Max Herre – „Athen“
19.07.2019 ZMF, Freiburg

Nachdem Max Herre schon zum letztjährigen Zelt Musik Festival in Badisch-Kalifornien zu Gast war – damals mit seinem „erweiterten Freundeskreis“ –, wurde das Stuttgarter Urgestein des deutschen Rap auch für dieses Mal angekündigt. Diesmal allerdings im Rahmen seiner Solo-Karriere und einer Tour als Vorbote für das gleichnamige Album „Athen“, das am 30.08. erscheinen wird.

Es ging diesmal schon um 19 Uhr los. Zunächst einmal eröffnete aber ein Support-Act den Konzertabend im Zirkuszelt: Der junge Künstler Majan war dafür von Max Herre eingeladen worden. Mit gestreiftem Lacoste-Polo, Nike-Short und weißen Sneakern machte dieser eher den Eindruck, er hätte mal schnell irgendwo eine offene Bühne gekapert – und schließlich war ihm auch noch etwas die Nervosität anzumerken. Kein Wunder allerdings, wenn er, wie er selbst sagte, „das erst seit ungefähr einem Jahr macht“. Das Set aus einer Handvoll eigener Stücke meisterte er dennoch souverän – mal nur mit dem Mikro in der Hand, mal am Piano sitzend, und stets von einem DJ am MacBook begleitet. Aber hey, schließlich hat der Junge ja auch schon eine Single zusammen mit Cro (“1975”) rausgebracht. Den Stil würde ich – als Hip-Hop-Freund der mittlerweile älteren Generation – als „neu-modischen Rap“ bezeichnen. Viel wird gesungen, stimmungsmäßig klingt das alles immer so ein bisschen leidend. Zum Abschluss setzte er sich dann noch einmal ans Keyboard und schloss sein Set mit einem Cover von “Bitch, Don’t Kill My Vibe” (Kendrick Lamar) ab.

Galerie Majan:

Um 20 Uhr kam dann zunächst die Band auf die Bühne: ein Keyboarder, eine Backgroundsängerin, ein Gitarrist, ein Bassist und ein Schlagzeuger, allesamt weiß gekleidet. Nur kurz später trat dann Max Herre aus dem Schatten am Rand der Bühne und stimmte zum namensgebenden Song für den Roadtrip nach “Athen” an, auf dem es aber auch genügend Abstecher (zu alt-bewährtem Material) geben sollte, wie er gleich versprach. Dennoch folgte gleich die zweite Singleauskopplung aus dem neuen Album: “Villa auf der Klippe”. Der im Song gefeaturte Trettmann war aber selbstverständlich nicht anwesend.
Wer aber sehr wohl anwesend war, war Max’ Partnerin und Publikumsliebling Joy Denalane, die zum vierten Song (“1ste Liebe”) auf die Bühne kam — und von der Menge freudig empfangen wurde und im Anschluss auch noch für den ersten Höhepunkt im Set — “Esperanto” — dabei blieb. Nur einen Song später wurde dann die nächste Stufe gezündet: Zu “Rap ist” tauchte schließlich Max’ Buddy Megaloh auf und rappte seinen Part.
Spätestens jetzt hatte die Band das Publikum in der Hand und konnte so wieder ein bisschen neues Material einstreuen: Zuerst der ruhigere Split-Track “Nachts / Diebesgut”, dann die politischen Songs “Dunkles Kapitel” (wieder mit Megaloh; auf dem Album außerdem noch mit Sugar MMFK und Dirk von Lowtzow von Tocotronic) und “Sans Papiers” (auf dem Album mit Yonii) und ein dazu passendes Statement gegen Rechts.

Um die Stimmung wieder zu lockern, kam anschließend Joy wieder zurück und sang mit Max zusammen ihren Liebessong “Mit dir”, durch den sich die beiden 1999 kennen und lieben gelernt hatten. Ein “Lass gehen” (wieder vom kommenden Album) und ein “Tabula Rasa” (beide Parts aus dem Freundeskreis-Repertoire; wieder mit Megaloh) später ging die Band dann nach 75 Minuten Spielzeit erst einmal von der Bühne. Aber natürlich nur, um dann mit einigen der beliebtesten Nummern zurück zu kommen: Allen voran natürlich der größte Freundeskreis-Hit “A-N-N-A” (“immer wenn es regnet…”), dann “Wolke 7” (im Original mit Philipp Poisel), “Fühlt sich wie fliegen an” (hier leider ohne Cro und Clueso) und dem Freundeskreis-Reggae “Halt dich an deiner Liebe fest”. Nach rund 100 Minuten dann wieder ein Abschied von der Bühne. Schließlich kam die Band aber dann aber ein weiteres Mal zurück und spielte, Max am Piano sitzend und mit Joy, noch einmal den neuen, ruhigen Song “Das Wenigste”.

Fazit: Im Vorfeld hat man schon einige kritische Reaktionen auf die neuen Songs lesen können (von wegen Aufsprung auf den ja eigentlich schon abgefahrenen Trap-Zug und Autotune). Ich weiß selbst auch noch nicht so richtig was ich davon halten soll. Live funktionierten sie hier aber ganz gut und verliehen dem Konzert in jedem Fall auch einen größeren Variantenreichtum.
Ein Roadtrip mit dem Freundeskreis — einen Großteil des neuen Albums gespielt und die Stimmung trotzdem hoch gehalten — Tolles Konzert!

Setlist Max Herre:

  1. Athen
  2. Villa auf der Klippe
  3. Siebzehn
  4. 1ste Liebe
  5. Esperanto
  6. FK 10
  7. Rap Ist
  8. Nachts / Diebesgut
  9. Dunkles Kapitel
  10. Sans Papiers
  11. Mit dir
  12. Lass gehen
  13. Tabula Rasa (1 & 2)
  14. A-N-N-A
  15. Wolke 7
  16. Fühlt sich wie fliegen an
  17. Halt dich an deiner Liebe fest
  18. Das Wenigste

Galerie Max Herre:

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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