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Sherlock Holmes: Die Chroniken des Moriarty

Nach einigen Sherlock Holmes-Comics, ja der Begründung eines eigenen “Sherlockversums”, in das Mythologisches genauso wie andere Literatur-Größen des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts hinein gemischt wurden, dürfte der Autor Sylvain Cordurié mittlerweile wirklich den meisten Comic- bzw. Genre-Freunden ein Begriff sein.
Gerne verweise ich an dieser Stelle aber natürlich auf unsere vorangegangenen Besprechungen seiner Bücher (auch weil dieser Beitrag hier sonst etwas spoilert).
Mit den “Chroniken des Moriarty” knüpft Cordurié diesmal an die Geschichte aus “Sherlock Holmes & das Necronomicon” an und kümmert sich dabei, wie der Titel schon verrät, vor allem um Holmes’ ewigen Widersacher.

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Es ist ja nicht so, dass Moriarty es nicht selbst verbockt hätte. Er selbst hatte dafür gesorgt, dass das Tor zu eben dieser anderen Dimension geöffnet wird, in der er jetzt festsitzt und immer wieder unvorstellbare Qualen erleiden muss. Aber Moriarty wäre nicht Moriarty, wenn er klein beigeben würde. Ganz im Gegenteil: stattdessen scheint ihn jede Folter immer stärker werden zu lassen.
Und schließlich findet er, nachdem er schon dem Tod ein Schnippchen geschlagen hatte, auch einen trickreichen Weg zurück ins London unserer Dimension. Anstatt aber dort seine neu erlangte übermenschliche Macht dazu zu nutzen, den Untergrund wieder unter seine Kontrolle zu bringen, verfolgt Moriarty nun ein geradezu edles Ziel: die Zerschlagung seiner Organisation und der Vernichtung aller verbleibenden Necronomicon-Ausgaben….

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Das gesamte Splitter Double (beide Bände der Geschichte in einem Buch vereint) ist also James Moriarty gewidmet. Er ist die zentrale Figur. Vor allem Sherlock-Fans sollten sich demnach bewusst sein, dass sie Holmes, trotz Erwähnung im Titel, diesmal nur auf wenigen Seiten, in einer Art Epilog zum Ende der Story, überhaupt zu sehen bekommen.
Bemerkenswert ist, dass Moriarty, der ja sonst ganz oben im Ranking der üblen Gestalten rangiert, hier gegen Bedrohungen kämpft, die noch weit größer sind als er. Man mag es kaum glauben, aber Moriarty wird dadurch tatsächlich ein bisschen zum Protagonisten, der hier das selbst angerichtete Chaos aufräumen will und so schließlich irgendwie gute Absichten zu haben scheint. Das heißt aber nicht, dass er nicht hin und wieder dann doch seine ganze Abgebrühtheit und Boshaftigkeit zeigen darf.

Cordurié versteht es einfach, eine Geschichte äußerst klug aufzubauen und und spannend zu erzählen. “Sherlock Holmes: Die Chroniken des Moriarty” ist da absolut keine Ausnahme. Leichte Kost — im Sinne von: locker nebenbei zu lesen — ist das Buch aber nicht. Für das Verständnis, insbesondere für das Verständnis der Ausgangssituation, ist es außerdem schon sehr empfehlenswert, das auch chronologisch vorausgehende “Necronomicon”-Double gelesen zu haben. Wer andere Bücher aus Corduriés Sherlockversum bereits kennt, darf davon ausgehen, dass sich dieses hier qualitativ in puncto Storytelling und Zeichnungen nahtlos in die Galerie einreiht.

Eine Leseprobe findet ihr, wie immer, auf der Verlagsseite zum Buch bei Splitter.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Sherlock Holmes: Die Chroniken des Moriarty
Sylvain Cordurié, Andrea Fattori
Hardcover, 96 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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