„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ – Ost+Front im Lido Berlin

Gekonnte Provokation ohne Rücksicht auf Tabus, das sind Ost+Front. Die Berliner stehen aber nicht nur für brachiale NDH sondern auch für eine bildgewaltige Bühnenshow, die nicht nur Hermann Ostfront auf der Bühne schwitzen lässt.

An diesem Samstag Abend öffneten sich pünktlich um 18 Uhr die Tore zum  ausverkauften OST+FRONT Konzert in Kreuzberg. Die sechs Berliner machten auf ihrer „Adrenalin-Tour“ halt in ihrer Heimatstadt, mit im Gepäck hatten sie die Bands „Groovenom“ und Rabia Sorda, die ebenfalls beim Label „Outoflines“ unter Vertrag sind.

Den Anfang machten die Jungs von „Groovenom“, die aus Dresden stammen und im März ihr neues Album „Wir müssen reden“ auf den Markt bringen. Als die Jungs die Bühne betraten, war das Lido noch nicht gut gefüllt, die meisten Besucher kamen erst zum 2. Act bzw. zum Hauptact des Abends.  Was schade war, denn Groovenom, die sich im Bereich des Metalcore, Industrial, Synthwave und Hardcore stylistisch bewegen, lieferten eine tolle Show mit teilweise neuen Songs aus dem kommenden Album, die Lust auf mehr machten.

Danach kam die Zeit von „Rabia Sorda“. Frontmann der Band ist der Mexikaner Erk Aicrag, der Rabia Sorda eigentlich als Nebenprojekt von Hocico gegründet hatte. Es knallten harte Riffs und heftige Technobeats aus den Boxen, welche von einem wuchtigen Schlagzeug unterstützt wurden. Den Zuschauern wurde schon ordentlich eingeheizt und die Band schaffte es, die Stimmung schon vor dem Hauptact auf einen hohen Level zu hieven.

Es war kurz nach halb 9, als das Intro erklang und Eva Edelweiss in alt bekannter Manier die Bühne betrat und ihr Schild „ich bin hier unfreiwillig“ in die Höhe streckte. Nach und nach erschienen die restlichen Bandmitglieder auf der Bühne, bis nur noch Herman Ostfront fehlte. Dieser kam zu den ersten Klängen von „Adrenalin“ aus dem aktuellen Album, im langen Filzmantel blutüberströmt auf die Bühne. Mittlerweile war das Lido bis auf den letzten Platz gefüllt und wie erwartet gab es von Beginn an kein Halten mehr beim Publikum. Es war Heimspielzeit. Blutiges Make-up, bizarre Bühnenoutfits (insbesondere von Eva Edelweiß) und Masken gehören bei dieser Band ebenso dazu wie Texte, die vielleicht nicht immer ganz jungendfrei sind, die aber auch eine Geschichte erzählen bzw. ernste Hintergründe haben, über die man sich im Alltag oft keine oder wenige Gedanken macht. Wie zum Beispiel in dem Song „911“, bei dem es um den heiligen Krieg der Muslime gegen die USA geht. Bei „Fiesta de Sexo“ übernahm Erk Aicrag den Part von Frau Edelweiss und performte zusammen mit Hermann Ostfront diesen Song. Das Posing der Band, die Interaktion (insbesondere zwischen Eva und Herrmann) und auch musikalisch erinnert die Band sehr an Rammstein. Was aber nicht negativ ist, sondern gerade deswegen geht der Sound ins Blut und Fäuste wurden gen Himmel gestreckt und textsicher mitgesungen. Die durstigen Kehlen wurden von Frau Edelweiss beim Song „Feuerwasser“ mit Alkohol aus dem Infusionsbeutel befeuchtet. Überhaupt war Frau Edelweiss an diesem Samstag sehr beansprucht, zuerst die Getränkeversorgung, dann musste Sie als Sitzbank für Hermann Ostfront herhalten und der Hintern wurde ihr bei „Fleisch“ auch noch vom Frontmann versohlt. Die Band lief auf Hochtouren und ließ keine Atempausen zu, Songs wie „10 Jahre Ost+Front“, „Denkelied“ und „Sternenkinder“ folgten und die Band hatte ihr Publikum im Griff. Hermann Ostfront sah man über seinem Spot headbangen und zu zum großen Finale mit „Bitte schlag mich“ leerte Eva mehrere Säcke mit schwarzen Luftballons ins Publikum, die während des ganzen Songs durch das Lido flogen.

Ein mehr als gelungener Abend ging viel zu schnell zu Ende… Die Band lieferte ein Heimspiel der Extraklasse und das Publikum bewies, dass es nicht nur textsicher sondern auch feierwütig war.

Herrmann Ostfront – Gesang

Siegfried Helm – Gitarre

Wilhelm Rotlauf – Bass

Eva Edelweiß – Tasten & Trommeln

Otto Schmalzmann – Gitarre

Fritz Knacker – Schlagzeug

Setlist

Adrenalin

Fiesta de sexo

Afrika

Feuerwasser

Liebeslied

Puppenjunge

Anders

Fleisch

10 Jahre Ost+Front

Denkelied

Freundschaft

Fick dich

Sonne, Mond und Sterne

Sternenkinder

Bruderherz

Gang Bang

Ich liebe es

Mensch

Hans guck in die Luft

Heavy Metal

Zugabe

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Über den Autor des Beitrags

Jasmin

Steht eher auf die harten Jungs… Rock, Deutschrock, Neue Deutsche Härte oder Heavy Metal… es darf laut sein! Manchmal wagt sie auch Experimente und besucht ein Rap- oder Schlagerkonzert, danach wird dann entschieden, ob es eine Wiederholung gibt.
Ihre Freizeit verbringt sie auch gerne mal in verlassenen Fabriken oder Villen, um mit der Kamera den Verfall zu dokumentieren. Entspannt wird danach mit einem guten Buch zuhause.

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