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BAP zieht den Stecker
im Konzerthaus Freiburg, 16.04.2014

Wolfgang Niedecken bezeichnet sich gerne als „Gastgeber“, wenn er seine Aufgabe bei den Konzerten umschreiben soll. Wenn man ein BAP Konzert erlebt, weiß man, dass der Mann mit dieser Selbstbezeichnung einerseits maßlos untertreibt, denn er ist in erster Linie ein hervorragender Texter und Songschreiber, andererseits aber auch goldrichtig liegt. Niedecken ist auf der Bühne immer präsent, authentisch und er spürt, wie die Stimmung der Gäste im Saal ist. Und natürlich weiß er, was die Gäste von solch einem Abend von ihrem Gastgeber erwarten.
Seit bald 40 Jahren lädt Niedecken mit seiner Gruppe BAP zu Konzerten und die Gäste kommen auch nach all dieser Zeit in Scharen. Der Titel des aktuellen Solo Albums „Zosamme alt“ passt demnach nicht nur auf die Beziehung zu seiner Frau, der das Album neu eingespielter Liebeslieder gewidmet ist, sondern auch zu dem Verhältnis zum Publikum. Es gibt wenige Bands, die sich über solch einen langen Zeitraum einem solch treuen Publikum gewiss sein dürfen. Hauptgrund ist sicherlich Gastgeber Niedecken, der auch nach all den Erfolgen mit der Band auf dem Teppich geblieben ist und ohne Allüren sehr sympathisch daherkommt.

So war auch der Abend im Freiburger Konzerthaus seit langem ausverkauft. Bereits nach den ersten Liedern und ein paar Worten von Niedecken wurde klar, dass die mögliche Erwartung, einen Abend mit den größten Hits im akustischen Gewand zu erleben, bewusst nicht erfüllt werden würde. Und genau das machte den Abend so besonders. BAP spielten ein (mit Pause) dreieinhalbstündiges Programm, bei dem lediglich „Verdamp lang her“ und „Do kanns zaubre“ (beide in sehr schönen Versionen) zu den wirklich bekannten BAP Klassikern gehörten.
Ansonsten wurden Lieder zum Besten gegeben, die ein Großteil des Publikums bisher kaum live erlebt haben dürfte. „Nöher zo mir“, „Lisa“, oder das fantastische „Sendeschluss“ zum Ende des Konzerts standen in den vergangenen zwanzig Jahren auf keiner Setliste. Nun strahlen sie umso heller, da sie nicht im Schatten der „Hits“ stehen müssen. Ebenso entfalten „Novembermorje“, „Magdalena“ oder „Lena“ einen ganz eigenen Zauber. Niedecken schafft es dabei, das Publikum auf dem „fliegenden Teppich“ musikalisch an verschiedene Flecken der Erde mitzunehmen. Das Konzept der Tour, Lieder aus der zweiten oder dritten Reihe anzubieten, ist mutig und geht doch voll auf.

Das liegt daran, dass Niedecken nicht nur ein guter Gastgeber für das Publikum ist, sondern auch Musiker an seiner Seite hat, die die Lieder mit ganz eigenen Farben bereichern. Herausragend an diesem Abend mit Sicherheit Anne de Wolff, die unzählige Instrumente beherrscht und dies auf sympathisch-bescheidene Weise zeigt, sowie Rhani Krija, der einen wohltuend ungewohnten Rhythmus in die Lieder bringt und ihnen damit zu neuer Frische verhilft.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend ist das Fehlen von Helmut Krumminga, der aus familiären Gründen diese Tour nicht mitspielen kann. Dass diese Tatsache dem Gastgeber beim Konzert kein Wort (und auf der Homepage der Band nur eine versteckte Meldung) wert war, ist verblüffend und für manche Besucher enttäuschend. Wenn man Niedeckens aktuelle Logbucheinträge auf der Homepage liest, in denen er schreibt, dass er versuchen will, die Band in dieser Form zusammen zu halten, ist zudem unklar, ob Krumminga überhaupt noch zur Band gehört.

Das Publikum zeigt sich am Ende des Konzert begeistert vom Gastgeber Wolfgang Niedecken und seinen Musikern und dankt es mit stehenden Ovationen. BAP hat bewiesen, dass es für einen gelungenen Konzertabend weder großes elektrisches Equipment, noch die großen Hits braucht. Hut ab!

Galerie BAP:

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