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Cradle of Filth, Obituary, God Seed, Macabre, Psycroptic, The Amenta und Blynd Music Hall Geiselwind, 7.12.2012

Was passt besser in den Herbst und Winter eines Jahres als eine Tour von Cradle of Filth samt tiefschwarzem und todesbleigetränktem Gefolge? Eben, nichts. Die Black Metal-Truppe um Dani Filth gastierte am 7. Dezember 2012 in der Music Hall in Geiselwind und hatte gleich sechs andere Bands dabei: Obituary, God Seed, Macabre, Psycroptic, The Amenta und Blynd.

Blynd - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (18)Aus Zypern mitgereist waren Blynd, die seit 2003 der dortigen Metal-Szene neues Leben eingehaucht haben. Mit ihrem aktuellen Album „Punishment Unfolds“ im Gepäck lieferten die Zyprioten eine eindrucksvolle, aber etwas kurze Show ab, die mehr Zuschauer verdient hätte. Es war einfach noch sehr früh an einem Freitagnachmittag, aber das ist eben das schwere Los des Openers. Wenn die vier Jungs sich in Sachen Stageacting noch steigern, macht neben dem Zuhören auch das Zusehen richtig Spaß. Denn musikalisch sind Blynd auf jeden Fall sehr spannend, ihr moderner, melodiöser Death Metal muss den Vergleich mit Bands aus Schweden oder den USA nicht scheuen.

The Amenta - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (16)Danach wurde es mit The Amenta schräg – die bemalte und mit farbigen Kontaktlinsen ausgestattete Kombo aus Australien inszenierte eine Horror-Freak-Show, die hervorragend zu ihrem stimmungsvollen Black Metal passt. Besonders Sänger Cain Cressall sorgt mit seinen Grimassen, Verrenkungen und auffallend langen Armen für einen echten Blickfang, während der Rest der Band für ein fettes Metal-Gewitter sorgt. Eine schräge Performance, die sehr gut zum bitterkalten Dezembertag passte.

Psycroptic - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (13)Band Nummer drei, Psycroptic, passte meiner Ansicht nach musikalisch nicht wirklich zum restlichen Lineup des Abends. Die Jungs spielen Technical Death Metal, mit sehr starkem Metalcore-Einschlag. Musikalisch sicher anspruchsvoll, aber mir zu trocken und zu steril für einen Black Metal-Event. Insbesondere nach The Amenta war mir der Kontrast einfach zu groß.

Macabre - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (1)Aber es geht noch schräger, denn die Death Metal-Veteranen von Macabre sind nicht nur thematisch ausgefallen (Thema sind deutsche und amerikanische Massen-/Serienmörder), sondern auch in Sachen Stageacting eher ungewöhnlich. Während Gitarrist und Sänger Corporate Death mit seinen schrulligen Ansagen für Unterhaltung sorgt und teils ekstatisch seine Klampfe bearbeitet, wankt Bassist Nefarious Zombie-ähnlich über die Bühne. Und Drummer Dennis The Menace zog sich nach jedem Song ein Stück weiter aus, bis er in todschicken (scnr) Boxershorts seine Drums verprügelte. So wirklich warm wurde das Publikum mit Macabre sichtlich nicht, aber immerhin kann man so seinen Enkeln mal von diesem Erlebnis erzählen…

God Seed - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (2)Nach dem Vorgeplänkel war es nun Zeit, dass mit God Speed eine der drei Hauptattraktionen die Bühne betraten. Die Band um den früheren Gorgoroth-Sänger Ghaal und Bassist King ov Hell (ebenfalls Ex-Gorgoroth) sorgte von Beginn an für die passende Black Metal-Atmosphäre. Von Nebel umwabert, düster-grün ausgeleuchtet und mit sparsamen Gesten ließen sich die Norweger von ihren Fans feiern, bevor sie voller Energie ihr Set spielten. So muss Black Metal sein: Ein Sänger wie Ghaal mit hypnotischer Ausstrahlung, eine tight zusammenspielende Band und transparenter Sound – klasse!

Obituary - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (5)Es folgten Obituary, die altehrwürdige Death Metal-Band aus Tampa, Florida, die schon seit den 1980er-Jahren ihr Unwesen treibt. Die Mannen um Shouter John Tardy spielten diesmal keine neuen Stücke, sondern ihre vertrauten Klassiker aus den Jahren 1989 bis 1992 – meiner Ansicht nach die beste Phase der Band. „Slowly we rot“ oder „Chopped in half“ sind zeitlose Death-Granaten, die Obituary in Geiselwind erfreulich schnell und heavy zum Besten gaben. Auch der Sound war herrlich oldschoolig, mit dem sägenden Sound der Marshalls und polternden Drums. Der bisherige Höhepunkt des Abends.

Cradle of Filth - 7.12.2012 - Music Hall, Geiselwind (1)Natürlich wartete nun die leider nur halbvolle Halle auf eine weitere Steigerung durch Cradle of Filth. Zuerst wurde die Bühne leer geräumt, doch wer nun auf besondere Deko wartete (oder hoffte), wurde enttäuscht. Links hinten in der Ecke stand das Keyboard, rechts hinten die Drums, in der Mitte hing ein großes Backdrop mit Cradle of Filth-Logo. Vorne gab es natürlich noch Danis grotesken Mikroständer, aber sonst war nichts zu sehen. Also musste die Band selbst für optische Highlights sorgen, was sie mit viel Nebel und Lichteffekten versuchten. Auffällig war vor allem das kleine Podest vor dem Backdrop, auf das sich Dani manchmal stellte, um dann von unten mit dichtem Nebel angeblasen zu werden – das sah eher lustig als gruselig aus und wollte nicht recht zu den grimmigen Blicken von Paul Allender und James McIlroy passen, mit denen die beiden Gitarristen ihre Instrumente bearbeiteten. Immerhin, die Band schien Spaß zu haben, gelegentlich musste Dani sogar mal lächeln ;) In Sachen Bühnenpräsenz sind Cradle of Filth – so umstritten sie in der Szene sein mögen – im Black Metal-Genre kaum zu schlagen. Sieht man von Danis Nebel-Exzessen ab, war der Auftritt von vorne bis hinten stimmig und sehr atmosphärisch, so wie man es von CoF erwarten darf. Zu hören gab es natürlich einige Stücke ihres aktuellen Albums „The Manticore and other Horrors (hier unser Review) und Klassiker wie „Her Ghost in the Fog“, „Nymphetamine (Fix)“ oder „Cruelty brought thee Orchids“. Alles in allem also eine tolle Show, die keinen Besucher enttäuscht haben dürfte.

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