Blackout Problems – Spätis, Träume, 450€ Jobs

2008 gegründet sind Blackout Problems aus München eine relativ junge Band. Im Schnitt sind Sänger und Bassist Marcus Schwarzbach, Sänger und Gitarrist Mario Radetzky und Drummer Michael Dreilich noch unter 25. Mit ihrem Mix aus Skate-Punk, Alternative-, und Indie-Rock tourte das Trio fleissig, unter anderem mit den Buddies Heisskalt und Emil Bulls und spielte auch auf den größeren Bühnen, wie etwa beim Puls- oder Taubertal-Festival.

Nach der EP ‚Gods‘, der Akustik-Songsammlung ‚Twentyfourseven‘ sowie dem Album ‚Life‘ (2012) erscheint nun das neue Album ‚Holy‘. Ein Album wie eine illustre Warteschlange, 13 Typen, manche rüpelhaft und mit den Extremitäten um sich wirbelnd, manche einfach nur drängelnd, aber auch bierselig gesellig oder still und introvertiert. Sieht man von einer gewissen Piano-Verzierung ab kommt ‚Holy‘ nahezu ohne Begleitautomatik aus. Dafür konnte man Boysetsfire-Sänger Nathan Grey für den Song ‚Boys Without A Home‘ gewinnen, den man doch tatsächlich auf einem Weinfest in Pforzheim traf.  


Sänger und Gitarrist Mario Radetzky über seine Band und das neue Album ‚Holy‘.

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Blackout Problems vlnr: Marcus Schwarzbach, Mario Radetzky, Michael Dreilich. Bilder: Ilkay Karakurt

Ihr stammt ja aus ganz verschiedenen Städten. War es einfach, Euch auf München als Wahlheimat zu einigen?
‚Eigentlich stammen wir aus dem Umkreis Heidelberg, Halle und Simbach am Inn. Wir würden uns persönlich eher als Zufalls-Münchner bezeichnen. Keiner hatte jemals den Masterplan hier herzuziehen und eine Band aufzubauen. Wir sind alle zufällig hier gelandet, was wir aber nicht bereuen. Nur manchmal, wenn man vergeblich auf der Suche nach einem nahegelegenen Späti ist.‘

Euch beschäftigen große, gesellschaftliche Themen wie die Überwindung der sozialen Ungleichheit, Flucht, Ausgrenzung Andersartiger. Ihr gebt aber auch persönliche Einblicke.
‚Mir ging in vielen Texten das Jammern über das eigene persönliche Innenleben dermaßen auf den Sack, dass es mir wichtig war nicht nur darüber zu singen ob ich Geld für neue Schuhe habe oder nicht. Wir wollten eine Brücke schlagen zwischen einer möglichst reflektierten Sicht auf aktuelle Geschehnisse und dem persönlichen Blick der Anfang bis Mitte Zwanzigjährigen, zu denen wir uns zählen.‘

‚Poets Of Protest‘ steht zwar in einem etwas anderen Zusammenhang, passt aber sehr gut zu den Aussagen, die Ihr zum Beispiel in ‚Black Coffee‘ trefft. Seht Ihr Euch auch als Poeten des Protests?
‚Als Poeten des Protests bezeichnet zu werden klingt zwar wunderschön, aber das würde ich uns nicht anmaßen. Das überlassen wir lieber Menschen wie Stephane Hessel (‚Empört Euch‘). Wir sehen uns selbst eher als stinknormale Kids mit einem Traum und einem 450€ Job.‘

Punk- und Alternative-Rock ist in Eurer Musik allgegenwärtig. Was sind sonst so Eure Einflüsse?
‚Unsere Einflüsse reichen von Hip Hop über Hardcore bis hin zu Electro. Keiner von uns hat Scheuklappen auf wenn es um Musik geht. Und das würde ich auch niemandem empfehlen. Wer nur eine Richtung hört und eine Richtung macht betreibt nach irgend einem schlauen Mann musikalisch Inzucht. Mir fällt nicht mehr ein wer das gesagt hat. Ich glaube sogar Samy Deluxe, naja wer weiß. Im Moment bin ich großer Fan von Wanda. Die Platte ‚Amore‘ hat mich im Sommer unfassbar gepackt.‘

BP_Band05_c_IlkayKarakurt.jpgWie ist ‚Holy‘ entstanden, wie waren die Aufnahmebedingungen?
‚Die Songs sind über einen Zeitraum von etwa 2 Jahren entstanden. Wir haben uns Anfang 2015 10 Tage in einem Ferienhaus in Mecklenburg Vorpommern zu dritt Zeit genommen und eine Vorproduktion gemacht. Dabei haben wir uns dazu entschlossen, uns von allen möglichen Zusatzinstrumenten und Midiquatsch zu trennen und haben den Grundstock zum natürlichen Sound auf ‚Holy‘ gebaut.  Aufgenommen haben wir dann in zwei Etappen. Zum einen in Berlin im Daily Hero Studio von Florian Nowak, mit unserem Produzenten Philipp Koch. Die 13 Songs waren an 4 Tagen eingespielt. Den Gesang haben wir dann in Stuttgart im Proberaum von Heisskalt aufgenommen. Das war alles sehr entspannt und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.‘

Im März und April geht es auf Tour, und im Sommer stehen ja sicher auch einige Festivals an. Gibt es Musik, auf die Ihr Euch im Tourbus einigen könnt?
‚Die schlimmsten Fahrten haben wir wenn entweder unser Backliner Pasta oder unser Live-Gitarrist Morri fahren. Die zwei schaffen es immer wieder, ekligen Sound aufzulegen auf den man sich einfach nicht einigen kann (lacht). Die Platte von Smile & Burn ist der Wahnsinn. Ein Klassiker wie Nirvana’s Nevermind darf immer laufen. Fjort und Heisskalt gehen auch immer.‘

Was macht Ihr, wenn Ihr keine Musik macht?
‚Wir haben ein kleines Label namens Munich Warehouse (www.munichwarehouse.com) gestartet und vertreiben darüber Merch für unsere Band, das Label und im Moment eine weitere Band namens First Class Ticket. Das hält uns auf Achse und es gibt immer was zu tun. Alle herkömmlichen Entwicklungsversuche a la Studium und Praktikum haben wir vorübergehend an den Nagel gehängt.‘

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Chris

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