What a wonderful world

In den letzten Jahren erschienen unter anderem mit den “Happy…”-Cartoons (“Happy Parents”, “Happy Sex” oder z.B. auch “Happy Rock”; jeweils im Splitter-Verlag) ein paar Bücher des Schweizer Comic-Autors und -Zeichners Philippe Chappuis bei uns. Bekannt ist Zep, so sein Künstlername, aber vor allem für seinen Comic “Titeuf”.
Der erwachsen werden wollende Junge mit der markanten Federlocke auf dem Eierkopf (“tête d’oeuf”) ist bei unseren französischen Nachbarn eine der bekanntesten Comic-Figuren, und Übersetzungen in 25 Sprachen (deutsche Ausgaben bei Carlsen), Millionen von Verkäufen seit den 90er-Jahren, eine TV-Adaption und schließlich ein Kino-Animationsfilm lassen erahnen, welch großen Erfolg Zep insgesamt damit hatte.

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Die letzten zwei Jahre zeichnete Zep außerdem für einen Cartoon-Blog der französischen Tageszeitung Le Monde, in dem er mit einem zwinkernden Auge vor allem über jede Menge Aktuelles und Alltägliches sinnierte: “What a wonderful world”, eben.
Die offizielle Beschreibung des Blogs lautete in etwa so: “Der Autor von Titeuf wirft einen kompromisslosen Blick auf aktuelle gesellschaftspolitische Ereignisse. Er hinterfragt die Eitelkeit der Dinge und hat sich einer gerechteren Welt, ohne Krieg, ohne Angst vor Fremdem und Fremden und ohne Rosenkohl verschrieben”. Ein Teil daraus ist nun als gleichnamige Tradepaperback-Ausgabe bzw. als “Mini-Splitt” (ein neues Imprint des Bielefelder Splitter-Verlags) erschienen.

In den Cartoons, die in dieser Buch-Ausgabe pro Thema meist ein, zwei Seiten einnehmen, manchmal auch bis zu vier, selten aber auch mal nur aus einer einzigen Zeichnung bestehen, widmet sich Zep einfach allem, was ihn beschäftigt: Die um sich greifende Selfie-Manie, die Tattoo-Generation und sonstigen neumodischen Kram; Superhelden, Film-Charaktere und gealterten Comic-Figuren und ihren Problemchen — und viel alltäglichen Wahnsinn und tagträumerische Phantasien… ach, und Penisse! — gni-hi-hi — Zep zeichnet offenbar wirklich gerne Penisse! Und nicht immer ist Sex dabei das Thema…
Ein wichtiges Thema ist für Zep auch immer wieder die Musik. Immerhin stammt selbst sein Künstlername letztendlich von den legendären Led Zeppelin ab. Er ist Rock-Fan und selbst auch Musiker (aktuell in einer Cover-Band namens “Alice in Kernerland”, die natürlich auch “What a wonderful world” im Programm hat), und so geht es immer wieder auch um diesen Bereich: zelebrierte Plattenkäufe, Hörgenuss-Trips, Konzert-Erlebnisse oder phantasierte, fast spirituelle Begegnungen mit seinen Idolen.

© für die deutsche Ausgabe: Splitter Verlag

Die Stichworte “Kompromissloser Blick”, “gesellschaftspolitische Ereignisse” und “gerechtere Welt…” in der obigen Beschreibung lassen aber schon erahnen, dass Zep durchaus auch ernste Themen anpackt: von fragwürdigen bis negativen gesellschaftlichen Entwicklungen im Allgemeinen bis hin zum Nahost-Konflikt, dem islamistischem Terror und Charlie Hebdo im Speziellen. Trotzdem sind auch diese Karikaturen meist mit ordentlich Humor umgesetzt. Hin und wieder allerdings stimmen einen Zeps Geschichten auch einfach nur nachdenklich. Nicht überall ist also eine Pointe zum lauthals Loslachen versteckt.

Am Zep’schen Humor zwischen spitzfedriger Satire und herrlichem Quatsch dürfte so ziemlich jeder seine Freude haben. Besonders wem noch eine unterhaltsame Lektüre für die anstehenden Weihnachts-Festtage oder gar ein Last-Minute-Geschenk fehlt, sei hiermit ein genauerer Blick auf “What a wonderful world” wärmstens empfohlen.

In diesem Sinne schonmal: “Jihad Noel! Frivole Weihnachten!” — heee, nein!! Nicht doch!! Scheiß-Autokorrektur… ;)

Eine Vorschau mit ein paar Seiten findet ihr auf der Seite zum Buch bei Splitter.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

what-a-wonderful-world-tribe-online-magazin
What a wonderful world
Zep
Tradepaperback, 176 Seiten
(Splitter)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.[BR] Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.
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