Konzertbericht/Fotos: Slayer – Final World Tour
24.11.2018 Sick-Arena Freiburg

Dass gleich zwei der großen Vier des Thrash-Metals die Provinz besuchen, kommt nicht sehr oft vor, und in diesem speziellen Fall wird es sich wohl gar nicht mehr wiederholen. Denn der Main-Act des Abends, Slayer, befindet sich auf seiner offiziellen Abschiedstour, der „Final World Tour“.
Heißen muss das zwar nichts — schöne Grüße nach Hannover an dieser Stelle — aber dennoch wollten sich viele Fans dieses Event in Freiburg nicht entgehen lassen.
Kein Wunder also, dass die Sick-Arena prall gefüllt war. Das Publikum bestand dabei zum Großteil aus männlichen Metallern, was vermutlich am Line-Up — Obituary, Anthrax, Lamb of God und eben Slayer — gelegen haben dürfte. Den T-Shirts zufolge dürften die meisten an diesem Abend tatsächlich noch einmal wegen Slayer unterwegs gewesen sein. Doch auch ein paar echte Hardcore-Fans der anderen drei Bands waren natürlich anwesend. Der Altersschnitt dürfte dabei deutlich über 30 gelegen haben.

Den Reigen eröffneten Obituary. Die Death-Metal-Band aus dem sonnigen Florida existiert seit 1984, und deren Musiker dürften in ähnlichem Alter sein wie viele der Fans vor der Bühne. Verlernt haben sie allerdings nichts. In ihrem halbstündigen Set blieb kein Auge trocken, und die Band bewies, dass sie den Groove ihrer Songs noch immer abrufen kann. Fronter John Tardy war, wie gewohnt, kaum hinter seiner zumeist fliegenden Lockenpracht zu sehen. Was seine Kollegen in dem kurzen Set ablieferten, strotze förmlich vor Druck und kann getrost als Brett bezeichnet werden, zudem Tardy gekonnt seine Stimme schon fast als weiteres Instrument einsetzte. Der Stil von Obituary ist einzigartig. Highlights des Sets waren sicherlich „Find The Arise“ oder der Titeltrack des ersten Albums „Slowly We Rot“. Zwar fand wenig direkte Interaktion zwischen dem ersten Act und dem Publikum statt, aber Obituary verstanden es quasi von Null direkt auf Hundert zu springen und die Menge anzuheizen.

Nach der ersten kurzen Umbaupause folgte dann der zweite Act des Tages, und damit die erste Band aus dem Quartett des Thrash-Olymps. Anthrax legten direkt los, und anders als bei Obituary zuvor suchte Joey Belladonna immer wieder die direkte Ansprache zum Publikum. Sein „Do you like Thrash-Metal?!“ wurde prompt von Jubel begleitet, und auch sonst hatte der Frontmann immer wieder etwas zu sagen und gestikulierte zeitweise auch während der Songs und speziell während den Instrumentalparts seiner Kollegen mit dem Publikum. Gitarrist Scott Ian war wie immer ein Aktivposten, und man merkte eigentlich nur an seinem langen grauen Bart, dass auch er in die Jahre gekommen sein muss. Natürlich gab die Band auch echte Klassiker wie das Trust-Cover „Antisocial“ oder „Indians“ zum Besten. Leider hatte der Mischer an diesem Abend aber einen gebrauchten Tag, denn die Vocals von Belladonna gingen im Thrash seiner Kollegen unter. So dass das prägnanteste am Anthrax-Sänger an diesem Abend bleibt, dass er als einziger keine grauen Haare hatte.

Das Set von Anthrax ging schon etwas länger als das der ersten Band. Eine weitere Umbaupause später sollten dann Lamb Of God aus Virginia folgen, die beim Abdunkeln des Lichts schon freudig von den Rufen der offenbar zahlreichen Fans in den ersten Reihen gefordert wurden. Frontlamm Randy Blythe kam auf die Bühne und beugte sich, mit dem Rücken zum Publikum, nach vorne. Dann goss er sich ein paar Schlücke Wasser über den Kopf, nur um seine langen Dreads zum kurz darauffolgenden Groove-Metal-Core-Gewitter seiner Kollegen wieder trocken zu schleudern. Und — Junge, Junge — war da ein Druck zu spüren. Da wurde auch noch der letzte Konfettischnipsel vom Gabalier-Konzert am Vorabend von der Deckenkonstruktion gepustet. Der Sound stimmte hier jedenfalls auf den Punkt, und vor allem Blythe powerte sich während des rund 40-minütigen Sets auf der Bühne so richtig aus.

Nach der letzten Umbaupause war es dann endlich soweit: Slayer aus Los Angeles betraten die Bühne. Nach einem kurzen Intro eröffneten sie ihr Set mit „Repentless“. Schnell wurde klar, weshalb bei den „Vorgruppen“ die hintere Hälfte der Bühne abgesperrt war: Der Platz wurde für die Pyrotechnik von Slayer gebraucht. Ein Genuss, wenn zu „Hell Awaits“ Feuer aus der Bühne schlägt. Überhaupt war der Auftritt des Main Acts schon wegen der flammenden Effekte ein echter Hingucker. Slayer nahmen von Anfang an keine Gefangenen und boten genau das, was man eben von den Kaliforniern erwartet. Feiste Riffs und der durchdringende Gesang von Tom Araya. Kerry King und Scott Ian schienen denselben Friseur zu haben, und natürlich hatte King dort wo andere Leute vielleicht eine Keychain haben, wieder seine dicken Ketten baumeln. Man hatte beim Axtmann von Slayer wieder fast das Gefühl, als würde er die Riffs durch das Vor-und-zurück-Bewegen seines Oberkörpers quasi aus der Gitarre pumpen. Auch der zweite Gitarrist Gary Holt machte nicht nur durch sein „No Lives Matter“-Shirt, sondern auch durch seine Riffs auf sich aufmerksam. Im Gegensatz zu manch früherem Slayer-Konzert richtetet Araya auch immer wieder das Wort ans Publikum, bedankte sich für das sehr zahlreiche Erscheinen oder kommentierte Stücke wie „Payback“. Interessant war auch, dass z.B. gerade „Angel Of Death“, dessen Text ja auf einem unrühmlichen Stück deutscher Geschichte beruht, eben nicht kommentiert wurde. Bei Stücken wie „South Of Heaven“ wurde auch dem letzten klar, weshalb Slayer immer eine Ausnahmestellung unter den Thrash-Bands haben.
Der gesamte Auftritt der Band war wie ein Ticket in die Vorhölle und zurück. Ein Ritt den man so schnell nicht vergisst. Und vermutlich werden viele gehofft haben, dass es eben nicht die letzte Tour sein wird. Denn nach knapp anderthalb Stunden war die Show dann auch schon vorbei. Zwar verbeugten sich Slayer artig, winkten den Fans und ließen sich dann eine ganze Weile lang regungslos auf der Bühne stehend feiern, aber eine Zugabe wurde nicht mehr gespielt. Schade, denn die meisten wären an diesem Abend aus diesem wunderschönen düsteren Traum am liebsten nie mehr aufgewacht.

Galerie: Obituary

Galerie: Anthrax

Galerie: Lamb Of God

Galerie: Slayer

Text: Patrik Hodapp
Fotos: Gerald Backmeister

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Hody

Gründungsmitglied von Tribe Online, ehemaliger DJ. Mag Groove und Melodie, Hardcore und Female Fronted Metal, mal ein bisschen Rap oder Industrial, Sportspiele und RPGs - bastelt gerne an PCs

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