Grave Digger – z7 Pratteln, 13.01.2019

Viel Erfahrung trifft auf energische Jungspunde. Unter diesem Motto könnte die aktuelle Tour von „Grave Digger“ stehen, hat man sich doch mit „Burning Witches“ ein paar Newcomerinnen mit auf die aktuelle Tour genommen. Stattdessen entschied man sich für den Titel „Tour of the Living Dead“, was im Angesicht von fast 40 Jahren Bandgeschichte vielleicht auch nicht ganz falsch ist. Welche der beiden Bands am lebendigsten ist, wird sich im Lauf des Abends noch deutlich zeigen.

Um Punkt 20 Uhr beginnt das Intro der fünf Frauen von „Burning Witches“. Als eine der wenigen All-Female-Metal-Bands hat sich das Quintett rund um Frontfrau Romana Kalkuhl erst 2015 gegründet, in der Zwischenzeit aber bereits zwei Alben produziert. Die aktuelle Scheibe „Hexenhammer“ ist sogar noch ganz frisch vom November 2018.

Böse dreinblickend oder das Gesicht komplett hinter der Haarpracht versteckt, dröhnen die ersten harten Riffs durch die Anlage der Konzertfabrik Z7. Hier in Pratteln kann man schon von einem kleinen Heimspiel sprechen, denn die Band wurde im gerade einmal 35km entfernten Brugg gegründet, und konnte von einem jüngst im SRF übertragenen Bandcontest deutlich profitieren. So reckten sich schon früh an diesem noch jungen Abend, zahlreiche Smartphones der jüngeren Fanbase in die Höhe, um den einen oder andere Schnappschuss zu erhaschen. Das Z7 war gut gefüllt, und auch der ältere Teil des Publikums, der wohl für die Gastgeber angereist war, ließ sich schnell vom Sound der jungen Damen anstecken. 

Sie selbst behaupten vom Heavy-Metal-Sound der 80er geprägt zu sein, und so lassen sich deutlich Einflüsse von Iron Maiden und Judas Priest raushören. Als kurz vor Ende ihres 45-minütigen Sets ein schickes Cover von Dio’s „Holy Diver“ angestimmt wird, hält es auch die steifsten Altrocker nicht mehr still am Platz. Die Hände fliegen nach oben, und das noch vorhandene Resthaar wird rhythmisch im Takt geschüttelt. Der Auftritt wirkt, die Stimmung ist gut, das Publikum ausgelassen, und doch wirkt alles ein wenig beliebig und austauschbar. Ob es als Kernmerkmal reicht, dass die Band komplett aus Frauen besteht, um im heutigen Musikgeschäft zu überleben, muss sich noch beweisen.

Nach einer kurzen Umbaupause melden sich die Totengräber zu Wort. Wie schon erwähnt, wurde diese Tour nach dem letzten Album benannt, und so verwundert es wenig, dass direkt mit einem Song von eben diesem begonnen wurde. „Fear of the living dead“ ist von Grave Digger, klingt nach Grave Digger und stimmt perfekt in das Set ein. Kein bisschen müde wirkt Frontmann und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Chris Boltendahl. Im Gegenteil: Seine Energie wirkt von der ersten Sekunde ansteckend auf das ganze Publikum, welches auch bei den neuen Songs extrem textsicher ist.

Das Set selber ist ein buntes Potpourri aus der gesamten Bandgeschichte und streut nur gelegentlich etwas vom namensgebenden Album ein. Wenn man seit fast 40 Jahren unterwegs ist und in dieser Zeit 20 Alben veröffentlicht hat, ist natürlich auch genug Material für einen abwechslungsreichen Abend vorhanden. Schon früh im Set greifen die vier Gladbecker mit „Lawbreaker“ zu einem Mitgröhlsong erster Güte, und das Publikum honoriert dies mit frenetischem Gebrüll. Immer wieder bekommt Gitarrist Axel Ritt Raum für ausschweifende Soli und darf sich bei „In the dark of the sun“ zur Halbzeit richtig austoben.

Man merkt dem Sound nicht an, dass ein Mann fehlt. Erst im Herbst des letzten Jahres trennte man sich vom langjährigen Schlagzeuger Stefan Arnold, und Markus Kniep wechselte vom Keyboard hinter das Drumkit. Live verzichtet man nun auf das Keyboard und gibt sich auch nicht die Blöße aufwendige Backtracks einzuspielen. Die ganze Band spielt mit einer Freude und Leichtigkeit, die solche Spielereien in keiner Weise vermissen lässt.

Im Intro von „The curse of Jacques“ beweist Bassist Jens Becker gekonnt, dass der E-Bass nicht nur zum Rhythmus machen da ist, sondern sich auch ideal für schöne Melodien eignet. Kurz vor Ende des regulären Sets wird mit Evergreens wie „Highland Farewell“ und „Excalibur“ nochmal richtig aufgedreht. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt angekommen und keiner will, dass es zu Ende geht. Dennoch verabschieden sich die Alt-Metaller nach „Rebellion (The clans are marching)“ kurz von der Bühne, um dann zum großen Finale nochmal wiederzukommen.

Nach dem stampfenden „Healed by Metal“ wird Chris dann kurz etwas reumütiger. Er spricht in der Moderation von einem Tabubruch und einem dunklen Kapitel in der Bandgeschichte. Man hat seine angestammten Pfade verlassen und einen Song komponiert, der ganz anders ist. Eine Polka ist es geworden, aber auch nur, weil man genau darauf Lust hatte. Boltendahl will genau das machen. Musik, auf die er Lust hat, egal was andere sagen. Und „Zombie Dance“ beweist genau das. Im typischen Polka-beat wurde hier ein spaßiger Song gebastelt, der ein Grinsen ins Gesicht und Energie in den Körper zaubert. Selbst eine Krücke sieht man in die Luft fliegen, so scheinen auch die Invaliden von ihrem Leid geheilt.

Ein Song darf natürlich nicht fehlen, auch wenn er unweigerlich das Ende einläutet. „Heavy Metal breakdown“ hat nun schon einige Jahre auf dem Buckel, sorgt aber immer noch für hochsteigende Pommesgabeln und ekstatische Fans. Mit dem Song endet das knapp zweistündige Set voller Abwechslung und sauberem Heavy Metal.

Grave Digger beweisen mit diesem Konzert mal wieder, dass es wenig braucht, um eine geile Show abzuliefern. Vier Personen, die Spaß an der Musik haben, die sie machen, die immer das komponieren, was ihnen in den Kopf kommt und die sich nicht verdrehen lassen. Alle anderen schaufeln sich früher oder später ihr eigenes Grab.

Über den Autor des Beitrags

Eightrocks

hört am liebsten Symphonic- sowie Powermetal, kann sich aber auch für Pagan und Metalcore begeistern. Wenn er gerade einmal nicht mit Achterbahnen spielt, ist die Kamera im Anschlag.

Weitere Beiträge des Autors

Follow Me:
Facebook

Über Eightrocks

hört am liebsten Symphonic- sowie Powermetal, kann sich aber auch für Pagan und Metalcore begeistern. Wenn er gerade einmal nicht mit Achterbahnen spielt, ist die Kamera im Anschlag.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.