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Die Daltons 01: Der erste Tote

Mal ehrlich: Wenn wir den Namen “Die Daltons” hören, stellen sich vor unserem geistigen Auge doch sofort die etwas dusseligen Banditen-Brüder in Orgelpfeifen-Formation auf — die Hände am Revolver. Diese berüchtigte Bande — Joe, William, Jack und Averell (von klein nach groß), die gegen den lässigen Helden Lucky Luke ein ums andere Mal den Kürzeren zieht.
Was dabei vermutlich vielen nicht bekannt ist: Dieses Quartett ist bereits die zweite Daltons-Garnitur, die Morris seinem Cowboy mit dem flinken Colt entgegenstellt. Die erste hatte Luke irgendwann (Band “Die Gesetzlosen”) beseitigt. Im Comic, versteht sich, also nur eine Geschichte. In Wirklichkeit haben aber genau diese Brüder (Bob, Grat, Bill und Emmett — und Frank) tatsächlich gelebt! Der letzte von ihnen, Emmet, verstarb sogar erst 1937. Und sie haben gar keine so schlechten Banditen abgegeben — auch wenn sie sich zum Schluss mit einem Doppel-Bankraub doch etwas übernommen hatten.
Was an ihrer Geschichte aber besonders überrascht: die Räuberei war bereits ihre zweite Karriere. Zuerst gingen zwei von ihnen (wie auch der fünfte Dalton, Frank, der noch vor der Bandenzeit starb) dem achtbaren Job als Marshall nach…

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Das Buch beginnt mit dem Tag, an dem die Daltons in Coffeyville, Kansas, gleich zwei Banken auf einmal überfallen wollten und dabei, so viel ist klar, schließlich ihr Ende fanden. Bevor es aber so weit kommt, wird der Leser in die Vergangenheit zurückgeführt. Ins Jahr 1887, als Frank, der älteste der Geschwister, gerade bei seiner Arbeit als Marshall getötet wurde. Frank hat mit der Geschichte somit nur insofern zu tun, dass sein Tod wohl irgendwie die weiteren Geschehnisse ein Stück weit beeinflusst.
Anschließend an die Beerdigung wird episodenweise die Zeit bis 1890 erzählt, wie Emmet und Bob zunächst ebenfalls als Marshall gearbeitet haben, dabei aber immer korrupter wurden. Als sie aufgrund leerer Kassen noch nicht einmal mehr für ihre Arbeit entlohnt werden, geben sie schließlich ihren Stern ab und suchen nach einer anderen Möglichkeit, Geld zu verdienen. Als Viehbauern?! Mit einem Saloon “mit einer Herde Tänzerinnen in Rüschenröckchen”?! Beides klingt nicht gerade verlockend. Und langsam wird klar: “Ehrliche Menschen werden niemals reich”.

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Mit seinem Comic-Debüt hat sich Olivier Visonneau also vorgenommen, die realen Daltons ein Stück weit zu rehabilitieren. Ob nun als gar nicht so trottelige Räuber oder als ursprünglich einigermaßen ehrenwerte Männer, das sei nun dahingestellt. Jedenfalls bedient er hier nicht vorrangig die gängigen Western-Klischees, sondern bemüht sich um einen authentischen Eindruck — auch wenn natürlich klar ist, dass es sich trotz der historischen Basis um eine Erzählung handelt, und diese auch unterhalten soll.
Für Zeichnungen und Farben war (bzw. ist; der zweite Band steht auch im französischen Original noch aus) Jesús Alonso verantwortlich. Die Zeichnungen gehen absolut in Ordnung, auch wenn die Innenseiten einen etwas gröberen Eindruck machen als das Cover. Sehr gut gelungen ist die Kolorierung, mit der Alonso genau den richtigen Ton getroffen hat.

“Die Daltons 01: Der erste Tote” landet natürlich automatisch in der Wild-West-Schublade, ist aber eigentlich eher ein historisches Drama, das erzählt wie die Daltons langsam aber sicher immer mehr auf die schiefe Bahn gerieten. Breaking Bad im Wilden Westen, sozusagen. Durch den real-historischen Hintergrund, und letztlich natürlich auch durch die (vermeintliche) Bekanntheit der Hauptfiguren aus den Lucky Luke-Geschichten, dürfte die Geschichte aber nicht nur für Western-Fans interessant sein.

Eine Leseprobe findet ihr, wie immer, auf der Verlagsseite zum Buch bei Splitter.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Die Daltons 01: Der erste Tote
Olivier Visonneau, Jesús Alonso
Hardcover, 56 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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