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Deepwater Prison 01: Constellation

Deepwater Prison 01 - Constellation - Tribe Online Magazin“Deepwater Prison” beginnt mit einer kurzen Vorgeschichte im Jahr 2012, also mehr oder weniger in unserer Gegenwart. Mit Berufstauchern knapp 600 Meter unter der Wasseroberfläche und riesigen Seeschlangen wird schon hier klar, dass die Geschichte etwas Sci-Fi und ein bisschen Fantasy abbekommen hat.

Die eigentliche Story spielt dann in der nahen Zukunft – anno 2027: In einiger Entfernung zur Küste der Bermudas geht eine Bohrinsel zuerst in Flammen auf und sinkt anschließend auf den rund 900 Meter tiefen Grund des Atlantiks. Natürlich droht eine riesige Umweltkatastrophe, aber auch verheerende, wirtschaftliche Folgen sind zu erwarten.
Die Politikerin Elaine Rosenberg, Präsidentin des Ausschusses für Energie und Umwelt, fliegt, mit der Aufklärung des Unfalls betraut, sofort zur Unglücks-Stelle. Mit einem von Betreiber-Firma Prometheus Oil (PO) zur Seite gestellten Anwalt macht sie sich kurz darauf auf den Weg zum Meeresgrund.
Natürlich darf man davon ausgehen, dass PO Dreck am Stecken hat und nicht an wahrer Ursachenforschung interessiert ist! Nein, in Wirklichkeit gibt der einflussreiche Firmenchef Peter Spinoy seinen Leuten viel mehr Anweisungen, die Untersuchungen zu sabotieren.

Deepwater Prison - Vorschau Seite 1 - Tribe Online Magazin

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Schon diese Rahmenhandlung böte vermutlich einiges Material für einen Comic, hätte aber mit dem Titel herzlich wenig zu tun.
Zu seinem Namen kommt die auf drei Teile angesetzte Reihe schließlich durch ein Unterwasser-Gefängnis, das ebenfalls auf gut 900 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund errichtet wurde – und das, wie es der Zufall will, gerade einmal um einen halben Kilometer von der herabsinkenden Bohrinsel verfehlt wurde. Der hoch-technologisierte Hochsicherheits-Knast ist natürlich eigentlich für die härtesten Verbrecher vorgesehen, da freie Zellen aber überall knapp sind, werden auch weniger “schwere Jungs” hier untergebracht.

So kommt es also, dass Rosenberg im Gefängnis das Basislager für ihre Aufklärungs-Ausflüge zum Wrack der “Constellation” und dem Bergen der wahrscheinlich Aufschluss gebenden Black-Box-Daten aufschlägt, während der ehemalige Soldat John Stewart – eine ehrliche Haut, aber eben auch verurteilter Befehlsverweigerer – mit ein paar Mitgefangenen einen Ausbruch plant. Die Ankunft der Politikerin könnte schließlich auch die einmalige Chance sein, so ein Vorhaben überhaupt umzusetzen zu können…

Deepwater Prison - Vorschau Seite 11 - Tribe Online Magazin

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Besonders die harte, trostlose Umgebung der strengstens geführten Strafanstalt, in der brutale Gewalt und Vergewaltigungen durch Mithäftlinge und Wärter an der Tagesordnung sind, beschreibt Autor Christophe Bec (“Prometheus”) in diesem ersten Band detailliert.
Die Idee, ein “Alcatraz” in die Dunkelheit der Tiefsee zu stellen, mag zwar etwas wahnwitzig erscheinen, lässt sich aber natürlich mit Gründen der Flucht-Verhinderung erklären. Dass ausgerechnet ein so harmloser Fall wie Stewart, der schließlich nur aus menschlichen Gründen den Befehl seines Vorgesetzten missachtet hat, satte 20 Jahre hier einsitzen muss, wirkt dagegen nicht ganz einleuchtend – Zellenknappheit in anderen Gefängnissen hin oder her. Für die Entwicklung der Geschichte passt das aber selbstverständlich ganz gut.

Man kann noch nicht ganz einschätzen, in welche Richtung sich die Story in den kommenden Bänden bewegen wird. Mal abgesehen vom “Prison Break”-Teil. Zwar ist auch der geplante Ausbruchsversuch aus dem “Deepwater Prison” ist, für sich alleine gesehen, ein reizvoller Ansatz. Trotzdem tut Bec gut daran, das Ganze mit einem zweiten Handlungsstrang, dem mit der Ölplattform-Katastrophe, zu verbinden. Und dann waren da ja noch die zu Beginn angesprochenen Riesen-Seeschlangen…

Abgesehen von der Assoziation mit dem wahren Unglück der Bohrinsel “Deepwater Horizon”, habe ich für mich beim Lesen ein paar Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten mit anderen Comics gesehen:
Sowohl die beklemmende Atmosphäre des Knasts, als auch die sehr realistischen Zeichnungen von Stefano Raffaele haben mich gleich an das “Pelikan Protokoll” (siehe hier) denken lassen. Riesige Seemonster in ähnlicher Optik tauchten dagegen erst vor Kurzem bei “Sintflut” (hier unser Review) auf. Ohne bestimmte Anhaltspunkte nennen zu können (vielleicht das Umwelt-Thema und die großartigen Szenerien), kam mir zudem „Aquablue: New Era“ (siehe hier) in den Sinn.

Wir dürfen jedenfalls auf Band 2 (“Der Block”) – im französisch-sprachigen Original schon erschienen, im Deutschen in Vorbereitung – gespannt sein. Schon “Deepwater Prison 01: Constellation” bietet jede Menge Möglichkeiten, die dramatische und spannende Geschichte unterhaltsam weiter zu erzählen.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Deepwater Prison 01 - Constellation - Tribe Online Magazin
Deepwater Prison 01: Constellation
Christophe Bec, Stefano Raffaele
Hardcover, 48 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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