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H.G. Wells – Die Zeitmaschine

Mit seinem Roman „Die Zeitmaschine“ (im Original: „The Time Machine“) beschrieb der Brite H.G. Wells (m.W.) zum ersten Mal in der Literatur eine Reise durch die Zeit in die Zukunft und bescherte der Welt damit nicht nur ein Klassiker der Science-Fiction sondern auch ein Schlüsselwerk für den späteren Steampunk.
Zuletzt wurde die Geschichte 2002 von Wells‘ eigenem Urenkel verfilmt. Kindern des letzten Jahrtausends dürfte sich aber vor allem der Film aus dem Jahre 1960 mit den schrägen Szenen, in denen die Eloi von den Sirenen in die Unterkünfte gerufen wurden, ins Gedächtnis gebrannt haben. Doch von Anfang an…

Die Geschichte beginnt in London und zwar im selben Jahr, in der sie geschrieben wurde, also 1895. Drei Wissenschaftler sind auf dem Weg zu einem ihrer Kollegen. Er hat sie nicht nur zum Dinner eingeladen, sondern möchte ihnen vor allem seine neueste Erfindung präsentieren. Und er hat nicht weniger versprochen, als durch die Zeit reisen zu können.
Natürlich sind die drei Gäste mehr als skeptisch, als sie ein Modell des eigentlichen Gerätes vorgeführt bekommen – auch wenn das kleine Ding vor ihren Augen mit mächtig Tamtam verschwindet. Sie vermuten weiterhin, er hätte zu wenig Schlaf abbekommen und sich „in der Geometrie der vier Dimensionen“ verirrt.

Ich schwanke ernsthaft zwischen Fantasterei und Utopie.ein nicht überzeugter Wissenschaftler-Kollege

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Durch die Ungläubigkeit der Drei angespornt, verlässt der Erfinder den Raum während er etwas von einer „echten Maschine“ brabbelt. Einige Momente später kommt er wieder. Allerdings hat er nun nicht nur einen Bart, sondern erzählt den anderen auch noch, dass er für längere Zeit in einer fernen Zukunft war…

Unvorstellbar fern, wie er später berichten wird. Er landet im Jahr 802701 und lernt dort die Eloi kennen, eine menschliche, aber sehr merkwürdige Kultur. Oder besser Unkultur: das Leben der kindlichen Wesen wirkt vordergründig paradiesisch und unbeschwert, allerdings auch gleichgültig und primitiv. Ihre einzige Sorge ist die Nacht.
Und natürlich findet der von Natur aus neugierige Wissenschaftler (der außerdem seine verschwundene Zeitmaschine wiederfinden will) schon bald heraus, wovor die Eloi Angst haben: im Untergrund leben scheußliche und lichtscheue Kreaturen mit spitzen Zähnen und großen leuchtenden Augen – die Morlocks…

Aber ich habe einige sehr verblüffende Momente erlebt.
Was meinen Sie mit „verblüffende Momente“?

Was die Filme verschweigen: Wie es sich für gute Science-Fiction gehört, liegt der Story eine gesellschaftskritische Idee zugrunde. In seiner Zukunftsvision, eine der ersten Dystopien, hat Wells die Klassenunterschiede bis hin zu einem grässlichen Endzustand weitergesponnen. Die Oberschicht verkümmert und verdummt in ihrer Komfortzone, und die Unterschicht lehnt sich schließlich irgendwann auf.

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Dobbs (siehe auch „Mister Hyde vs. Frankenstein“ und „Scotland Yard“) muss sich hier zwar etwas kurz halten, er verzichtet auf diesen Teil der Geschichte nicht. Überhaupt hält er sich bei der Adaption offenbar näher an der Romanvorlage als das die bekannten Filme taten.
Die Szenen wurden von Mathieu Moreau gelungen in Zeichnungen und Farben umgesetzt. Besonders beeindruckend ist sicher die Doppelseite, auf der der Protagonist in die Zukunft reist. Den Effekt aus dem 1960er-Film, in dem Sonne und Mond sich immer schneller abwechseln habe ich dabei aber schon ein wenig vermisst.

„Die Zeitmaschine“ ist der fulminante Auftakt zu Dobbs Wells-Reihe bei Splitter und gehört nicht nur des schicken Covers mit Gold-Effekt wegen in die Science-Fiction-Sammlung, die was auf sich hält. Am Ende wird die Reihe sechs Bände umfassen. Noch dieses Jahr wird ein zweiteiliges „Der Krieg der Welten“ (wir haben hier vor kurzem Thilo Krapps Version besprochen) erscheinen. Später dann noch „Der Unsichtbare“ (Vgl. „The Nobody“ von Jeff Lemire) in ebenfalls zwei Teilen und schließlich „Die Insel des Dr. Moreau“. Ich wage die (wenig gewagte) Prognose, dass diese Reihe ein Fest wird!

Eine Leseprobe findet ihr wie immer auf der Verlagsseite zum Buch bei Splitter.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

H.G. Wells – Die Zeitmaschine
Dobbs, Mathieu Moreau
Hardcover, 56 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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