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Jesper Munk, Get Well Soon und Temperance Movement
31.07.2016 Stimmen-Festival, Lörrach

Das tolle Sommerwetter vom Vortag war an diesem Sonntag schon wieder vergessen, so einige Schauer gingen über den Tag in Lörrach nieder, kühlten den Burghof angenehm ab für das Finale des Stimmen Festivals 2016. Das gepflegte Ambiente des Vorraums mit Sitzgruppen und Stehtischen, gesäumt von Konzertfotos vergangener Events bot den gemütlichen Rahmen für ein Feierabendbier mit Charakterstudien und anschließender musikalischer Unterhaltung. Das Publikum – ein ansonsten recht selten anzutreffender Mix vom Studentenalter bis 60plus, vom Indie- über den Hard-Rocker bis zum Typ Studienrat mit hellbrauner Wildlederjacke — war wohl der recht heterogenen Bandzusammenstellung geschuldet.

Der großzügige, zur Bühne hin abfallende Saal war etwa halb gefüllt, als Stimmen-Chef Markus Muffler die finale Runde einläutete und die Acts des Abends vorstellte.

Wer die Musik von Jesper Munk bisher nur von der Konserve kannte, wird vielleicht etwas überrascht gewesen sein ob des jungen Alters des Münchners mit dänischen Wurzeln. Unterstützt von seiner Band, bestehend aus Bassist Sasseh Söllner Bobo und Schlagzeuger Clemens Graf Finck von Finckenstein intoniert Munk mit einer kratzigen Soul- und Blues-Stimme, spielt Gitarre und Piano. War die ZMF-Show im vergangenen Jahr noch eine schweisstreibende Angelegenheit für alle Beteiligten, so blieb an diesem eher chilligen Abend das T-Shirt ordentlich in die Hose gesteckt. Bis auf einige wenige Powerchords und Lärmattacken blieb das Set eher gediegen, ein Kaffee- und Zigarretten-Sound, eine Bar-Noir-Atmosphäre für angeregte Gespräche in der finsteren Kneipe respektive WG-Küche. Trotzdem herrschte andächtige Stille, und als Jesper Munk alleine am Piano saß, um eine Tom Waits Ballade zu covern dachten wohl viele mit Bange an ihr nicht stummgeschaltetes Handy in der Hosentasche. Warum Munk seine tolle Stimme recht häufig mit einem Effekt um Höhen und Bass (Telefonklang) beschnitt, weiß wohl nur der Meister selbst. Insgesamt aber eine stimmige und sympathische Vorstellung.

Get Well Soon besorgten den Soundcheck zum anschließenden Auftritt mit der kompletten Band selbst. Ein etwas ratlos blickender Konstantin Gropper auf Knien am Effektgerät der Violine von Schwester Verena bot einen etwas sonderbaren Anblick, das Warum sollte sich aber im späteren Verlauf aufklären. Nach kurzem Intro dann die Single ‚It’s Love‘, ein Hit gleich zu Anfang, ein Einstand nach Mass. Der Focus lag an diesem Abend auf dem aktuellen Album ‚Love‘, was auch die vier beleuchteten Lettern im Bühnenhintergrund verkündeten. Vom Disco-Charme der 70er mit ‚It’s A Catalog‘ über ‚The Last Days Of Rome‘ mit seinen kühlen 80er-Keyboards, der wunderschön im Duett mit Verena vorgetragenenen Ballade ‚A Voice In The Louvre‘ bis hin zum schon bombastischen ‚You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)‘ mit seiner Percussion-Show: Gropper weiß schon, was zu tun ist um das Publikum bei Laune zu halten. Auch so kleinen Ärgernissen wie einem defekten Tonabnehmer in der Violine trotzte der Frontmann mit trockenem Humor, bot die Band für die Abi-Feier an. Beim letzten Stück ‚It’s A Fog‘, das zum Ende hin gewaltig ausbricht, mimte er die Abrissbirne, wirbelte mit Gitarre über die Bühne, das Stimmbrett bedenklich nahe dem Bühnenboden oder der ersten Reihe. Stücke vom Debütalbum und beliebte Coversongs Wie ‚Careless Whisper‘ blieben an diesem Abend leider außen vor. Dafür gab es eine passionierte Bandperformance, die die zahlreich angerückten Fans mehr als zufrieden hinterließ.

Dritte Band im Bunde und Bluesrock zum Zweiten: Die britische Band The Temperance Movement mit ihrem schottischem Sänger Phil Campbell. Angerückt mit jungem Fanclub aus dem Schwäbischen, der die Truppe dann von Beginn an aus der ersten Reihe frenetisch feierte. Der Frontmann wirkte wie aufgezogen, hüpfte unermüdlich über die Bühne und animierte das Publikum bis in die hinteren Reihen. Mit klassischem Bluesrock und Rock and Roll bedienten The Temperance Movement wohl die größte Altersbandbreite. Wohl dem, der sich mit der Referenz schmücken kann, auf Einladung für die Rolling Stones eröffnet zu haben. Unerklärlicher Weise leerten sich die Reihen während des Auftritts, der harte Kern wurde aber Zeuge einer Show, die weder mit Pathos noch Klischees geizte.

Zwei Mal eher nachdenkliche Töne und dann Party, die Zusammenstellung der Bands war so schlecht nicht, der finale Konzertabend im Burghof hätte durchaus etwas mehr Zuschauer verdient gehabt, zumal auch der Eintrittspreis in einem sehr vertretbaren Rahmen lag.

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Chris

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