Blackmail – II – Ein Interview

Seit ihrer Gründung 1994 existiert die Koblenzer Band Blackmail nun fast 20 Jahre. Die Band, zu Beginn bestehend aus Sänger Aydo Abay, Gitarrist Kurt Ebelhäuser, Bassist Carlos Ebelhäuser und Schlagzeuger Mario Matthias machte eine geradezu klassische Entwicklung durch: Indie Label, Auftritte als Support bekannterer Bands, Festivals, steigender Bekanntheitsgrad, Major, Filmsoundtrack, zurück zum Indie… Ende 2008 dann die Trennung von Aydo Abay, bei laufender Tour, was die entsetzten Fans zunächst als schlechten Scherz auffassten. Der Abbruch der Tour schuf jedoch traurige Gewissheit und die Anhänger sahen sich einer Indie-Rock-Institution beraubt. Einen Sänger wie Abay kann man nicht ersetzen, zu charakteristisch und prägend die Stimme des ehemaligen Frontmanns. Die Band Blackmail war schlicht abgeschrieben, die Meldung auf der Homepage, dass man nach einer Pause mit neuem Sänger weitermachen wolle – zu jenem Zeitpunkt – für die Fans unrealistisch!

Photo: Andreas Hornoff

Blackmail vlnr: Carlos Ebelhäuser (Bass), Mathias Reetz (Gesang), Kurt Ebelhäuser (Gitarre), Mario Matthias (Schlagzeug)

Doch nach der Verpflichtung von Mathias Reetz als neuem Sänger ging es Schlag auf Schlag. 2011 dann mit “Anima Now!” das erste Album (I) nach der Abay-Ära. Wacker schlug man sich mit der Aufgabe, die Fans bei der Stange zu halten. Auf dem bandeigenen Label 45 Records veröffentlicht erreichte man Platz 70 der Charts. „II“, das neue Album zeigt eindrucksvoll, dass Reetz in der Band angekommen ist und sich Blackmail wieder mehr zutrauen. Die Stimmverwandschaft von Reetz zu Abay ist unüberhörbar. Das sorgt für den Wiedererkennungseffekt. Allerdings sind es gerade die Songs, die einfach Blackmail sind.

Sänger Matthias Reetz und Bassist Carlos Ebelhäuser lieferten Antworten zum neuen Album „II“, das musikalisch zumindest keine Fragen offen lässt

Euer neues Album heißt „II“. Hat für Euch nach der Trennung von Aydo Abay eine neue Zeitrechnung angefangen?

Matthias: Ich denke, der Blackmail Neuanfang hat mit ANIMA NOW! angefangen, II ist schon eine konsequente Weiterführung, eben das zweite Album mit mir als Sänger. Ich finde den Albumtitel gut, weil er an klassische Rockplatten anknüpft und eben schnörkellos ist.

„II“ sehe ich als Beleg dafür, dass Ihr mit „Anima Now!“ und den Touren mit der neuen Besetzung das erreicht habt, was Ihr erreichen wolltet. Ist das so?

Matthias: Wir sind sehr viel getourt zur ANIMA NOW! und es war auch richtig, das so exzessiv zu machen. Wir haben dadurch live ein Level erreicht, das extrem gut ist. Das war auch mit unter ein Ziel, eine gut eingespielte Band zu werden. Das haben wir dank der ANIMA NOW! Phase wirklich erreicht.

Es kommt mir so vor, als ob Ihr Euch auf dem neuen Album wieder mehr (zu)getraut habt als auf dem letzten. Hat sich die Zielsetzung insgesamt geändert?

Matthias: Ich finde ANIMA NOW! ist bereits ein sehr mutiges Album gewesen, auf dem wir uns viel getraut haben. Wir haben auf „II“ jedoch noch eine weitere Ebene erreicht. Diese bezieht sich ganz klar auf die Tiefe der Songs – das war aber nicht geplant, sondern eher ein Ausdruck von Vertrauen. Es ist einfach so, dass wir bei jedem Album immer alles geben.

Photo: Andreas Hornoff

Mir gefiel auf dem letzten Album das zweistimmige im Song „Nightschool“. Auch auf „II“ sind öfters zwei Stimmen zu hören. Das kenne ich von früheren Alben nicht. Ist das etwas, was Ihr schon lange machen wolltet oder Zufall?

Matthias: Wir haben gemerkt, dass unsere Stimmen gut harmonieren. Kurt hat so eine Tiefe, die sich ganz wunderbar in meine Stimme einfügt. Es ist mittlerweile ein schönes Stilmittel bei Blackmail geworden. Gerade bei ruhigen Songs wird es dadurch sehr emotional, aber auch abwechslungsreich.

Ich habe gelesen, dass es auf der „Tempo Tempo“ Tour nicht so toll für Euch lief, was Eure Erwartungen an Konzertbesucher anging. Neuformiert fangt Ihr nicht bei Null an aber es ist wohl so, dass Ihr Euer Publikum erst wieder überzeugen müsst und nicht ganz so viele zu  den Konzerten kommen?

Matthias: Die Tempo Tempo Zeit kann ich nicht beurteilen. Live verhält es sich wie im Studio: Wir geben immer alles. Es ist logisch, dass nach so einem Schnitt nicht alles so weiter läuft wie gehabt, aber das wussten wir. Es ist unglaublich, welchen Spass wir auf der Bühne haben- das überträgt sich automatisch auf das Publikum. Das ist im Endeffekt das Wichtige.
Carlos: Tempo Tempo Tour 2008 lief ähnlich gut wie die Aerial View Tourneen 2006.Wir hatten es nur zum Ende hin ein wenig übertrieben außerdem war der bevorstehende Split mit Aydo Ende 2008 kaum noch zu übersehen, auch auf der Bühne.

Auf dem letzten ging es lyrisch um Alkohol und Frauen, was man sicherlich gut nachvollziehen kann. Auf dem neuen Album dagegegen gibt es weniger Greifbares.

Matthias: Im Gegensatz zur ANIMA NOW! sind die Texte viel kryptischer, gewagter und dunkler. Ich möchte nicht zu sehr auf die Texte eingehen und meine Sicht der Dinge erklären. Ich finde, das zerstört immer etwas. Ich mag vor allem mehrdeutige Texte, diese finde ich auf „II“ viel häufiger.
Carlos: Klar. Jetzt geht’s eher um Crystal Meth und Frauen! Jetzt haben wir ja endlich wieder ne Vinyl und wenn du die rückwärts laufen lässt ..dann…:)

Mit dem neuen Album geht es auch wieder auf Tour. Gibt es Dinge, die Ihr uns mitteilen könnt, die Euch kolossal auf Tour nerven?

Wir kennen  uns sehr gut und wissen, wann jemand auf Tour auch mal Freiraum braucht. Das ist auf Tour immer Mangelware. Aber die Stimmung auf Tour ist immer sehr gut und ausgeglichen bei uns. Lange Touren schrecken uns nicht mehr ab.

Gibt es alte oder auch neue Songs, die Ihr live nicht umsetzen werdet? Oft werdet Ihr ja nach alten Hits gefragt.

Wir versuchen immer eine gute und stimmige Mischung zu finden. Ich finde, es ist legitim, dass die Leute „Same Sane“ oder „Friend“ hören möchten. Ich denke die alten und neuen Songs passen sehr gut. Wir werden etwas Schönes zur kommenden Tour basteln.

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Chris

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