Stone Temple Pilots
26.06.2019 Batschkapp, Frankfurt

Der bisher heißeste Tag in diesem Jahr. Das Thermometer versucht verzweifelt an der 40°-Marke zu kratzen, so ganz will es dann aber doch nicht gelingen. Hätte aber auch keinen großen Unterschied mehr gemacht. Diesem Umstand geschuldet bleibt die Batschkapp erst einmal leer. Der mittlwerweile in die Jahre gekommene und irgendwie dann doch jung gebliebene Grunger vertreibt sich die Wartezeit doch lieber draußen bei kühlem Getränk und feinen Häppchen aus der Imbisssbude. Tatsächlich ist es drinnen allerdings angenehm kühl. Noch…

Überraschend, eine viertel Stunde vor eigentlichem Beginn, wird die zuvor dezent beleuchtete Bühne dunkel, laute Intro-Musik. Scheinbar geht´s schon los. Nur wenige scheinen es überhaupt zu bemerken. Die Walking Papers legen mit Kettengeraschel einen extrem stimmungsvollen Opener hin. Mit sechs Mann auf der Bühne bilden sie gegenüber dem Publikum gefühlt die Mehrheit im Saal. Zugegeben, ich dramatisiere etwas. Gerade einmal fünf Reihen bilden sich vor der Bühne. Etwas schade um das, was dargeboten wird.

Nach und nach bekommt der ein oder andere dann auch mit, dass sich drinnen auf der Bühne etwas tut. Der Raum füllt sich langsam. Zeit für Jeff, sich das Publikum mal aus nächster Nähe zu betrachten. Er klettert von der Bühne, um dem ein oder anderen Gast ins Gesicht zu singen und sich das Mischpult einmal näher anzusehen. Offenbar wurde sein Mikrofon ab Werk fehlerhaft, also ohne Delle im Korb ausgeliefert. Wer schonmal ein SM58 gesehen hat weiß was ich meine. Für Jeff kein Problem. Auf dem Rückweg zur Bühne wird das Teil ordentlich am Kabel im Kreis geschwungen, die Leine lang genug, um dem Schwing-Kreis Kontakt zum Bodem zu ermöglichen. Das Mic wäre dann in ordnungsgemäßen Zustand gebracht. Weiter geht´s. Gegen Ende des Sets ist der Raum gut gefüllt, die Stimmung passt. Wenn man bedenkt, dass der Support grundsätzlich mit erschwerten Bedingungen leben muss – dezentes Licht und nur wenig Druck aus den Boxen – haben sie sich – untertrieben ausgedrückt — tapfer geschlagen. Das war schonmal großes Kino!

Nach kurzer Umbaupause geht´s weiter. Es ist nicht unbedingt eine Seltenheit, dass insbesondere bei erfahrenen, routinierten Bands der Support mehr auf der Bühne reißt als der Headliner. Nach dieser Vorlage ist die Chance diesbezüglich nicht gerade gering. Legen die Pilots noch einen drauf? Und wie! Mittlerweile ist der Raum bis zur hinteren Bar voll. Schon beim Betreten der Bühne werden die Headliner ordentlich gefeiert. Ein recht angenehmer Teufelskreis, die Band gibt die Stimmung entsprechend zurück. Was das Publikum erwarten darf, kündigt Frontmann Jeff Gutt schon einmal an. „We´ll play the Hits and the B-Sides, the good Songs and the Bad ones„. Man darf gespannt sein.

Bei aller anfänglicher Euphorie, die Hitze siegt letztendlich doch, und nach 3-4 Songs fahren alle, sowohl auf als auch vor der Bühne, etwas runter. Dennoch ist die Stimmung bei allen bei 100%. Wie auch Jeff anerkennend bemerkt: „You are very loud!“ Gößtes Highlight : Jeff deutet bereits an, was nun folgt. „If you know the words you know what to do!„. Plush in einer instrumental sehr reduzierten Version, letztendlich nur mit dezent angedeuteter Gitarre. Das Publikum kennt den Text, und weiß selbstverständlich was zu tun ist. Die Schlussakkorde eskalieren dann doch noch einmal mit voller Besetzung. Hammer!

Grundsätzlich muss einmal gesagt sein: Der seit 2017 als Frontmann fungierende Jeff Gutt ist eine große Bereicherung für die Stone Temple Pilots. Aufgrund seines etwas jüngeren Alters bringt er frischen Wind in die – es ist halt leider nunmal so – nicht gerade jünger werdende Band und wirkt einem alt-Herren-Rocker-Image sehr deutlich entgegen, lässt die Musik sogar modern wirken. Und obendrein diese Bühnen-Präsenz. Die ist nicht von dieser Welt. Zusammen mit den Walking Papers hätte der Abend insgesamt kaum besser sein können, lediglich das Set der Stone Temple Pilots hätte gern etwas länger sein dürfen.

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Gunnar

Würde gern Gitarre spielen wie Angus oder Slash.

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