Konzertbericht/Fotos: Sonata Arctica (+Witherfall)
26.03.2019 Z7 Konzertfabrik, Pratteln (CH)

Aus der Ankündigung der „Acoustic Adventures Tour“ wurde einem klar gemacht, dass man Sonata Arctica in ungewohntem Ambiente bestaunen könne. Auf der Liste der Veranstaltungsorte standen neben Kirchen und diversen Theatern auch das legendäre Z7 in Pratteln. Trotzdem überraschte es doch sehr, diese kultige Halle bestuhlt zu sehen. Nicht nur die Security konnte sich auf einen entspannten Abend einstellen, denn mit Crowd-Surfern war eher weniger zu rechnen.

Die Sitzplätze waren schnell aufgeteilt, ein paar Gäste tummelten sich noch auf den Emporen und an den Theken und nicht wenige hatten ihre Kinder mitgebracht. So verwunderte es wenig, dass die Atmosphäre zum Auftakt eher an eine ruhige Familienfeier erinnerte, bei der sich der chaotische Onkel (ein handelsüblicher Metalhead) ausnahmsweise mal ein Bier genehmigt, und der Rest genüsslich an Cola und Wasser nuckelt.

Dies aufzulockern, hatte sich die noch recht frisch zusammen gefundene Combo „Witherfall“ aus Kalifornien vorgenommen. 2017 erschien erst ihr Debut-Album „Nocturnes and Requiems“, doch schon im darauf folgenden Jahr konnten sie einen Platz auf der 70.000 Tons of Metal Cruise ergattern. Ihr Melodic Metal kommt von Platte ordentlich druckvoll daher und kann der Band noch eine gute Zukunft bescheren. Auf dieser Tour mussten sie sich allerdings dem Motto beugen und die Verstärkerwände zu Hause lassen.

Als unbekannte Band direkt mit einem Akustik Set einsteigen zu müssen ist allerdings ein hartes Brot, und auch im Z7 wollte der Funke nicht so recht überspringen. Frontmann und Sänger Joseph Michael gab sich alle Mühe, brachte seine Stimmbänder in ungeahnte Höhen. Leider brach nicht die Distanz zwischen Publikum und Band, sondern nur die Weingläser in den ersten Reihen. Die Bierdosen an den Theken überlebten jedoch und es wurde mit einem satten „Plöng“ angestoßen, was dann auch in der Band für Freude sorgte. Ihr Biernachschub war auf jeden Fall ausreichend.

Etwas Stimmung kam erst beim Tom Petty-Cover „Stand my ground“ auf, bei dem die sitzenden Zuschauer fast schon euphorisch mitklatschten. Direkt im Anschluss gab es schon den letzten Song, der allerdings mit knapp elf Minuten Spieldauer auch einen Großteil des 40-Minuten-Sets ausmachte.

Viel umzubauen gab es eigentlich nicht, bis die fünf Finnen von Sonata Arctica die Bühne betreten konnten. Dennoch nahm man sich fast 30 Minuten Zeit, die Bühne herzurichten. Genug Zeit für das Bar-Team, um sehr entspannt die wenigen Bestellungen aufzunehmen.

Um 21:10 geht dann endlich das los, worauf alle gewartet haben, vor lauter Überwältigung muss sich die Menge erstmal setzen – ach nee, das war ja so gewollt. Ohne Intro vom Band, ohne viel Tamtam wird die Bühne geentert und direkt stark losgelegt. Mit „Life“ hämmern die fünf Jungs einen ihrer Evergreens in die Saiten und beweisen, dass auch rein akustisch Stimmung aufkommen kann. Wobei komplett akustisch ist es nicht, denn eine Gitarre und der Bass dürfen noch in elektrischer Ausführung mit auf die Bühne, und auch die E-Pianos kann man nur mit viel gutem Willen als Akustik-Instrumente zählen.

Der Sound ist allerdings verändert, man versucht gar nicht erst, die vertrackten Kompositionen 1:1 umzusetzen. Stattdessen wird viel neu interpretiert und neu arrangiert. Das kommt gut an, und die Stimmung steigt rasant, so auch das Spieltempo der Band über das Set immer höher wird. Sänger Tony Kakko hat sichtlich Spaß dabei, das Publikum auf den richtigen Titel von „only the hearts are broken“ hinzuweisen (make you beautiful), doch die eingängige Zeile aus dem Refrain ist einfach zu zuträglich und wird so auch lauthals im Publikum zum Besten gegeben.

Das Set wabert so vor sich hin, das Publikum scheint sachkundig und singt wenn möglich fröhlich mit. Die erste größere Mitmachaktion gibt es dann bei „Full Moon“, und bei „Letter to Dana“ greift Gitarrist Elias Viljanen spontan zur Querflöte, um dem Song im Intro die passende Stimmung zu verpassen. Der Sound ist trotz der vielen Hochtöne sauber und druckvoll, das haben wir in den letzten Wochen auch schon mal anders gehört.

Druckvoll ist ebenfalls der Geruch heute Abend. Riecht es im Z7 normalerweise zu Metal passend nach Schweiß und Bier, dominiert heute Abend eindeutig das Parfüm einiger angereister Damen. Der Familien-Ausflug bleibt auch in der Band nicht unbemerkt, und so lässt es sich Tony nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass der Song „Wolf & Raven“ älter ist als so einige im Publikum, er erschien nämlich schon 2001.

Überhaupt ist das Set eine Reise durch die zwanzigjährige Bandgeschichte und lässt wenig vermissen. In „Among the shooting stars“ wird ein kurzer Abschnitt von „Walk of life“ gebastelt, ein wenig Elvis-Imitation eingeschoben und auch sonst viel Blödsinn gemacht. Die Band nimmt ihr musikalisches Erbe selbst auf die Schippe und hat sichtlich Spaß daran, immer wieder herumzualbern. Diese Lockerheit steckt auch im Publikum an, selten hat man sitzende Menschen so in Ektase gesehen.

Als letzter Song des regulären Sets muss „Flag to the ground“ sich einer besonderen Behandlung unterziehen. Das Monument von einem Song wird durch eine Harmonika begleitet. Wer sich gerade nichts darunter vorstellen kann, das ist dieses unsäglich quietschende Instrument, das aussieht, als hätte sich ein Keyboard zum Trichtersaufen verirrt. Kann man machen, klinkt dann aber merkwürdig. Die Band hat auf jeden Fall ihren Spaß dran, und auch dem letzten im Publikum dürfte mittlerweile klar sein, dass ein Bier wohl besser gepasst hätte, als eine Weinschorle.

Als Zugaben werden schnell „Victoria’s Secret“ und „The Wolves die young“ rausgehauen, und schon endet das kurzweilige 90-Minuten-Set. Beim letzten Song hält es allerdings niemand mehr auf den Sitzen und so gibt es noch lange Standing Ovations für die Finnen. Mit dieser Tour haben Sonata Arctica ihre musikalischen Qualitäten mal wieder unter Beweis gestellt. Im Herbst gibt es eine neue Platte, welche im November und Dezember dann auch in Europa auf die Bühnen kommt. Dann wohl wieder stehend und ordentlich verstärkt.

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Hört am liebsten Symphonic- sowie Powermetal, kann sich aber auch für Pagan und Metalcore begeistern. Wenn er gerade einmal nicht mit Achterbahnen spielt, ist die Kamera im Anschlag.

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