit meiner Teenagerzeit, und alles entwickelt sich so natürlich."
Viele neue Ideen nach der kreativen Pause?
"Seit der zweiten Januarwoche gehen wir wieder in den Proberaum und denken auch schon an die nächste Platte."
Waltari bleibt uns jetzt erst einmal erhalten?
"Ja, auf jeden Fall, wie gesagt, neue Songs sind in der Mache, der Deal mit dem Label steht, und demnächst wird es wohl auf Tour gehen. Im März sind wir in Finnland, und dann kommen wir im April nach Deutschland (siehe Tourdaten)."