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Curtis Harding
21.07.2019 ZMF, Freiburg

Der 40-jährige Curtis Harding ist ein amerikanischer Soulsänger mit bewegter Vergangenheit – und dies im wörtlichen Sinne: Schon als Kind zog er mit seiner Familie quer durch die USA, wodurch er schon früh mit den vielfältigen, regionalen Musikströmungen in Berührung kam. Größter Einfluss war aber seine Mutter, die in Gospelchören ihr Geld verdiente und die wechselnden Engagements auch der Grund für die häufigen Ortswechsel waren. Als Curtis 14 war wurde die Familie in Atlanta sesshaft und nach Abschluss der Schule zog es ihn beruflich in Richtung Meeresforschung. Doch der Drang Musik zu machen wurde immer stärker, und so ließ er die Meeresforschung zugunsten erster musikalischer Projekte fallen. Dabei versuchte er sich in den vielfältigsten Genres aus: Von Blues über HipHop bis Punk wechselte er die Stile, wobei er sich nirgendwo ganz zuhause fühlte, der Soul aber immer im Hintergrund für ihn präsent war, wie er sich einmal in einem Interview äußerte.

So war es eine Frage der Zeit bis er endlich den puren Soul für sich entdeckte und dabei gar nicht so viel neu macht. Für das 2014 erschienene Album „Soul Power“ nahm er ursprünglich 20 Songs in den Living Room Studios in Atlanta auf, von denen zwölf den Weg auf die Platte fanden. Auch bei seinem 2017 erschienen zweiten Album „Face Your Fear“ gibt es einige Songs, die fast wie eine Hommage an die alten Größen klingen, wie etwa „On and On“ oder „Till The End“, das auch von Tom Jones hätte sein können. Curtis selbst sagt, dass der Soul zeitlos für sich steht und nur hier und da ein klein wenig Modernisierung braucht. Er selbst spricht von „Slop´n´Soul“ und fügt dem klassischen Soul der Siebzigerjahre nur noch punktuell Nuancen aus Gospel, R&B und Rock bei.

Dass diese Rechnung aufgeht, beweist Curtis Harding als Gast beim ZMF, bei dem er ohne Support-Act im Spiegelzelt performt. Bis zehn Minuten vor Beginn jedoch ist das Zelt fast leer und man macht sich Sorgen, ob das den noch „was werden kann“? Als Curtis dann auf die Bühne kommt und mit „The Drive“ das Konzert eröffnet, ist dann doch das Rund gefüllt, wenn auch locker, aber das lässt den benötigten Platz zum Tanzen!
Um es gleich vorweg zu nehmen: Curtis Harding ist kein Entertainer, denn zwischen den Songs gibt es keine Ansagen, und nur an zwei Stellen des Konzertes kommt es überhaupt zu einer Art kurzen Konversation mit dem Publikum. Auffallender ist da schon das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug, welches durch die Live-Abmischung deutlich mehr Druck ausübt als auf seinen beiden Alben, die auch von der Mischung her eher den Sound der Siebziger wiedergeben – ganz Retro eben! Besonders bei „Till The End“ erzeugen die Beiden einen dynamischen Groove, der einfach nur mitreißt. Insgesamt macht die fünfköpfige Band ein sehr dichtes Soundgefüge, bei dem mal mit Saxophon, mal mit Keyboards für gute Sound-Abwechslung gesorgt wird. Curtis Hardings Stimme selbst ist sehr angenehm und warm – ganz soulig eben – und erinnert vor allem in den Momenten, in denen er in die Kopfstimme wechselt, manchmal etwas an Keziah Jones. Schade nur, dass bei einigen Songs deutlich zuviel Effekte auf der Stimme liegen. Etwas weniger wäre besser gewesen – es ist ja nicht so, als müsste man gesangliche Defizite vertuschen…

Aber es dauert dann doch etwas mehr als die Hälfte des Sets, bis mit „Heaven´s On The Other Side“ der Funke endlich ganz überspringt und das Publikum in eine einheitlich klatschende und tanzende Woge verwandelt. Nach 14 Songs ist dann auch schon wieder Schluss und das Konzert eher eine kurze Angelegenheit. Bezeichnend, dass er bei der einzigen folgenden Zugabe als erster von der Bühne geht und seine Band noch etwas über den Song „As I Am“ improvisieren lässt. Alles in allem ein guter und musikalisch solider Vortrag, aber eigentlich wünscht man sich für ein Live-Konzert entweder noch mehr musikalisches Feuerwerk, oder eben etwas mehr Entertainment!

Über den Autor des Beitrags

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Tilo Fierravanti

Schlagzeuger mit zwei eigenen Bands, ist in vielen Musikrichtungen zuhause, vor allem aber in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung im Raum Freiburg unterwegs und immer wieder auch in Jurys tätig (u.a. Play Live / Rampe).

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