Katie Melua
26.07.2016 ZMF, Freiburg

„Nine Million Bicycles“ dürften es auf den Straßen unserer schönen Breisgau-Metropole nicht ganz sein. Hätte Katie Melua die entsprechende Textzeile für ihr Konzert im gut gefüllten, wenn auch nicht ausverkauften ZMF-Zirkuszelt (einer von nur fünf Deutschland-Terminen in diesem Sommer) auf die Fahrradfahrer-Hochburg Freiburg umgeschrieben, wäre das aber dennoch nicht ganz unpassend gewesen – und es hätte ihr sicher zusätzliche Sympathie-Punkte eingebracht.
Hat sie aber nicht, soviel gleich vorweg. Irgendwie passen solche Spielereien aber auch nicht zum gefühlvollen und ernsthaften Stil der aus Georgien stammenden und zwischen Tiflis, Belfast und London aufgewachsenen Sängerin. Hier geht es nicht um Effekthaschereien oder das Sammeln von Sympathie-Punkten, sondern um die bestmögliche Darbietung der meist sehr ruhigen Musik.

Ruhig heißt in diesem Fall wirklich mal ruhig – zum Leidwesen übrigens für die Festival-Besucher, die es sich draußen auf dem Hügel bequem gemacht hatten und ein paar Töne aufschnappen wollten.
Es war so ruhig, dass man hier und da mal ein Husten oder andere Zuschauer in der näheren Umgebung sich unterhalten hören konnte. So ruhig auch, dass die Konzert-Fotografen die Anweisung bekamen, leise zu fotografieren. Bloß keine Klettverschlüsse an irgendwelchen Kamerataschen aufreißen oder Objektive hin- und herwechseln! — gerade bei den ersten drei besonders ruhigen Liedern, während denen überhaupt nur fotografiert werden durfte. Solche Tätigkeiten nur in den Applaus-Pausen zwischen den Stücken erledigen! Die tausenden Auslöse-Geräusche waren aber natürlich nicht zu vermeiden und vermutlich in den ersten Reihen gut zu hören.

So hielten sich auch die musikalischen Begleiter Meluas – ein Bassist (Kontrabass und E-Bass), ein Schlagzeuger, sowie ein Herr am Keyboard und eine Dame (Maria-Christina?!) an einer Harfe – zunächst eher zurück und gaben vor allem der Stimme und dem Gitarrenspiel der Hauptakteurin Raum. Die Setlist bot aber auch immer mal wieder Songs, die dann doch etwas voller gespielt wurden. Geradezu erleichtert schien das Publikum, als es nach einigen Stücken auch mal etwas zum Mitklatschen gab.

Gespielt wurden Stücke aus der gesamten Diskographie und Cover-Versionen (z.B. “Take Another Little Piece Of My Heart”), und das nicht etwa so, dass die Publikumslieblinge bis zum Ende aufgehoben wurden. Schon an zweiter Position der Setlist war „The Closest Thing To Crazy“ zu finden, der Song, mit dem alles angefangen hat, wie Melua anmerkte. Und auch ihr größter Erfolg „Nine Million Bicycles“ wurde schon nach knapp einer Stunde zum Besten gegeben – am Applaus war dabei klar zu erkennen, dass das der Song war, auf den die Menge am sehnsüchtigsten gewartet hatte.

Zwischen den Songs erzählte Melua mit leiser Stimme immer wieder Hintergründe zu ihren Liedern, der Arbeit an bestimmten Alben oder ihrem Leben – oder einfach, dass sie gerne in Deutschland ist und hier immer gut empfangen wurde. Insofern war die Musikerin durchaus kommunikativ, machte mir in einigen Situationen aber trotz ihres ganzen Erfolges einen eher schüchternen Eindruck.
Hinzu kommt, dass bei mir, trotz der wirklich großartig und bezaubernd vorgetragenen Musik, der Funke nicht so recht überspringen wollte. Ausgesprochenen Melua-Fans mag das womöglich vollkommen anders gegangen sein. Mir blieb der Auftritt dennoch insgesamt zu distanziert. Nach all dem, was ich bislang an Material von Katie Melua gesehen hatte, hatte ich tatsächlich einfach eine etwas andere Erwartung.

Das änderte aber nichts daran, dass hier fünf richtig gute Musiker ein solides Programm ablieferten. Melua kam nach ihrem 75-minütigen Hauptprogramm noch einmal für eine Zugabe zweier weiterer Stücke zurück auf die Bühne. Nach dem Cover „Stardust“ (B-Seite von “Nine Million Bicycles”) hatten sich die Musiker zum Teil schon von der Bühne geschlichen, als Melua sie für eine gemeinsame Verbeugung vor dem Publikum noch einmal zurückrief. Der gelungene Abschlusspunkt wurde dann mit einer (natürlich) ganz ruhigen Version des bekannten „What a Wonderful World“ — nur mit Katie Melua am Mikro und dem Mann am Piano/Keyboard — gesetzt.

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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