Konzertbericht/Fotos: Isolation Berlin & Gurr
03.08.2018 ZMF, Freiburg

Der heisse Freitag Abend – im Nachbarzelt tobte der bunte Mob bei Dieter Thomas Kuhn – stand im beschaulichen Rund des Spiegelzelts ganz im Zeichen zweier junger Berliner Rockbands. Etwa zeitgleich gegründet, beide 2012, gehen beide musikalisch aber recht eigene Wege.

Gurr, das Duo Andreya Casablanca (Gesang, Gitarre) und Laura Lee (Gesang, Gitarre), war für den Beginn gesetzt, der Bandname als Lichtinstallation flimmert bereits im Bühnenhintergrund. Mit ‚Schwule Mädchen‘ von Fettes Brot als Intro begann das Set mit voller Bandbesetzung.

Die Show machten aber hauptsächlich die beiden Frontfrauen. Mit Auftritten bei Melt, Rock Am Ring, SXSW hatte man ja schon einiges an Festivalerfahrung sammeln können, so war es für die Band auch kein Problem, die etwa 200 pünktlich erschienenen Zuschauer musikalisch abzuholen. Mit forschem Tempo brachte man auch bei diesen Temperaturen schnell Bewegung ins Publikum. Musikallisch erinnern Gurr wohlig an die besten Jahre von MTV, an die Anfang 90er, an Streifenpullis – definitiv eine Zeit, in der Gitarren noch hemmungslos schrammeln durften. Dabei kommen die Melodien nicht zu kurz. So einen kleinen 80er Drall haben die Gitarren- und Basslinien mitunter auch, gut zu hören bei ‚Walnuss‘ oder ‚Yosemite‘. Und mit jenen Nummern, Radiosong ‚Hot Summer’oder auch ‚#1985‘ und dem schon rotzigen ‚Rollerskate‘ hat man echte Hits vorzuweisen, vorgetragen mit zwei toll harmonierenden Stimmen und lärmenden Gitarren.

Man hielt sich überwiegend an das Material vom aktuellen, ersten Album ‚In My Head‘, es war aber auch schon neues Material zu hören. Gespickt mit humorvollen Ansagen und Anekdoten aus dem Touralltag, Rapeinlage, Circlepit und Bällen fürs Publikum lieferten Gurr ein sympathisches Set über gut 70 Minuten. Und wenn Laura Lee im Song ‚Walnuss‘ singt: ‚…wir nehmen Teil an der Belanglosigkeit‘, dann hat das garantiert nichts mit der Parallelversanstaltung zu tun…

Isolation Berlin waren auf dem ZMF zuletzt 2016 im Vorprogramm von Element of Crime zu sehen. Den Aufbau bestritt die Truppe selbst. Die Hosen witterungsbedingt einen Tick kürzer als ratsam. Die Reihen füllten sich etwas mehr. Die fröhliche Atmosphäre, die Gurr verbreitet haben wurde mit dem Opener ‚Annabelle‘ geschickt eingefangen, mit ‚Serotonin‘, Gewaltphantasien am Pfandflaschenautomat im 3/4-Takt, schwenkt man dann um auf diese eigentümliche, melancholische Stimmung, zwischen Sehnsucht, Liebe und deren Gegenteil. Ironie und Emotionen, was für eine Mischung! Die Wortgewalt des Sänger wird auf leisen Sohlen, aber auch mit ausuferndem Gitarrenlärm und Feedback befeuert. Der Focus bei der Songauswahl lag hier ganz klar auf dem aktuellen Album ‚Vergifte Dich‘.

Mit ‚Wahn‘ vom Album ‚Aus den Wolken tropft die Zeit‘ entließen Isolation Berlin das dankbare Publikum nach einem energiegeladenen und intensiven Set nach ebenfalls einer guten Stunde in die Sommernacht.

Bands und Publikum machten an diesem Abend gleichermassen einen guten Job, die Reihenfolge der Auftritte gut gewählt. Gurr bauten gewissenhaft die gute Stimmung auf, Isolation Berlin hielten sie oben, und das Publikum ließ sich gerne mitreissen.

Text: Christian Dännart / Fotos: Gerald Backmeister

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