Konzertbericht/Fotos: Ezio – „Daylight Moon“-Tour 2018
23.11.2018 Jazzhaus Freiburg

Ein Blick auf die Bühne im sich langsam füllenden Jazzhaus in Freiburg macht stutzig: Ein kleiner zentrierter Teppich, darauf ein Mikrofonständer, ein Effektpedal und nur ein Gitarrenkabel!
Etwas verspätet kommt Ezio Lunedei alleine auf die Bühne und erklärt, dass sein jahrelanger Wegbegleiter und Mitmusiker Mark „Booga“ Fowell leider aufgrund unterschätzter gesundheitlicher Probleme nicht mit auf der Bühne sein kann. Aber er garantiert: „No problem, you are in save hands!“ und hat sich dafür extra mit einer Loop-Station beholfen. Diese wird im weiteren Konzertverlauf vor allem immer dann benutzt, wenn Ezio über die geloopte Rhythmus-Gitarre seine Solos spielt. Bei drei Songs fügt er zusätzlich sogar noch eine, mit Effekten generierte Bassgitarre hinzu. Aber um es gleich vorweg zu sagen: Auch wenn Ezio hörbar mit der Loop-Station umgehen kann, ist sie aber bei weitem kein Ersatz für „Booga“, bzw. Ezio als Gitarren-Duo! Gerade die oftmals explodierenden, extrem dynamischen Passagen in vielen Ezio-Songs sind mit zwei „realen“ Akustikgitarren auf einem ganz anderen musikalischen Level. Zumal Solos und die oft so bereichernden schnellen Läufe von Mark Fowell weniger Ezios Sache sind.

„Steal Away“ ist der Opener des Abends und gleichzeitig auch Programm: Ezio setzt auf Altbewährtes und bringt daher gleich fünf Songs von dem 1995 erschienenen Debut-Album „Black Boots On Latin Feet“. Dem Publikum gefällt´s, und es freut sich, wie immer bei Ezio-Konzerten, lautstark mitsingen zu können. Und natürlich sind Ezios Qualitäten nicht nur im Songwriting und seiner angenehmen Stimme, sondern live auch immer durch seine unzähligen Anekdoten und spontanen, unterhaltsamen Einlagen mit dem Publikum zu finden: So lobt er gleich zu Beginn die Eltern der Kids in der ersten Reihe dafür, dass sie fürsorglich ihren Nachwuchs mit Ohrenschützern aus dem Baumarkt bedacht haben und er so getrost seine nicht jugendfreien „bad words“ los werden kann. Trotz aller musikalischer Widrigkeiten gewinnt er mit solchen Einlagen das Publikum schnell für sich, und dieses feiert ihn, wie immer im Jazzhaus, wo er 1996 seinen ersten Auftritt hatte und seither regelmäßiger Gast ist.
Dass von dem letzten und aktuellsten Studioalbum „Daylight Moon“ von 2016 kaum etwas gespielt wird, bedauert aus dem Publikum nicht wirklich jemand – so sind es doch eben genau Ezios Klassiker die ihm zugerufen werden, wenn er das Publikum auffordert, ihm durchs Programm zu helfen. Denn er hat für den Abend „no plan“. Bei „Saxon Street“ und „Angel Song“ jedoch verneint er sofort, nur um sie als Highlight des Abend ans Ende seines Auftritts zu stellen! Bei dem Song „Bicycle“ fragt er ungläubig, ob es stimmt, dass man in Deutschland den Führerschein verliert, wenn man betrunken mit dem Fahrrad erwischt wird – wo es doch aus seiner Sicht nichts Schöneres gibt, als betrunken Fahrrad zu fahren. Das Freiburger Publikum fühlt sich jedenfalls verstanden und hat bekommen was es wollte: Gute Unterhaltung mit alten Klassikern und einem gut gelaunten Ezio. Wie viele danach freuden-trunken nach Hause geradelt sind, wissen wir nicht…

Foto-Galerie (Fotos: Gerald Backmeister)

Über den Autor des Beitrags

Tilo Fierravanti

Schlagzeuger mit zwei eigenen Bands, ist in vielen Musikrichtungen zuhause, vor allem aber in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung im Raum Freiburg unterwegs und immer wieder auch in Jurys tätig (u.a. Play Live / Rampe).

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