Alestorm (Support: Aephenemer) – 05.08.2019 Z7, Pratteln (CH)

Arrrrrr, wirrrr enterrrrn das Z7 und es gibt nichts was ihrrrr dagegen tun könnt!“.

So oder so ähnlich muss es wohl abgelaufen sein, als die schottischen Piraten das Booking in Pratteln eingetütet haben. Eine Band, die gefühlt jedes Jahr auf jedem Festival spielt, sich selber nicht ernst nimmt und immer wieder neuen Blödsinn fabriziert, spielt mitten in der Festivalsaison eine eigene Headliner-Show. Das ist durchaus gewagt, vor allem, da in letzter Zeit auch keine neue Platte herauskam, aber die Crew rund um Frontmann und Mastermind Christopher Bowes ist immer für eine Überraschung gut.

Immerhin knapp 1000 Besucher begaben sich ins Z7, welches wohl so weit vom Meer entfernt ist, wie kaum eine andere Venue in Westeuropa. Dennoch war die Stimmung schon beim Öffnen der Türen euphorisch und biergeschwängert. Klar, wenn man sich vor Augen hält, dass der Bandname übersetzt für eine Flut des berühmten britischen hopfenhaltigen Kaltgetränkes steht.

Bevor es allerdings auf Kaperfahrt gehen konnte, eröffneten die Gäste von „Aephenemer“ den Abend mit ihrem melodischen Death-Metal. Ungewöhnlich ist nicht nur der Sound der vier aus Toulouse, auch die Besetzung der erst 2014 gegründeten Band ist einen weiteren Blick wert. So schaffen es die Franzosen in der sonst doch eher männerlastigen Metal-Szene auf eine ausgeglichene Verteilung von 2:2. Vor allem Sängerin und Gitarristin Marion Bascoul überrascht mit einer dreckigen Growlstimme, wo sich einige Herren der Schöpfung mal eine Scheibe von abschneiden können.

Die Musik der Band passt jedoch nicht so richtig zum Abend. In den ersten Reihen wird noch fleißig gebangt und die Fäuste gereckt, etwas weiter hinten hört man zumindest noch interessiert zu, der Funke will aber teilweise nicht so richtig überspringen. Das liegt zum einen an dem doch schon gut angeheitertem jungen Publikum. Andererseits versagt die Stimme der Frontfrau allerdings in den versuchen Clean zu singen, während die Songs im Mittelteil des Sets etwas ruhiger und melodischer werden.

Allgemein sind die musikalischen Qualitäten der Band beachtenswert. Sauber schlittern die Finger von Lead Gitarrist Martin Hamiche durch die komplexen Kompositionen und werden von Bassistin Lucie Woaye-Hune druckvoll untermalt. Die Band hat auf jeden Fall sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und wechselt bei den Anmoderationen immer wieder in ihre Landessprache, was die mitgereisten Fans sichtlich freut. Zum Ende des Sets wird nochmal aufgedreht und ein verdienter Applaus garniert das 45-minütige Set der vier Franzosen.

Nach einer kurzen Umbaupause, in der die berühmte Ente unter tosendem Beifall ihren Platz in der Mitte der Bühne einnimmt, entern die fünf Schotten von Alestorm die Bühne des Z7. Wie so oft beginnt das Set mit „Keelhauled“, und schon treiben die ersten Crowdsurfer auf die Bühne zu. Frontmann Christopher Bowes wirkt noch etwas verhalten, kann das Schweizer Publikum noch nicht so recht einschätzen. Jenes überzeugt ihn aber schnell, spätestens bei „Magnetic North“ grölt die Menge frenetisch mit, wirft Hände und Haare in die Luft. Auch der eine oder andere Becher mit Bier wird auf seine Flugtauglichkeit geprüft. Diese Tropfen von oben tun ganz gut, denn obwohl der Spielort nur zur Hälfte gefüllt ist, steigt die Temperatur unaufhörlich.

Zu „Nancy the Tavern Wench“ wird in der Mitte des Publikums fleißig gerudert, Chris lässt sich von den CO2-Kanonen auf der Bühne abkühlen, Gitarrist Máté Bodor rennt auf der Bühne auf und ab, er hat sich heute für extra kurze Shorts entschieden. Keyboarder Elliot Vernon entledigt sich einfach direkt seines Tanktops, um der Hitze Herr zu werden. Das Publikum beweist sich durch das ganze Set als textsicher, und nun kommt auch beim Frontmann das Grinsen aufs Gesicht. Alestorm hat sich sichtlich warmgespielt, und dieser Funke entzündet ein wahres Fegefeuer der Partystimmung im Publikum.

Zum Taio Cruz-Cover „Hangover“ bekommen die bunten Piraten Verstärkung auf der Bühne. Während der Guitar-Tech die Akustikgitarre übernimmt, kommt der berühmt berüchtigte „Beef Guy“ auf die Bühne. Der Koloss aus Australien ext passend zum Song zwei Dosen Feldschlösschen, die unter dem Jubel der Masse nach der Leerung an seinem Kopf zerdrückt werden. Das Bild ist verstörend und amüsant, nimmt es doch die Tugenden von Filmklassikern wie Ballermann 6 oder New Kids auf. Alestorm tut das was sie am besten können: Blödsinn machen, Lieder über’s Saufen, Piraten, oder Frauen singen, und dabei ein musikalisches Feuerwerk abzufeuern.

Die Setlist ist vollgestopft mit Evergreens der Combo. Dass die Texte dabei eher simpel sind, hilft natürlich auch nach diversen Bieren noch beim Mitgrölen. Einer dieser Songs ist „Mexico“. Eingängig stampfend drückt Drummer Peter Alcorn den Beat in die Halle, Chris heizt dem Publikum ein. Dieses dankt ihm damit, dass es im Takt mitspringt und die Refrains in den Äther grölt.

Zum Finale bedankt sich Chris wie üblich beim Publikum und verabschiedet sich mit „Fucked with an Anchor“. Dafür gefeiert zu werden, dass man sein Publikum zum Ende des Sets beleidigt, dass schaffen in der Tat nur wenige Bands. Alestorm gehört zu diesen. Und als sie sich nach 90 Minuten in ihre Kajüten verabschieden, sind nicht nur Pommesgabeln sondern auch eine Menge freundlich-ironischer Mittelfinger in der Luft.

Ernst nehmen darf man das nicht, was an diesem Montagabend im Z7 in Pratteln geschehen ist. Zu Alestorm kommt niemand, der sich anspruchsvoll unterhalten lassen möchte. Dass dieses Band aber auch abseits von Festivals funktionieren kann, haben sie eindrucksvoll bewiesen. Der Autor geht sich jetzt erst einmal die Bierreste abduschen und dabei „The Sunk’n Norwegian“ summen. In diesem Sinne allen Lesern noch einen schönen Arrrrbend.

Setlist:
Keelhauled – Alestorm – Magnetic North – The Sunk’n Norwegian – The Quest – Nancy the Tavern Wench – Rumpelkombo – 1741 (The Battle of Cartagena) – Hangover – Black Sails at Midnight – Mexico – Pegleg Potion – Bar ünd Imbiss – Captain Morgan’s Revenge – Shipwrecked – Drink – Wolves of the Sea – Fucked With an Anchor

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Hört am liebsten Symphonic- sowie Powermetal, kann sich aber auch für Pagan und Metalcore begeistern. Wenn er gerade einmal nicht mit Achterbahnen spielt, ist die Kamera im Anschlag.

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