Empire in Dust – Der Blick auf den eigenen Hinterkopf

Sänger und Songwriter Manuel Mundt, Sängerin und Live-Keyboarderin Alina und Live-Bassist Lars sind Empire in Dust. Kürzlich erschien mit ‚A Place To Rest‘ das Debütalbum des Berliner Trios, das klassischen Synthie-Pop, EBM und technoide Dancetracks zusammenbringt. Schön, wenn so ein Gesamtkunstwerk, eine stimmige Mischung aus aufwendig gestaltetem Coverartwork und dem abwechslungsreichen Elektronik-Sound der Band honoriert wird, wie etwa kürzlich sogar mit dem Einstieg in die Deutschen Alternative Charts.

Über das Album ‚A Place To Rest‘ und die Themen, die Empire in Dust bewegen gab Mastermind Manuel Mundt bereitwillig Auskunft.

eid_picIst Empire In Dust ein Projekt oder eine Band mit offener Zukunft?

„Wir verstehen uns schon als Band. Der Begriff Projekt würde ja nahelegen, das immer nur eine begrenzte Zusammenarbeit geplant war, z.B. um das Album zu produzieren. Aber so ist das nicht, die Zukunft ist offen und wir blicken ihr gelassen entgegen. Jetzt nach der Fertigstellung von ‚A Place To Rest‘ atmen wir erstmal durch. Aber es gibt schon ein paar Ideen für die nächsten Monate, allerdings noch keine konkreten Pläne.“

‚A Place To Rest‘ hat ein sehr schönes Artwork mit stimmungsvollen Bildern und Liner-Notes zu jedem Song. In Euer Debüt habt Ihr viel Liebe zum Detail hineingesteckt.

„Danke für das Kompliment! Wir denken, wenn man eine CD macht, dann richtig. Man muss dem Käufer gegenüber der mp3-Version ja auch etwas bieten. Außerdem gehörte bei Empire in Dust das Visuelle immer dazu. Das gibt den Songs auch eine zusätzliche Dimension. Wir hören oft von Leuten, dass ‚A Place To Rest‘ bei mehrmaligem Hören noch gewinnt. Das liegt sicher auch an den Details, die nicht nur in der Musik, sondern auch in den Texten und im Artwork stecken. Es gibt immer noch etwas zu entdecken.“

Welche Themen und Songs des Albums beschäftigten Dich am längsten?

„Es sind Songs wie ‚Silent World’ oder ‚Always Blue‘. Da geht es um die Illusion des Ideals… Viele Menschen sind sehr rastlos und verlieren sich in Idealvorstellungen, wollen immer mehr, haben immer das Gefühl, es müsse noch irgendwie besser werden. Sie tun sich schwer, sich über das zu freuen, was sie haben. Oder sie reden sich Dinge schön. Naja, insbesondere die, die unerreichbar sind. Dieses Thema taucht in vielen Texten auf. Der Gegenentwurf dazu ist der ‚Place to Rest‘. Das ist ein Platz, an dem du einfach mit dir sein kannst und darin Ruhe findest. Wenn es gut läuft, findest du diesen Platz überall, selbst in einer Wartehalle am Flughafen, wie auf unserem Cover.“

‚Downtime‘ ist eine Hymne gegen die Rastlosigkeit. Aber wie ist es mit Euch, ist es nicht auch eine gewisse Rastlosigkeit, die das Künstlerleben bestimmt?

„Was ‚Downime‘ angeht hast du Recht. Der Song hat übrigens auch das Covermotiv inspiriert. Was die Rastlosigkeit angeht… Da kommt es drauf an, wie man sein Schaffen versteht. Wir haben uns entschlossen, eine CD zu machen. Wenn man eine solche Entscheidung trifft, sollte man darauf gefasst sein, dass es Zeiten gibt, wo es nicht nur Spaß ist, sondern harte Arbeit. Arbeit auf die man stolz sein kann, klar. Aber es ist so viel zu bedenken und zu erledigen. Es ist das Drumherum, was auch mal rastlos machen kann. Vieles davon sind normale Tätigkeiten, die jeder kennt. Aber das Musikmachen selbst – also das Künstlersein – ist für mich eher meditativ. Und es kann von der Rastlosikeit des Alltags befreien.“

In ‚Against Reality‘ nimmt Du auf eine Theorie Bezug, dass das Universum spiralförmig angelegt ist. Und auch auf Deiner Facebook-Seite verweist Du auf wissenschaftliche Beiträge. Interessiert Dich die Wissenschaft besonders?

„Ich bin leider kein Naturwissenschaftler geworden, aber ja, es interessiert mich. Vor allem zeigt uns die Wissenschaft seit jeher, wie zerbrechlich unsere Vorstellung von Realität ist. Früher dachte man, die Erde sei eine Scheibe. Bis das widerlegt wurde, war das für die Leute Realität. Die Vorstellung sich in einem trichterförmigen Universum selbst auf den Hinterkopf gucken zu können, ist abgefahren. Aber auch das ist unsere Welt. Und wir Menschen glauben eben auch oft an unsere eigenen kleinen Realitäten. Das geht manchmal gar nicht anders.“

Der Sound auf ‚A Place To Rest‘ ist nahezu vollsynthetisch. Als Einflüsse nennt Ihr aber auch z.B. Indie-Pop und -Rock. Tatsächlich haben sich viele Bands aus der EBM- und Dark-Wave-Szene einen ‚echten‘ Bandsound zugelegt. Ist dies auch eine Möglichkeit für Empire In Dust?

„Synthesizer sind sicher wichtiges Element in unserer Musik. Aber ein Großteil der Drumsounds, viele Basslinien und die orchestralen Sounds sind gesampelt. Viele Klänge wurden also mal von Menschen auf echten Instrumenten eingespielt. Sie werden über einen Sampler wiedergegeben. Das ist ein hörbarer Unterschied zur Klangsynthese; besonders bei den Beats, die in vielen Stücken auch rockige Anleihen haben. Auf der Bühne kommt der E-Bass bei EiD seit über zwei Jahren von unserem Basser Lars. Und das ist auch ein echter Gewinn für jede Liveshow. Ich kann mir das für die Zukunft auch im Studio gut vorstellen. Ein echtes Drumset macht live was her und klingt toll. Aber es ist auch eine tontechnische und logistische Herausforderung, vor allem wenn man eine kleine Band ist. Da musst du immer gucken, dass du den Soundcheck kurz und die Reisekosten klein halten kannst. Da müssen wir jeweils abwägen. Wir werden sehen…“

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Chris

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