Romano mit „Copyshop“ – 03.11.2017 im Waldsee, Freiburg
Support: Blvth

Freiburg ist ja sowieso nicht Berlin. Am etwas abseits gelegenen Waldsee aber gleich zweimal nicht. Am vergangenen Freitagabend (03.11.2017) sollte sich das aber für ein Konzert lang kurzzeitig ein bisschen ändern. Romano, der Hauptmann von schöne General aus Köpenick, hatte sich nämlich im Rahmen seiner „Copyshop“-Tour auch in der Breisgau-Metropole angemeldet, um Freiburg Waldsee etwas Kiez-Flair zu verpassen.

Wie bei allen anderen Terminen der Tour auch, war aber zunächst der Support-Act Blvth („u pronounce it [bluːt] that is all u need to know“) angekündigt.
Mit seiner knall-orangenen Bomberjacke kam der Solo-Künstler durch das Publikum auf die Bühne gestiegen, packte einen zerknitterten Zettel (wohl die Setlist) aus, entfaltete ihn und legte ihn auf das iPad, das neben zwei, drei weiteren elektronischen Gerätschaften auf einem zentral positionierten Pult aufgestellt war.
Nach kurzer Dehnung der Beinmuskulatur startete der Produzent und Musiker dann mit seinem Programm voller düster-melancholischer Electro-Musik mit dicken Bässen und atmosphärischen Synths und Trap-Beats. Er wechselte immer wieder zwischen iPad, Drehreglern und Mikrofon und begleitete die markanten Beats hier und da mit tranceartigem Tanzen und Zucken.
Was anfangs mitunter etwas dissonant klang, entwickelte sich im Laufe der knappen halben Stunde zu einem beeindruckenden Sound-Gebilde. Allerdings ist die Musik mit ihrer drückenden Atmosphäre live naturgemäß nur eingeschränkt geeignet, die Stimmung anzuheizen.

Fotogalerie Blvth

Der Kontrast hätte also kaum größer sein können — vom düsteren, dramatischen Auftritt von Blvth zum aufgedrehten Romano. Zunächst kamen die drei Musiker-Kollegen auf die Bühne, die für analoge wie digitale Percussion, hier und da ein bisschen Gitarre, Keyboard und Synths und den begleitenden Gesang zuständig waren.
Per Drumpads wurde gleich mit den unverkennbaren “Klangholz”-Percussions zum Titeltrack des Albums und der Tour eingestimmt: “Copyshop”. Das katapultierte die Stimmung natürlich gleich zu Beginn in die Höhe. Der coole, eigentlich vom chinesischen Feature MastaMic stammende Rap-Part, der hier von einem Mitglied der besagten Liveband abgebrannt wurde, tat natürlich sein Übriges dazu — Hut ab, dafür!

Es folgten zunächst einige Stücke aus dem aktuellen Album: “König der Hunde”, “Mutti” (die leider nicht mit auf Tour kommen mag), “Champagner Bar”, “Raupe” und “Ufo Joe”. Im späteren Verlauf wurden dann auch noch die übrigen Titel aus “Copyshop” gespielt — einzig “Nur in meinem Kopf” wurde ausgelassen.
Aber ob nun die neuen Stücke oder die des Vorgängeralbums “Jenseits von Köpenick” — alles wurde vom textsicheren Freiburger Publikum gefeiert. Das irgendwann ausgerufene Motto “Viel Spaß! Dreht durch! Ich mach’s auch…” funktionierte offenbar. Hin und wieder kam Romano aber auch von der Bühne, um sich vom ordnungsgemäßen Zustand des Publikums (“Seid ihr ein bisschen geil?”) zu überzeugen und in der Menge zu tanzen. Der Auftritt in Freiburg machte auch ihm sichtlich Spaß.

Mit den beiden alten Singles “Klaps auf den Po” und “Metalkutte” konnte man noch einmal Höhepunkte in der, wie gesagt, durchgängig guten Stimmung ausmachen. Bei letzterem reichte schon der obligatorische Garderoben-Wechsel — von der grünen Jets-Jacke hin zur mit jeder Menge Patches zugetackerten Jeans-Kutte — für Begeisterung.
Neben weiteren Titeln aus den beiden Romano-Alben (die komplette Setlist findet ihr übrigens unten) feierte mit “Cornerboy” auch der einzige englischsprachige, ältere Titel des aktuellen Programms Live-Premiere (“Warum sollte ich den nicht mal live spielen?!”).

Fotogalerie Romano 1/2

Nach “Immun” schien man kurz den Gedanken gehabt zu haben, das Hauptprogramm mit einem Abgang von der Bühne beenden zu wollen. Stattdessen entschied sich Romano aber dazu, die einsetzenden “Zugabe”-Rufe mit einer kleinen Beatbox-Einlage aktiv zu unterstützen, um dann kurz darauf in der “49ers”-Jacke weiterzumachen.

Auch vor der letzten Zugabe verzichtete man auf den Abgang: Mit “Giorgio” und einer kurzen Reprise des schönen Generals entließ Romano das begeisterte Publikum dann nach gut anderhalb Stunden endgültig in den weiteren Abend — nicht aber, ohne gleichzeitig anzukündigen, dass man zusammen gerne noch einen trinken könnte.
So stand Romano dann noch äußerst geduldig und irgendwie offensichtlich ehrlich an den Fans interessiert im angrenzenden Raum der Gaststätte, unterschrieb Tourplakate und Alben, quatschte mit den Fans, stand für Selfies bereit und verteilte natürlich auch den einen oder anderen Abschieds-Klaps.

Fazit: Wer nur “Klaps auf den Po” und die Zöpfe von Romano kennt wird ihn vermutlich belächeln und seine Musik unter etwas wie “Ballermann-Rap” verbuchen. Definitiv unterschätzt! Romano spielt dir nichts vor, der ist so! Und mit seiner “Ich liebe alle Menschen”-Einstellung, und natürlich auch mit seiner irgendwie eigenen Musik, bringt er guttuend frischen Wind in den deutschen Rap-/Hip-Hop-Bereich. Nur zu empfehlen! “Kuss und Klaps, Romano

Fotogalerie Romano 2/2

Die Setlist von Romano:

  1. Copyshop
  2. König der Hunde
  3. Mutti
  4. Champagner Bar
  5. Raupe
  6. Ufo Joe
  7. Metalkutte
  8. Ja, ich will
  9. Anwalt
  10. Brenn die Bank ab
  11. Klaps auf den Po
  12. Marlboro Mann
  13. Karl May
  14. Tourizocke
  15. Immun
  16. Der schöne General
  17. Cornerboy
  18. Straße
  19. Köpenick
  20. Giorgio

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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