Konzertbericht/Fotos: Fanfare Ciocărlia
10.07.2017 ZMF, Freiburg

Es war Montag und das Wetter war zudem nicht sonderlich einladend. Es wunderte daher nicht, dass das ZMF-Gelände nicht ganz so stark besucht war. Ein “paar Leute” kamen dennoch zusammen — die meisten sicherlich, um die “singende Herrentorte” Helge Schneider im Zirkuszelt zu sehen, andere für eine 12-köpfige Balkan-Brass-Herrengruppe aus Rumänien: Fanfare Ciocărlia.

Gegen halb Neun machte ein Gewitter südlich von Freiburg mit gelegentlichem Grollen auf sich aufmerksam. Es zog allerdings eher in Richtung Schwarzwald weiter, und so konnten einige Stimmungs-Gäste auf den kostenlosen Hügel-Plätzen vor dem Zirkuszelt bei einem Becher Bier oder einem Gläschen Wein ein paar Takte von Schneider aufschnappen.
Auch ich kam noch in den Genuss, Schneider “Schüttel dein Haupthaar für mich” singen zu hören, zumal das Spiegelzelt-Konzert samt Einlass “aufgrund technischer Probleme” leider um 30 Minuten nach hinten verschoben werden musste.

Kurz vor Neun zogen im Westen dann neue dunkle Wolken auf, aber es war sowieso Zeit, sich zum Eingang zu begeben. Vor dem Spiegelzelt wartete schon eine ziemlich große Menschenmenge auf den Einlass. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass die Band eher noch als Geheimtipp gesehen werden könnte. Offenbar ein Fehler: Erst später habe ich den Hinweis auf der Facebook-Seite der Roma-Truppe gelesen, dass das Konzert offenbar tatsächlich ausverkauft war.

Ein paar Minuten vor dem Beginn stürmte dann das Unwetter über das Spiegelzelt hinweg und sorgte dafür, dass Decke, Spiegelkugel und Bühnenscheinwerfer und -Lautsprecher zu schwanken und schaukeln begannen und die Türen links und rechts der Bühne mit einem gewaltigen Ruck aufgeschlagen wurden. Spannender hätte die Band nicht angekündigt werden können.
Dann kamen also Fanfare Ciocărlia auf die Bühne und begannen unmittelbar damit, verdammt ansteckende Rhythmen zu spielen. Das war natürlich abzusehen, aber dass der Funke so schnell auf das Publikum überspringen konnte, war schon beeindruckend. Das übrigens im Durchschnitt überraschend ältere Publikum — ich denke, ich habe seit längerem mal wieder den Schnitt gesenkt anstatt ihn zu heben — fing schnell damit an, die Musik in Bewegung umzusetzen und nach dem Unwetter das Zelt auch vom Boden her zum Beben zu bringen.

Ich hatte es leider vergessen, die Mannen durchzuzählen und mir einen richtigen Überblick über die Musiker zu verschaffen. Es waren aber wohl tatsächlich zwölf an der Zahl, von denen sich die mit den größeren Bass-Blasinstrumenten konstant im Hintergrund und so leider auch etwas im Schatten der Bühnenbeleuchtung aufhielten. Im Zentrum war die Percussion-Abteilung mit Stand-Snare und großer Umhänge-Bassdrum platziert, während in der vorderen Reihe Saxophon, Trompete, Klarinette u.ä. gespielt und abwechselnd gesungen wurde.
Mal ein “Thank you very much-ehh!” mit sympathischem Akzent, ein “Thank you Freiburg-ehh!” oder ähnliche kurze Einwürfe. Mit Worten hielt man sich allerdings nicht sonderlich lange auf. Schnell kam noch ein “… now let’s go on with the party” — und somit der nächste Song.

Während draußen das Gelände um 23 Uhr vom Gewitter wie leer gefegt war und sich das Wetter abgekühlt hatte, hatte die Band das Freiburger Publikum in ihrem rund anderthalb Stunden dauerndem Set (inklusive Zugabe; Selist s.u.) ordentlich auf Betriebstemperatur gebracht. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, ich wäre genauso verschwitzt gewesen wie an den anderen, wesentlich heißeren Tagen.
Großartige Party mit Gypsy-Balkan-Rhythmen! — wer keine Karte mehr bekommen hat oder noch eine Zugabe braucht: Die Band ist am 1. August schon wieder in Wolfach (Kinzigtal) zu erleben.

Setlist des Abends (lt. Bühnen-Zettel):

  • Toba Mare
  • Sirba Monastirea
  • Ciobanasul Si Suita
  • Lume Lume
  • Swing Sagarese
  • C’Est La Vie
  • Un Tigan Avea O Casa
  • Samba (Golden Days)
  • Saintes & Dates
  • Trenul Masina Mica
  • Mister Lobaloba
  • Bubamara
  • Nicoleta
  • Hora Spaniola
  • La Rayah
  • Asphalt Tango
  • Born To Be Wild
  • Iag Bari
  • Presentare (das dürfte die Bandpräsentation gewesen sein)
  • James Bond Theme

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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