Konzertbericht/Fotos: Lola Marsh
01.08.2018 ZMF, Freiburg

Wer es sich am Mittwochabend verkneifen konnte, dem großen Weltstar Tom Jones im Zirkuszelt (oder davor) zu lauschen, der bekam mit Lola Marsh aus Israel ein ebenfalls tolles, wenn natürlich auch wesentlich Independent-artigeres Pop-Konzert im kleineren Rahmen des Spiegelzelts geboten.
Guten Abend Fraiburg! Vigets Celt Music Festival?!” — nein, unsere Rechtschreibprüfung hat nicht versagt, das waren vielmehr die lautschriftlichen Notizen auf dem Setlist-Zettel für die Begrüßungsworte von Sängerin Yael, die die Band 2013 mit Gitarrist Gil zusammen gegründet hatte. Außer den beiden gehören mittlerweile noch Bassist Mati, Keyboarder Ran und Dekel am Schlagzeug zur festen Besetzung der Band, die süßen, nostalgischen, romantischen Indie-Pop made in Tel Aviv produziert. Das Set (die komplette Aufstellung findet ihr unten) startete mit “Days To Come” aus der EP “You’re Mine” (2016), dem bisher einzigen Release neben dem Debütalbum “Remember Roses” (2017; hier unser Review). Die Bühne, oder vielmehr alle Mikrofonständer darauf, waren dabei, passend zur Musik, üppig mit Blumen geschmückt.

Schnell kam man zu den ersten Highlights: Schon als fünftes Stück wurde das bislang erfolgreichste welche (“Wishing Girl” — bekannt, zum Beispiel, aus der TV-Werbung) zum besten gegeben. Gleich danach brachte Yael zum ansteckenden “You’re Mine” das Publikum — das Parkett war einigermaßen aufgefüllt, allerdings stand man sehr locker verteilt — zum Mitsingen und schließlich auch dazu, mit ihr zusammen ein paar Tanzschritte nach links und nach rechts mitzumachen. So bewegte sich der Pulk schließlich beschwingt hin und her und war spätestens jetzt so richtig in Stimmung.
Eine der schönsten Szenen des Abends hatten wir allerdings ausgerechnet einer Panne zu verdanken. Nachdem Gil eine Saite gerissen war, musste er diese abseits der Bühne selbst ersetzen — ein Art Problem, die Musiker vom Range eines Tom Jones sicher lange nicht mehr kennen. Währenddessen hatte Yael jedenfalls die Aufgabe, das Publikum improvisiert zu unterhalten und erzählte kurzerhand davon, wie sie und Gil sich kennengelernt haben. Da war diese Geburtstagsfeier, zu der sie eigentlich gar nicht eingeladen war. Und dann war da Gil mit seiner Gitarre und die Frage, was man gemeinsam mal musizieren könnte. Die Antwort war “Jolene”, die Country-Folk Ballade von Dolly Parton, zu der sie dann Solo auf der Akustikgitarre ansetzte. Nachdem Gils Gitarre dann wieder vollständig besaitet und gestimmt war, stimmte dann auch die Band noch in die letzten Takte des Stücks ein. “Never do this again!”, bat Yael ihren Kollegen schmunzelnd, worauf das Publikum sofort mit begeisterten “Do it again!”-Rufen antwortete.

Nach rund einer Stunde verließ die Band die Bühne, um sich für eine Zugabe zurück applaudieren zu lassen. “I ask you something and you have to say yes, okay?!” — wer könnte der charismatischen Yael diese Bitte ablehnen. Sie bat das Publikum darum, sich auf den Boden zu setzen bzw. in die Hocke zu gehen. Zum darauf folgenden ruhigen Folk-Song konnte man im Publikum einige Gesichter mit geschlossenen Augen sehen, die das Gelauschte sichtbar genussvoll aufnahmen.

Eine tolle Band, tolle, mal herrlich eingängige, mal verträumt ruhige Songs und vor allem eine absolut tolle Sängerin mit natürlichem Charme und einem ansteckenden Lächeln, die am Merchandising-Stand zum Schluss noch Herzchen und Widmungen auf die CDs gemalt bzw. geschrieben hat. Folglich: Uneingeschränkt empfehlenswert!

Setlist:
  1. Days To Come
  2. Saturday Emotions
  3. Stranger
  4. Waitress
  5. Wishing Girl
  6. You’re Mine
  7. Sirens
  8. Jolene (Cover)
  1. She’s a Rainbow
  2. Bluebird
  3. Remember Roses
  4. These Boots Are Made For Walkin’ (Cover)
  5. Home
  6. Zugabe: In Good Times
  7. Zugabe: The Wind
  8. Zugabe: Hometown

Text: Gerald Backmeister / Fotos: Gerald Backmeister, Tilo Fierravanti

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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