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ASH

Ash - Tribe Online MagazinMitte des 19. Jahrhunderts, irgendwo im verschneiten Riesengebirge zwischen Böhmen und Schlesien. Der versoffene Mönch Vater Oleg führt einen jungen Mann namens Faust zu einem abgelegenen Friedhof, womit er der Kirche keinen Gefallen tut. Kaum ist das gesuchte Mausoleum gefunden und geöffnet, kommt im Quirinalspalast in Rom ein Alarmsystem in Gang: fast wie in Minority Report rollt eine Kugel eine seltsame Apparatur herunter. Darauf eingraviert: “ASH”.

Ash - Vorschau Seite 4 - Tribe Online Magazin

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

ASH ist der Name des jungen Mädchens, das Faust auf dem Friedhof gesucht und gefunden hat. Über 400 Jahre lag es dort ruhiggestellt in einem Sarkophag, von der Kirche gefürchtet und versteckt, alle – abgesehen von Oleg – die das Versteck kannten zum Schweigen gebracht. Und natürlich ist ASH kein gewöhnliches Mädchen. Ihr Name, den die Kirche ihr gegeben hat, steht für Anguis Seductor Hominum – die Schlange, die Menschen verführt. Und der herzkranke Wissenschaftler und Alchimist Faust verspricht sich, durch sie an das Geheimnis des ewigen Lebens zu gelangen.

So viel zum Rahmen und zur Basis der Geschichte, die dann hauptsächlich in Prag abläuft.
Dorthin bringt Faust das Mädchen, um ihr Mysterium zu erforschen. ASH, die keine Ahnung hat, wer sie eigentlich ist und warum Leute hinter ihr her sind, kann aber entkommen und findet zunächst Unterschlupf bei den “goldenen Händen”, einer Bande von Waisenkindern, die auf der Straße leben. Einen großen Teil der ersten Hälfte verbringt ASH dann in einem Mädchenpensionat, in das sie von den diebischen Straßenkids eingeschleust wird, um für diese immer mal was vom Inventar mitgehen zu lassen. Im Gegenzug verspricht Bandenkopf Alexej, Informationen über sie in Erfahrung zu bringen.

Natürlich ist Faust fieberhaft auf der Suche nach ihr, genauso wie die Kirche in Person eines Kardinals. In der Zwischenzeit entdeckt ASH ihre besonderen Fähigkeiten und stößt schließlich in einem alten, geheimen Zauberbuch der Kirche auf Aufzeichnungen, die verraten wer sie wirklich ist… (wovon ich aber nichts verraten möchte)

Ash - Vorschau Seite 11 - Tribe Online Magazin

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Die bekannten Erfolgsromane von Dan Brown oder die Comic-Reihe “Cross Fire”, um ein Beispiel aus den hier besprochenen Comics zu nennen… – dieses Buch reiht sich in die Liste der Geschichten ein, in denen die Kirche bzw. der Vatikan nicht gerade so friedlich wie beim sonntäglichen Gottesdienstes dargestellt wird. In diesem Fall geht es schließlich auch um nicht weniger als um teuflische Pakte und das ewige Leben.
Wie bei Goethe ist auch der Faust von Debois (“Jack the Ripper”) ein Gelehrter, der an die Grenzen der Wissenschaft stößt und sich darauf hin mit weniger handfesten Dingen wie Spiritualität beschäftigt. Alles das, um seinem kranken Herzen ein Schnippchen zu schlagen. Interessanterweise bringt die Figur hier auch ein bisschen aus dem Steampunk-Genre ein: Faust trägt ein künstliches Maschinenherz, befehligt Roboter und baut riesige, mobile Gefängnisse in Spinnengestalt und andere für die Zeit moderne Apparaturen.

Grafisch ist das Buch mit den Zeichnungen von Krystel (erstes Werk von ihr) gut gelungen. Immer wieder ist bei ihren Charakteren ist ein Manga-Einfluss zu erkennen. Bei Faust fällt vor allem die Frisur mit den spitzen Strähnen auf. Und ASH, aber z.B. auch Kamila, ein anderes Mädchen aus der Erziehungsanstalt, ist mit relativ großen Augen, kleinem Näschen und langem, wallendem Haar, fast wie eine Puppe dargestellt.

“ASH” punktet vor allem optisch und mit der spannenden Idee. Nach dem etwas langen ersten Kapitel nimmt die Erzählung im zweiten (als Splitter Double enthält das Buch die beiden Bände der Originalausgabe jeweils als eigenes Kapitel) etwas mehr Fahrt auf, was dem Ganzen gut tut. Die hier und da eingeworfenen Rückblicke in die Vergangenheit – in die Zeit der kirchlichen Revolution der Hussiten beispielsweise, bevor ASH 400 Jahre zuvor eingesperrt wurde, oder auch in Fausts Kindheit – verleihen der Geschichte mehr Tiefe. Von der Figur ASH selbst habe ich mir allerdings mehr erwartet. Sie bleibt mir angesichts ihrer Bedeutung insgesamt zu harmlos und irgendwie “normal”.

Eine Vorschau mit ein paar Seiten findet ihr auf der Verlagsseite zum Buch.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Ash - Tribe Online Magazin
ASH
François Debois, Krystel
Hardcover, 96 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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