Boy & Joris
14.07.2016 ZMF, Freiburg

Boy und Joris - ZMF 2016 - Tribe Online MagazinNoch kurz bevor Festivalvater Alexander Heisler am vergangenen Donnerstag Abend (14. Juli 2016) die beiden Bands des Zirkuszelt-Abends ankündigte, hingen bedrohlich dunkle Wolken über dem Mundenhof. Es blieb aber bei ein paar wenigen, harmlosen Tropfen — wenn auch bei recht frischen Temperaturen.
Im Zelt war es da schon angenehmer (was man auch nicht immer behaupten kann). Heisler kam also um 20 Uhr auf die Bühne und schwärmte von Boy, die nach 2012 zum zweiten Mal zu Gast auf einer ZMF-Bühne sein würden. Außerdem erzählte er von seiner Backstage-Begegnung mit einem ihm bislang unbekannten Singer/Songwriter: “Er hat glaube ich einen Echo gewonnen. […] Aber wo ist denn nun dieser Joris?”. Der Angesprochene war der Musiker persönlich und merkte direkt an, dass er sogar gleich drei Echos gewonnen hätte.
Die vielen anwesenden Joris-Fans wussten das natürlich auch. Das Zelt war ordentlich gefüllt. Die Fans standen bis in die oberen Ränge, wenn auch nicht überall sehr dicht gedrängt. Viele werden sich auf beide Bands gefreut haben, und das Publikum war gut gemischt. Gefühlt waren allerdings schon ein paar mehr Anhänger des jungen Ost-Westfalen auszumachen.

Galerie: Boy

Die erste Halbzeit des Double-Features übernahmen aber Boy. Das aus der Züricherin Valeska Steiner (hauptsächlich Gesang, aber auch mal Gitarre) und der Hamburgerin Sonja Glass (meist Bass, aber auch mal Gitarre und zweite Gesangsstimme) bestehende Duo wird vielen vor allem durch die Single “Little Numbers” (2011) bekannt sein. Sie hielt sich wochenlang in den Top 100 und erreichte hierzulande Gold-Status – man konnte einfach nicht an ihr vorbeikommen. Mittlerweile haben die beiden aber ein zweites Album (2015) und sind damit auf der gleichnamigen “We Were Here”-Tour.
Vollständig wurde die Boy-Liveband durch einen Mann auf der linken Seite an verschiedenen Tasteninstrumenten (Rhodes Piano, moog Stage), einem Gitarristen in der Mitte und zwei Rhythmusbeauftragten – einem Drummer und einem Percussionisten – auf der rechten Bühnenflanke.
In dieser Aufstellung ergab sich für die Songs ein satter Klang, und hier und da überraschte die Band mit nicht gerade erwarteten Klängen wie knarzendem Synth-Basslauf und tanzbarem Beat. Aber auch das änderte nichts daran, dass die Songs meist eine nachdenkliche und verträumte Stimmung verbreiten, die zwar nicht unbedingt für mitreißende Bühnenshows gemacht scheinen. Ihre Wirkung verfehlten sie dennoch nicht. Von eben dieser Stimmung ließen sich viele gerne anstecken, und immer wieder sah man textsicher mitsingende Fans, die mit geschlossenen Augen mit den Songs leicht mittanzten. Höhepunkt hier natürlich: “Little Numbers”. Persönlich hat mir aber auch besonders die toll arrangierte Version von “Boris” sehr gut gefallen.

Galerie: Joris

Nach einer kleinen Umbaupause übernahm Joris das Publikum. Wobei zunächst Gitarrist Wolfgang auf die Bühne kam, am mittig aufgestellten Klavier platznahm und für das stimmungsvolle Konzertintro sorgte. Der Rest der Band folgte bald: Bino an den Drums, Tobi (“der fast so gut aussieht wie Sonja von Boy”) am Bass und Constantin an den Tasten. Als Joris letzteren als Schwarzwälder vorstellt, freut sich das Freiburger Publikum natürlich lautstark.
Der Mitzwanziger versteht es, die Zuhörer mit großartig dargebotener Livemusik, aber auch mit berührenden Ansagen, humorvollen Einlagen und grandiosen “Special-Effects” (Insider!) zu begeistern. Nicht selten werden die Stücke in die Länge gezogen, hier hat sich ein “Jam” ins Set eingeschlichen, dort ein “Electro Set” mit Dance-Beat und Electro-Sounds — und mit hektischen Strobo-Lichtern inszeniert. Möglicherweise eine Nebenerscheinung des noch recht kleinen Repertoires. Störend hat das aber auch nicht gewirkt.
Die meisten warteten natürlich aber auf die großen Hits. “Sommerregen” fand schon im rund einstündigen Hauptprogramm Platz, das mit einem wahren Höhepunkt abschloss. “Hoffnungslos Hoffnungsvoll”, der Titelsong des Debütalbums, scheint geradezu gemacht für einen richtigen groß klingenden Abgang von der Bühne. Der ausgiebig gefeierte Höhepunkt des gesamten Programms war dann aber natürlich die zweite Zugabe “Herz über Kopf” und die kräftig gesungenen Parts, die das Publikum übernommen hatte. Am Schluss ging Joris sichtlich angetan von der Bühne, während die Besucher immer weiter den Refrain des Liedes sangen. Was für ein großer Moment!

Das Wetter hatte leider nicht so recht mitgespielt. Zwar blieb der Sommerregen aus, und der Himmel klarte während des Konzerts sogar fast vollständig auf. Doch die Temperaturen luden einfach nicht zum Verweilen auf dem Festival-Gelände ein. So trat dann auch ein Großteil der Konzertbesucher offenbar auf der Stelle den Heimweg an.
Mit im Gepäck waren aber die noch frischen Erinnerungen an zwei großartige Pop-Konzerte im Doppelpack. Englischsprachig, filigran die eine Hälfte, deutschsprachig, poetisch aber auch fordernd und mitreisend die andere. Es mag Unterschiede geben, aber da beide Bands offenbar eine gewisse Schnittmenge in ihren Zielgruppen haben, eine gut passende Kombination für einen gemeinsamen Konzertabend.

Setlist von Joris (lt. Bühnen-Zettel):
  1. Intro
  2. Schnee
  3. Neustart
  4. Lass sie reden
  5. Feuerwerk
  6. Der Korken
  7. Hollywood
  1. Bittersüß
  2. Sommerregen
  3. Electro Set
  4. Im Schneckenhaus
  5. Hoffnungslos Hoffnungsvoll
  6. Bis ans Ende der Welt (Zugabe)
  7. Herz über Kopf (Zugabe)

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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