Wallis Bird
03.08.2014 ZMF, Freiburg

Der letzte Abend des 32. Zelt-Musik-Festivals. Im nochmal ausverkauften Zirkuszelt hatte schon längst das Programm begonnen, als auch im Spiegelzelt, etwas früher als geplant, Alexander Heisler auf die Bühne trat und schließlich den Act des Abends – Wallis Bird – ansagte. Auch das Spiegelzelt war diesmal ziemlich gut gefüllt, wenn auch nicht ausgebucht.

Die irische Musikerin und ihre Band kamen, um das im Frühjahr erschienenes Album “Architect”, bereits das vierte nach dem Debüt im Jahr 2007, zu bewerben. Auch wenn auf diesem einige elektronische Klänge zu hören sind, sah die Bühnen-Besetzung “handmade” Musik vor: die Sängerin und Songwriterin selbst spielte verschiedene Gitarren. Um sie herum vervollständigten Bass, Schlagzeug, Trompete und eine weitere Gitarre – teils auch mal ein weiteres Blasinstrument und etwas ähnliches wie eine Melodika (?) das Bühnen- bzw. Klangbild.

We were talking to them (“Milky Chance”, die im Zirkuszelt spielten; Anm. d. Red.) earlier. And we said that at half past nine we will play the same chord of G for an half an hour. Ok? That’s gonna be exciting. It’s called “Kunst”… Ist das Kunst oder kann das weg?

Deneben gab es aber schon auch ein paar “Special Effects”. So unterlegte der Drummer das ruhige “Holding a Light” zum Beispiel mit einem leichten Beatbox-Rhythmus oder Wallis Bird hatte mal ein zweites Mikro zum Variieren, das mit starkem Hall belegt war. Bei einem anderen Stück wurden ein paar kurze Vocals eingesungen und im Anschluss per Looper als Sound-Basis rotieren gelassen. Darüber wurde dann der eigentliche Text gesungen.

Zwischen ganz ruhigen Stücken und energiegeladenen Tanzsongs zeigte die Band eine enorm große Spannweite und Variabilität. Natürlich haben auch die Balladen ihren ganz eigenen Charme. Live begeistert aber besonders die unglaubliche Power und Flippigkeit der Sängerin bei den flotteren Liedern.
Bei solch einem Bewegungsdrang ist dann auch kein Wunder, dass sie auch schon bald durchgeschwitzt war. Da half es auch nicht, dass sie sich früh der bunten Flip-Flops entledigt hatte – “Is anybody else sweating? […] It’s so disgusting. I just want to shower.”. Kurz drauf stimmt sie zum nächsten Song an, unterbricht aber gleich wieder, um noch einmal kurz durchzuatmen.

This one is about es ist egal if you’re a woman or a man. And if you’re a woman or a man should be total egal. Total egal! Because it only matters if you are a nice person. That’s what I think.Einleitung in sympathischem „Denglisch“ zu “I Can Be Your Man”

Auch wenn “Encore” sicher einer ihrer größten Erfolge ist und das auch zum Schluss des Hauptprogramms gespielt wurde, konnte das unmittelbar davor gespielte “Hardly, Hardly” noch mehr überzeugen. Auf der Platte als elektronischer Dancesong arrangiert, funktionierte das Stück in der Band-Version ebenfalls genial und ließ sicher keine Hüfte steif.

Die Band kam noch einmal für zwei Stücke als Zugabe zurück auf die Bühne. Eigentlich war es sogar noch ein halbes Stück mehr, denn eine Zuschauerin namens Rachel überredete die Sängerin dazu, ein Lied (ich glaube, es war ein irischer Traditional, oder?) zumindest anzuspielen. Zunächst wurde sie zwar abgewiesen – “I’ll sing for you after the show!” – es gab die Hand drauf, dann aber wieder “Maybe next time, but you’re very sweet!”. Dann erinnerte sie Rachel aber an ein Versprechen, das ihr Wallis Bird scheinbar einmal gegeben hatte – “You promised me to teach me that on guitar!”. Da schien auch auf der Bühne das Gedächtnis wieder zurückzukommen – “Fuck, yes I did!”. So kamen dann alle kurz in den Genuss…

Fazit: Am Ende der rund 85 Minuten dürfte sich die Band mit diesem ZMF-Abschlusskonzert in einige neue Herzen hineingespielt haben. Wallis Bird ist wirklich ein Live-Tip! Wer Musik zwischen Folk, Rock und Pop, wie erwähnt mal tanzbar, ausrastend, mal ruhig und zerbrechlich, mag, darf sich die Band spätestens das nächste Mal nicht entgehen lassen!

Setlist des Abends:
  1. Communion 1)
  2. Blossoms In The Street 2)
  3. Daze 1)
  4. To My Bones 3)
  5. I Can Be Your Man 1)
  6. Holding a Light 1)
  7. Girls 1)
  1. Gloria 1)
  2. Hardly, Hardly 1)
  3. Encore 4)
  4. Zugabe: River Of Paper 1)
  5. Zugabe: The Circle 2)
1) vom Album “Architect” (2014)
2) vom Album “Spoons” (2007)
3) vom Album “New Boots” (2010)
4) vom Album “Wallis Bird” (2012)

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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