Bericht/Fotos: Atze Schröder
05.08.2018 ZMF, Freiburg

Es war der letzte Abend des Freiburger Zelt-Musik-Festivals, das dieses Jahr wegen der WM später als sonst stattfand. Das Zirkuszelt war nur in der der Mitte bestuhlt, die Emporen fast gänzlich frei, es hätten noch ein paar Zuschauer mehr die Dankesrede des Veranstalters vor dem Auftritt des Comedians hören können.

Gleich danach war es dann aber soweit: Zu Klängen von Roland Kaiser, einer Lichtshow und der Ansage von vermutlich Michael Buffer betrat Atze Schröder die Bühne.

Es folgte ein kurze, man könnte es fast „Einschmeichelrunde“ beim Publikum nennen, die das erste Eis brach. Der selbst ernannte Ruhrpott-Cowboy erklärte dann das Thema seines Programms „Turbo“, welches sich darum dreht, dass heute alles schneller, höher und weiter sein muss.

Zuerst bekamen einige Promis ihr Fett weg. Da wurden alte Helden mit den neuen „Stars“ verglichen und auf Trends im Business angespielt, wie z.B. den emotionaler deutscher Texte:

Wieviel man genommen haben muss, um so etwas wie „Du bist wie ich – Nur so schön anders“ von Adel Tawil zu schreiben“, war einer der Kalauer, oder die Erklärung was für ein harter Kerle 50 Cent mit seinen Schussverletzungen ist, oder dass Snoop Dogg eigene Pornoproduktion hat, um dann trocken folgen zu lassen „Mark Forster hat einen Thermomix„.

Natürlich waren die Lacher und auch der Applaus sicher. Die Erwähnten haben aber nicht immer soviel Humor, was z.B. eine Klage von Elmar Wepper oder eine handgreifliche Auseindersetzung mit Niels Ruf in der Vergangenheit schon gezeigt hat.

Es bleibt an diesem Stelle jedem selber überlassen, sich eine Meinung darüber zu bilden. Denn die Privatperson hinter der Kunstfigur hat auch schon gegen Wikipedia geklagt, damit sein richtiger Name nicht bekannt wird.

Dennoch blieb sich der Komödiant treu, spannte den Bogen zur Politik, fragte das Publik wie man jetzt politisch korrekt ein Zigeunerschnitzel bestellt, „Puszta Schnitzel“ oder „Paprika Schnitzel“ schallte es ihm entgegen – er meinte: „gut dann ein Paprika Schnitzel mit Zigeunersoße„.

Gerade dieser verschmitzte Blick auf die Gesellschaft, das Augenzwinkern, nicht immer alles ernst zu nehmen, macht vielleicht den Reiz des aktuellen Programms aus.

Immer wieder werden so Stories um die Kunstfigur Atze Schröder aus Essen-Kray gesponnen, die es erlauben, die Gesellschaft oder einzelne Themen zu persiflieren, indem diese karikiert werden.

So kam z.B. auch das Flüchtlingsthema und die damit behafteten Vorurteile in einer Geschichte über fiktive Nachbarn aus Syrien auf den Tisch. Oder es war die Rede vom kleinen kahlen Kumpel, den aber die Frauen mögen, weil er lustig ist und Humor hat, sprich: dass mehr im Leben zählt als ein toller Körper und ein dicker Geldbeutel.

Überhaupt wurde das Leben und die Menschen im Pott immer wieder aufgegriffen und alles in der Atze Schröder eigenen Art, in Situationen versetzt, die bei den Zuschauern zuerst zu wahren Schenkelklopfern führten und auf den zweiten Blick durchaus auch Dinge wie mangelnde Selbstreflektion oder ähnlich Charakterzüge entlarvten.

Auch aktuelle Themen wie z.B. das Wacken Festival oder die Fußball WM fanden ihren Platz in dem rund zweistündigen Programm. Dazwischen wurde auch mal Wolle Petri von Herrn Schröder angestimmt – bestimmt befand sich im Publikum auch der eine oder andere, der schon Dieter Thomas Kuhn besucht hatte.

Der aufmerksame Zuhörer konnte zwischen den einzelnen Sketchen auch die eine oder andere Lebensweisheit herausfiltern. Dass man z.B. sein Leben leben soll bevor es plötzlich zu spät sein kann, auch mal fünf gerade sein lassen oder einfach mal einen raushauen.

Beachtlich an der ganzen Show war für mich vor allem auch, dass ganz ohne Kulisse, Requisiten oder Kostüme – von der Perücke, den Cowboy Stiefeln und der Pilotenbrille abgesehen – gearbeitet wurde. Lediglich ein T-Shirt Wechsel gönnte sich der Protagonist nach der Pause zwischen den zwei Sets, so dass es nicht wirklich ins Gewicht viel, dass nur die ersten zehn Minuten fotografiert werden durfte.

Was mit Roland Kaiser begann, endete dann mit Peter Maffay.

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Hody

Gründungsmitglied von Tribe Online, ehemaliger DJ. Mag Groove und Melodie, Hardcore und Female Fronted Metal, mal ein bisschen Rap oder Industrial, Sportspiele und RPGs - bastelt gerne an PCs

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