Huck: Held wider Willen

Für gewöhnlich sind Superhelden ja maskiert. Entweder sind sie, wie Spidey, gänzlich verhüllt oder sie bedecken zumindest einen Teil ihres Gesichtes, wie beispielsweise Batman oder Daredevil. Ihre wahre Identität halten sie jedenfalls geheim und offenbaren sie höchstens ihrem engsten Vertrauten. Und trotzdem finden sie es wohl insgeheim doch irgendwie ganz cool, wenn ihr Alter Ego für eine Heldentat wieder mal im Rampenlicht steht.

Huck, der neue Held von Star-Autor Mark Millar (“Kick-Ass”, “Wanted” oder auch “Secret Service”) und Co-Autor und Zeichner Rafael Albuquerque, ist da tatsächlich ziemlich anders: Er hat zwar übermenschliche Kraft aber kein Kostüm, tut hauptsächlich seinem Umfeld und aus reiner Nächstenliebe Gutes, und der Kreis der Vertrauten, also derer, die von seinen besonderen Fähigkeiten wissen, erstreckt sich in diesem Fall über das gesamte Städtchen, in dem er als Tankwart arbeitet. Nur die Ortsgrenzen darf das Geheimnis unter keinen Umständen überschreiten, da sind sich alle Einwohner einig.

Der etwas Tumbe von der Tankstelle? / Nun, tumb würde ich nicht sagen. Er ist etwas… Besonderes.

Deutsche Ausgabe: © Panini Verlags-GmbH

Als eines Tages eben doch eine Zugezogene plaudert, steht gleich am nächsten Morgen eine ganze Journalisten-Horde vor Hucks Tür. Und nicht nur die. Es suchen auch jede Menge Leute von überall her Hilfe bei Huck, denn man sagt ihm auch nach, er könne besonders gut verlorene Dinge und vermisste Personen aufspüren. Und der gutmütige Huck tut natürlich was er kann — für alle die kommen.
Hucks neue mediale Präsenz sorgt aber auch dafür, dass er, der einst als Findelkind in der Stadt gelandet war, und seine Mutter sich wiederfinden. Viel Zeit, sich über die kleine Familienzusammenkunft zu freuen, bleibt ihnen allerdings nicht. Denn gemeinsam schlittern die beiden in eine gefährliche Falle der Russen, die sich in einem seit dem Kalten Krieg andauernden wissenschaftlichen Wettlauf sehen und nun ebenfalls auf den übermenschlichen Huck aufmerksam wurden…

Mit sechs Kapiteln enthält das Buch die komplette, abgeschlossene Miniserie. In einem Bonusteil zeigt Albuquerque ein paar seiner Skizzen. Die Cover der einzelnen Originalausgaben sind allerdings nur sehr klein im Deckel zu finden.

Der große Typ in Schrank-Format macht zugegebenermaßen nicht unbedingt den hellsten Eindruck, aber tumb wäre tatsächlich ein etwas ungerechtes Adjektiv. Entscheidend ist aber, dass Huck zeigt, dass Gutmütigkeit und Warmherzigkeit nicht unbedingt als Schwächen zu werten sind. Auch nicht für einen vor Kraft strotzenden Helden.

Deutsche Ausgabe: © Panini Verlags-GmbH

Dieser Held taugt für Einsätze als Ein-Mann-Armee in Afghanistan und bei der Befreiung von Boko Haram-Geiseln genauso wie zum Wiederfinden verlorener Halskettchen von ideellem Wert. Er ist sich nicht einmal zu schade, einfach mal für alle den Müll wegzubringen — nein, es macht ihn sogar glücklich, den anderen damit eine Freude zu machen. Huck ist gerne Held, vollbringt gerne jeden Tag eine gute Tat — oder auch mehrere. Nur im Mittelpunkt stehen mag er eben nicht. Insofern erscheint der deutsche Untertitel “Held wider Willen” ein bisschen irreführend.

Würde sich die — übrigens hier und da auch etwas Humor zeigende — Geschichte auf die kleinstädtischen Alltags-Heldentaten beschränken, würde das trotz aller Andersartigkeit bestimmt zu Langeweile führen. Millar tut daher gut daran, Huck und seiner Mutter, die übrigens auch über bestimmte Fähigkeiten verfügt, aus dem Idyll herauszuholen und ihnen mit dem russischen Professor Orlow einen ordentlichen Gegner mit bösem Plan entgegen zu stellen. Das funktioniert insgesamt recht gut, auch wenn einen das wieder einmal bemühte Bild des bösen Russen innerlich möglicherweise zunächst zu einem Gähnen ansetzen lässt.

Huck schwingt nicht an Spinnenfäden durch Großstadt-Häuserschluchten, Huck surft auf Autos und Zügen durch die Provinz. Huck ist anders — und auf seine Art cool.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Huck: Held wider Willen
Mark Millar, Rafael Albuquerque
Softcover, 164 Seiten
(Panini)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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Über Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.[BR] Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.
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