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Joe Hill: Ein Korb voller Köpfe

Joseph Hillström King alias Joe Hill ist Sohn des Horror-Königs Stephen King. Längst muss das aber eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden, schließlich hat sich Hill nach jeder Menge Kurzgeschichten, ein paar Romanen und zahlreichen Auszeichnungen längst einen eigenen Namen als Schriftsteller gemacht. Auch ein paar Comics mit seinem Namen sind schon veröffentlicht worden: “Joe Hill: Das Cape” und der Nachfolger “Joe Hill: Das Cape 1969” basierten auf einer von Hills Kurzgeschichten, wurden aber von anderen Autoren adaptiert, “Joe Hill: Wraith” hat Hill dagegen selbst ins Comic-Format gebracht. Seinen größten Comic-Erfolg bislang feierte er aber zusammen mit Zeichner Gabriel Rodriguez mit der Geschichte der Locke-Familie und ihrem geheimnisvollen alten Haus in Matheson — und dank der schicken Netflix-Serie ist “Locke & Key” mittlerweile auch nicht mehr nur Comic-Affinen bestens bekannt.
In die Zeit kurz vor Halloween gut passend ist nun bei Panini ein neuer, von Hill selbst geschriebener Titel erschienen: “Joe Hill: Ein Korb voller Köpfe”.

Deutsche Ausgabe: © Panini Verlags-GmbH

Darin geht es um die junge June Branch, die zum Ende des Sommers ihren Freund Liam auf der beschaulichen Insel Brody Island besucht, um mit ihm dort den Sommer ausklingen zu lassen. Als June ankommt, ist Liam gerade dabei, den letzten Arbeitstag seines Sommerjobs als Hilfs-Sheriff zu beenden. Dann meldet der Polizeichef aber, dass vier Straftäter bei einem Arbeitseinsatz getürmt seien. Der Sheriff bittet Liam darum, zu ihm nach Hause zu fahren und dort mit June den Abend zu verbringen, damit seine Frau nicht auf sich alleine gestellt wäre, falls die Häftlinge womöglich dort auftauchen.
Und natürlich kommt es dann auch so weit. Fremde dringen ins Haus ein, Liam sieht nach und ist schließlich verschwunden, als sich June aus dem Versteck traut. Dann gerät auch June an einen der Typen im orangefarbenen Overall. Eigentlich in einem Akt von Hilflosigkeit und Verzweiflung greift June nach einer antiken — und wie sich herausstellen soll auch ziemlich mysteriösen — Wikinger-Axt und hackt dem Angreifer erst den halben Fuß ab und anschließend auch noch den Kopf.

Deutsche Ausgabe: © Panini Verlags-GmbH

Und jetzt kommt’s: Der Typ lebt weiter! Naja… zumindest sein fluchender Kopf, der logischerweise seine Arme und Beine nicht mehr spüren kann. Das alte, verfluchte Beil macht’s möglich.
June beschließt, den Kopf in einen Korb zu packen (denn sie ist ja eigentlich ein gutes Mädchen, das einen jammernden Kopf nicht einfach am Strand herumliegen und womöglich ertrinken lässt — Moment mal, geht das überhaupt?!) und sich samt Axt und Korb auf die Suche nach Liam zu machen. Bei den unterwegs auftauchenden Schwierigkeiten erweist sich June, nach und nach, als immer abgebrühter. Und ihr Korb füllt sich immer mehr…

Die (mit den enthaltenen sieben Kapiteln übrigens abgeschlossene) Handlung — und auch das ganze Drumherum — wird bemerkenswert gut erzählt. Dazu kommt, dass man sich als Leser mit June als sympathische Hauptfigur gerne identifiziert. Natürlich ist das Ganze als Horror-Story zu sehen und hat dafür auch einige starke Szenen und so manche interessante Wendung zu bieten. Gerade aber der schwarze Humor, der ständig mitschwingt, — vor allem um die verzweifelten Köpfe, die sich im Korb miteinander arrangieren müssen — macht die Geschichte besonders.
Etwas schade ist vielleicht, dass Hill das Achtziger-Jahrzehnt, in dem die Story spielt, nicht wirklich zelebriert — was das angeht also überhaupt kein Vergleich zu “Stranger Things”, zum Beispiel. Eigentlich ist kaum an etwas zu erkennen, in welcher Zeit man sich befindet.
Die Zeichnungen des Italieners Leomacs haben mir insgesamt ganz gut gefallen, wenn der Stil bei den Gesichtern auch etwas hin und her wechselt und manchmal realistischer wirkt und manchmal leider etwas cartoonhaft. Die Farben von Dave Stewart passen wiederum großartig — zum Thema und in die Zeit.

Deutsche Ausgabe: © Panini Verlags-GmbH

Das amerikanische Original (“A Basketful of Heads”) machte den Anfang zur “Hill House”-Reihe im DC-Imprint “Black Label”, das sich seit diesem Jahr, wie zuvor 2019 beendete “Vertigo”-Imprint, um die “erwachseneren” Comics kümmert. Die angesprochene Comic-Reihe wird weitere Comics unter dem Namen und basierend auf den Geschichten von Joe Hill bringen — demnächst folgen zwei davon auch in deutscher Ausgabe bei Panini. Anders als “Ein Korb voller Köpfe” werden diese Stories aber wieder von anderen Autoren erzählt werden.

Fazit: Großartig geschriebener Hill-Horror für alle, für die Horror nicht zwingend realistisch und todernst sein muss. Wer darüber hinaus Spaß an makaberem Humor hat, wird “Ein Kopf voller Körbe” lieben.

Eine Leseprobe findet ihr auf der Verlagsseite zum Buch bei Panini.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Joe Hill: Ein Korb voller Köpfe
Joe Hill, Leomacs, Ricardo la Bella
Softcover, 188 Seiten
(Panini)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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