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Mayra Andrade mit Support Tainá
22.07.2021 Stimmen, Lörrach

Die kulturlose Zeit scheint überwunden und es gibt wieder Konzerte wie das von Myra Andrade im Burghof Lörrach. Nach einem ersten Auftritt 2010 beim Stimmenfestival hat dieser zweite Auftritt nun drei Anläufe benötigt: Bereits 2018 hätte sie beim Stimmenfestival auftreten sollen, was damals aber wegen Unwetterwarnung just in dem Moment abgesagt wurde, als sie die Bühne betreten wollte! Der geplante Nachholtermin 2020 fiel wie alle Konzerte und Festivals Corona zum Opfer. Aber nun ist sie wieder da und spielt vor Corona-bedingt stark reduziertem und maskiertem Publikum im Burghof Lörrach.

Den Abend eröffnen durfte Tainá, eine junge brasilianische, in Portugal lebende Künstlerin. Tainá hat sich dem Bossa-Nueva verschrieben: zarte, stark reduzierte und melancholische Songs auf der Konzertgitarre, gefühlvoll gesungen und teilweise sehr nah am Jazz. Ihr Eröffnungssong ist noch minimalistischer und wird von Tainá nur vocal vorgetragen – ein sehr starker Konzertbeginn. Und diese Stimme ist wirklich sehr angenehm: Fast möchte man es ihr gleich tun und mit geschlossenen Augen lauschen. Ein sehr entspanntes und wohlklingendes Konzert dieser jungen Künstlerin. Nach nicht ganz 40 Minuten ist es leider auch schon wieder vorbei.

Nach einer kurzen Pause kommt Mayra Andrades vierköpfige Band auf die Bühne und beginnt mit „Afeto“ aus dem Album „Manga“. Die inzwischen in Paris lebende Künstlerin Mayra Andrade hat dieses Album 2019 released und darin sehr viel elektronische Elemente eingebaut. Auch wenn die Rhythmen im traditionellen Stil verbleiben, ist dieses Album sehr erfrischend produziert und klingt sehr chillig modern, ohne im Pop-Sound-Mainstream zu versinken. Man durfte also gespannt sein, ob diese Elemente auch live zum Tragen kommen.
Ein Blick auf das Set-Up gibt da schon erste Hinweise: Ein Side-Rack beim Schlagzeug mit zwei Monitoren und vielen elektronischen Pads anstelle eines Hänge-Toms, sowie ein Synth-Bass zeigen wo es lang geht. Und so spielt die Band dann auch mit einem dichten Soundteppich und dem einen oder anderen zusätzlichen Einspieler vom Band. Nach ein paar Takten kommt dann auch Mayra Andrade auf die Bühne und hat das Publikum sofort auf ihrer Seite. Tatsächlich spielt Mayra Andrade insgesamt zehn Songs aus ihrem aktuellen Album „Manga“, ergänzt vor allem durch Songs aus ihrem Debütalbum „Navega“ von 2007. Mayra gelingt es bereits im dritten Song, das Publikum zum Mitklatschen zu animieren – vielleicht liegt es auch daran, dass sie den Techniker bittet, das Saallicht ein klein wenig hochzufahren und so bewusst das Publikum aus seiner Anonymität zu heben und Kontakt herzustellen. Spätestens mit ihrem sechsten Song „Pull Up“ ist das fast durchweg etwas ältere Publikum begeistert am Tanzen – gut, dass dann doch die Corona-Abstände gehalten werden konnten.

Auch live kann Mayra Andrade diese Leichtigkeit ihrer Songs abrufen, auch wenn an einigen Stellen der Synth-Bass und der 5-Saiter in den untersten Lagen gespielt werden und zu einem eher undifferenzierten Brummen mutieren. Die Songs gefallen vor allem durch den spielerischen Mix aus verschiedenen Latin-Einflüssen, dem portugiesischen Fado und ihren musikalischen Wurzeln der Kap Verden. Letztendlich kann man von Weltmusik sprechen, da Mayra Andrade, wo immer sie auch schon lebte, ihre musikalische Sichtweise erweiterte und in ihre Songs einfließen ließ. So lässt sie es sich auch nicht nehmen, live mit einem Vocoder zu arbeiten und damit eine Dramaturgie aufzubauen, die von der Band klasse aufgegriffen und gesteigert wird.

Dann ist Schluss, und alle gehen stark befriedigt, endlich wieder Kultur erlebt zu haben, in die schwüle Nacht hinaus.

Über den Autor des Beitrags

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Tilo Fierravanti

Schlagzeuger mit zwei eigenen Bands, ist in vielen Musikrichtungen zuhause, vor allem aber in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung im Raum Freiburg unterwegs und immer wieder auch in Jurys tätig (u.a. Play Live / Rampe).

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