Max Prosa 04.05.2013, Jazzhaus/Freiburg (Interview + Bericht)

Max Prosa - Rangoon - Tribe Online MagazinAm vergangenen Samstag, den 4. Mai, war der junge Singer/Songwriter Max Prosa mit seiner Band zu Gast im Jazzhaus. Um das Konzert der vom Herbst 2012 verschobenen “Die Phantasie wird siegen”-Tour nachzuholen und natürlich auch um sein neues Album “Rangoon” (siehe Review) live darzubieten.

Das jazzige Vorprogramm gestaltete mit ein paar eigenen Stücken das “Trio Schmetterling”, ein Projekt von Alexander Binder, Jan Roth (beide auch Teil von Max’ Band) und Gitarrist Keisuke Matsuno. Insofern ein ziemlicher Kontrast zum Hauptprogramm, da die Musik der drei komplett ohne Texte auskommt, während bei “Max Prosa” natürlich gerade hier ein Schwerpunkt liegt.

Danach wurde es auf der Bühne voll: ein Bassist, ein Keyboarder, zwei Drum-Sets (einmal Schlagzeug, einmal Percussion), zwei Gitarristen und natürlich Max, der selbst zu Gitarre und Mundharmonika griff, begeisterten mit Stücken beider Alben das bunt gemischte Publikum. Max versuchte hier und da das Publikum gesanglich zu beteiligen – besonders effektvoll bei der letzten Zugabe, als er mit einem Mal mit unverstärkter Gitarre und ohne Mikrofon die letzten Akkorde und Zeilen gespielt hat. Leider erwies sich das Freiburger Publikum nicht gerade als textsicher – oder als nicht mutig genug.
Text und Ton, in vielen Facetten. Eine Reise durch intensive Momente und Ekstase, ineinander verwoben mit leisen und berührenden Tönen.” hat Max für das Konzert versprochen und dieses Versprechen zusammen mit seiner Band mehr als eingelöst. Großartige Musik, großartiges Konzert.

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Eine Stunde vor dem Auftritt traf ich mich mit Max im Nightliner der Band, um mit ihm über sich selbst, das neue Album und seine Musik im Allgemeinen zu sprechen…

Die aktuelle Tour hattet ihr ja ursprünglich für Herbst/Winter 2012 angesetzt, dann aber hinter den VÖ-Termin von Rangoon verschoben. Wie kam das denn? Konnte man das nicht vorher absehen? War das eine so plötzliche Entwicklung?

Das war vor allem deswegen, weil alles so schnell ging. Das neue Album wurde fertig und wir haben uns als Band sehr schnell mit diesen neuen Liedern assoziiert. Es war aber klar, dass die Platte im Herbst noch nicht hätte kommen können – das brauch ja immer auch noch lange, bis es gemischt ist, und gemastert und so weiter. Und dann wollten wir die Tour verschieben, denn hätten wir sie gespielt, dann hätten wir uns zwingen müssen, die alten Lieder zu spielen, obwohl wir im Kopf schon mit was Neuem beschäftigt waren.

Wir hätten vielleicht ein paar – zwei, drei – spielen können, dann aber auch nicht zu viele. Hätten wir zu viele neue gespielt, hätte das Publikum die nicht gekannt. Und für mich war wichtig, dass das so zusammenkommt, dass die Platte rauskommt, die Leute die Lieder hören können und sich darauf freuen, dass sie live kommen. Und wir spielen die und können einen schönen Bogen spannen, zwischen der alten und der neuen Platte, mit vielen Kontrasten. Das ist jetzt sehr viel besser möglich, als noch mit nur einem Album.

Und trotzdem heißt die Tour “Die Phantasie wird siegen Tour”. “Die Phantasie wird siegen Tour, Teil 2” habe ich irgendwo gelesen. Auch hier beim Jazzhaus stand der Name…

So hieß die Tour im Herbst. Aber ich glaube sie heißt jetzt “Rangoon Tour”, ne?

(Tourmanager Valentin bestätigt:) Das ist natürlich schwierig. Wir waren auf dem ersten Tourteil mit der “Die Phantasie wird siegen Tour” nicht in Freiburg, deswegen ist das hier quasi beides.

Zum Titel “Rangoon”. Du warst demnach auf Reisen in Myanmar oder in der Gegend?

Nein. Ich habe mich viel damit beschäftigt und darüber gelesen und mit Leuten geredet. Was mich so fasziniert hat an dem Land waren die Gegensätze, die da mit diesem Namen mitschwingen. Einerseits ist es diese unberührte Natur und das uralte Land, das buddhistische Volk. Und andererseits ist es dieses Militär-Regime, der Freiheitskampf, Aung San Suu Kyi und diese blutige Niederschlagung von Protesten vor einigen Jahren. Was da alles so dringesteckt hat in diesem Namen, dieser ganze Mythos praktisch, hat gut zu der Platte gepasst, weil da auch sehr viele Gegensätze eine Rolle spielen. Sehr viele Dinge, vom Großen zum Kleinen, die so einhergehen, sich aber auch irgendwie widersprechen und so eine Spannung bilden.

Ich habe gesehen, Misha Schoeneberg hat auch mal ein Buch geschrieben, das in Laos und Thailand, also in der Gegend, spielt…

Ja, der kennt sich auf jeden Fall auch gut aus. Das war jetzt aber nicht der entscheidende Faktor für mich.

Ok, dann mal zur Musik… Als ich das erste Mal “Rangoon” gehört hab, und der Eindruck hat sich bei mir auch gehalten, meinte ich, dass es irgendwie eine kritischere Platte ist – ich habe auch das Wort “wütend” dafür benutzt, trotz der natürlich auch vorhandenen Liebeslieder. Und im Gegensatz dazu ein eher romantischer Grundton bei der ersten Platte. Wo siehst du denn die Unterschiede zwischen den zwei Alben?

Schreiben war für mich immer Lebensausdruck, es geht darum das auf’s Papier zu bringen, was mich bewegt. Die Themen verändern sich natürlich mit der Zeit mal. Ein Liebeslied zu schreiben, oder so romantische Lieder, das ist für mich ein einfacherer Weg, als ein Lied wie “Chaossohn” oder “Charlie”. Es liegt irgendwie näher. Liebe ist etwas, was die Menschen schon seit tausenden von Jahren beschäftigt – es hat heute immer noch die gleiche Relevanz. Man kann sich schnell damit identifizieren. Bei politischen oder kritischen Liedern, ist es nicht ganz so einfach, weil es eben so viele verschiedene Positionen gibt und ein gehobener Zeigefinger immer eher abschreckt. Das war mir auch ganz wichtig, den in den Texten nicht zu spüren.

Aber nach dieser ersten Platte hatte ich natürlich ein bisschen Selbstvertrauen gesammelt und geschaut, was mich bewegt in der Welt, und wie ich das ausdrücken kann. Und so sind dann diese Lieder entstanden, die dann natürlich andere Gefühle verarbeiten, als die auf “Die Phantasie wird siegen”, wo es mehr um die romantische Seite ging. Und gleichzeitig hat die Band mehr Freiraum gehabt. Die haben praktisch zu diesen harmonischen und textlichen Skizzen, die ich hatte, einen Sound entfaltet, der gewaltiger ist, als auf “Die Phantasie wird siegen”, und natürlich auch dieses “wütender” so ein bisschen anklingen lässt. Ein Sound, der dieses Gefühl, das in den Texten transportiert wird, verstärkt. So ist der Sound der Platte entstanden.

Da der Abstand zwischen den beiden Alben eben sehr kurz war: wann sind denn die Stücke zu “Rangoon” entstanden? War das vielleicht auch teilweise in der gleichen Zeit, in der auch die Stücke zur ersten Platte entstanden sind? Oder waren das eher zwei abgeschlossene Zeiträume?

Naja, zum Teil schon. Vielleicht ein, zwei Stücke davon, sind noch in der “Die Phantasie wird siegen”-Zeit entstanden. Es sind halt auch immer so unterschiedlich lange Prozesse. Da ist es schwer, wirklich auszumachen, wann es angefangen hat. Ich kann halt höchstens sagen, wann es fertig war. Und fertig geworden sind die alle so ungefähr im letzten Sommer, oder Frühjahr.

Einige Stücke davon… so wie “Café Noir”… das hat zwei Jahre gedauert, bis es fertig wurde. Von der ersten Idee und von den Strophen… bis dann wirklich so eine Reihenfolge, mit der ich zufrieden war… Auf der letzten Tour habe ich es ja ab und an schon gespielt, und ich habe immer die Strophen verändert, um anhand einer Live-Situation gleich zu testen, wie dieser dramaturgische Bogen funktioniert. Bis es dann auf der Platte gelandet ist.

Ich vergleiche das immer mit einem Samen, den man einpflanzt, wenn das Lied geschrieben wird. Und dann muss man gießen und gucken, was es braucht, und wie es sich entwickelt. Und dann dauert es aber je nach Pflanze ganz unterschiedlich lange bis es ein Baum wird, oder eine Blume.

Es war also nicht so, dass du die “Rangoon”-Stücke in einer Zeit gemacht hast, in der du einfach kritischere Texte schreiben wolltest.

Es war nicht aus einer Berechnung heraus. Bei einem Debütalbum ist natürlich die Zeitspanne unheimlich lang, in der sich Lieder sammeln. Praktisch von dem Zeitpunkt, an dem man anfängt, Lieder zu schreiben, bis dann die erste Platte rauskommt. Das sind ja bestimmt vier, fünf Jahre gewesen. Danach war eben ein Jahr – oder noch nicht einmal – vielleicht ein halbes, in dem die Lieder geschrieben wurden. Und das ist natürlich sehr viel fokussierter. In der Zeit habe ich mich auch sehr viel mit Problematiken überall auf der Welt, mit Myanmar und all dem beschäftigt. Und so ist das darin eingeflossen. Es war also ein sehr viel komprimierterer Zeitraum. Deswegen ist es vielleicht auch eine geschlossenere Atmosphäre als beim ersten Album.

Auch wenn es sicherlich oft ein Thema bei deinen Interviews ist… ich möchte es trotzdem kurz anschneiden, das Thema, dass du oft mit Bob Dylan verglichen wirst. Ich habe kürzlich die Sendung “Riverboat” gesehen, wo du zu Gast warst. Dort hast du gesagt, du würdest die Vergleiche auf das Aussehen zurückführen. Siehst du da musikalisch denn wirklich keine Parallelen?

Naja, ich meine, diese Tradition, der Bob Dylan entsprungen ist, das ist ja eine kulturelle und musikalische Tradition. Und die ist natürlich überhaupt nicht zu vergleichen mit der unsrigen. Ich meine, ich bin da großer Fan und hab mich auch viel damit befasst. Wie er darüber spricht, was damals so passiert ist, in welcher Umgebung und Tradition er aufgewachsen ist. Wo, wie er sagte, überhaupt niemand daran gedacht hat, Songs zu schreiben. Das gab’s damals gar nicht. Damit haben die damals praktisch erst angefangen. Davor haben die Leute Folk-Standards reproduziert. Aus Variationen davon sind dann seine ersten Lieder entstanden. Und daran allein kann ich festmachen, dass ich aus einer ganz anderen Welt komme. Klar kann man hier und da Parallelen ziehen.

Und wenn es eben um die Metaphorik und Tiefe der Texte geht, dann ist Bob Dylan natürlich absolute Ikone. Da fühle ich mich schon sehr geehrt, wenn diese Vergleiche daher kommen.

Ich denke mal, dass sie daher kommen, ja…

Ich meine, Bob Dylan ist ein sehr schmeichelhafter Vergleich für mich. Aber ich freue mich immer, wenn Leute die Musik von sich aus wirken lassen und ihre eigenen Assoziationen bilden können. Es ist natürlich auch schwierig. Gerade als Journalist muss man gewisse Eckpunkte geben, damit andere Leute wissen, worum es sich da überhaupt handelt.

Aber zumindest wenn ich ein Konzert habe, dann mag ich auch nicht, wenn da vorher eine Ansage kommt, die das so moderiert. Ich bin froh, wenn die Leute frei darauf zugehen. Sonst können sich diese Vergleiche halt auch oft umkehren: “Das ist doch nicht wie Bob Dylan!”, “Der hält sich wohl selber für Bob Dylan!”. Ich habe das nie gesagt. Und wenn dann jemand sagt: “Das ist doch Quatsch! Bob Dylan, der hat 60 Jahre lang Platten gemacht, oder 50 Jahre.”… Da sage ich dann: “ja klar, stimmt” – ich meine, das ist jetzt meine zweite… weißt du?

Du hast gerade schon die Art deiner Texte angesprochen. Einige Leute halten das ja, angesichts deines jungen Alters, für nicht authentisch. Kannst du das nachvollziehen? Und wie entgegnest du dem?

Nein, für mich spielt das Alter überhaupt keine Rolle. Ich gebe in meinen Liedern bestimmte Strukturen von Geschehnissen wider, die ich vielleicht selbst erlebt, gelesen oder mir vorgestellt habe. Ich sammle alles was in meinem Kopf mal eine Rolle gespielt hat, um dann lauter Puzzle-Teilen neu zu kombinieren und Geschichten zu bilden, mit denen ich mich selber und andere Leute sich identifizieren können. Dazu muss man nicht 40 Jahre gelebt haben, weil sich viele Dinge immer wiederholen. Zumindest die Geschichten in denen man sich selbst drin erkennt. Und dabei geht es in Songs. Ich glaube auch generell an eine gewisse Zeit und Alterslosigkeit bei Künstlern.

Rimbaud hat im meinem Alter schon wieder mit dem Gedichteschreiben aufgehört. Das war auch ein Jahrhundertgenie. Aber keiner kann behaupten, dass man gute Lyrik erst im hohen Alter schreiben kann. Das ist einfach Quatsch. Ich denke es ist einerseits die kurze Lebenserfahrung und andererseits aber auch die erstaunliche Fähigkeit, sich auf so eine Art ausdrücken zu können, was der eine oder andere als altklug empfindet. Ich meine, ich kann das natürlich schon irgendwie nachvollziehen.

Was für Songwriter aber, glaube ich, auch immer viel wichtiger ist als das “was ist passiert?”, ist letztendlich das “was hätte passieren können?”, das “was hätte passieren sollen?”. Sich mit dieser Abstraktion, von dem, was so geschieht, zu beschäftigen. Und das ist keinesfalls bloße Lebenserfahrung, die da mit reinspielt.

Im Promotext stand, dass du dich mit der neuen Platte “von allen Vorbildern freimachst”. War dir das dann ein besonderes Anliegen?

Dadurch, dass diese Entwicklung stattgefunden hat, kann das jetzt nicht mehr so einfach festgelegt werden. Wenn man jetzt “Rangoon” hört, fällt es schwerer zu sagen, dass es nach Bob Dylan klingt. Vielleicht ist das so ein bisschen das “sich von den Vorbildern freimachen”. Es ist eben nicht so “eine Platte, wie…” und nicht “Max Prosa, wie…”, sondern das ist jetzt eine Entwicklung, die man schon nachvollziehen kann, glaube ich. Und eine, aus der man sich auch etwas gewinnen kann. Von “Die Phantasie wird siegen” zu “Rangoon”, dann vielleicht weiter…

Das ist vor allem auch etwas, was in unsere heutigen Gesellschaft immer untergeht, in diesem Single- und iTunes-Dasein, dass diese Entwicklung der Platten von Künstlern etwas Besonderes ist, woraus man unheimlich viel für sich ziehen kann. Also: wie folgen Platten aufeinander, und wie verändern sich die. Und bei Bob Dylan kann man eben sein ganzes Leben damit verbringen. Oder bei Neil Young, oder Leonard Cohen, bei den großen eben, die über so einen langen Zeitraum Platten veröffentlicht haben.

Du hast gerade Cohen angesprochen. Über den komme ich nun nochmal zu Misha Schoeneberg, der ja dessen “Hallelujah” ins Deutsche übertragen hat. Er wird als dein Text-Mentor bezeichnet. Welchen bzw. wieviel Einfluss hat denn diese Zusammenarbeit mit ihm?

Also bei dem Album war es vor allem deswegen so wichtig, weil sehr wenig Zeit war, wie wir ja vorhin auch schon besprochen haben. Es war so ein Prozess, wo so viel entstanden ist, wo wir aufnehmen konnten und die Musik fertig wurde. Für mich war vor allem diese Reflexion wichtig, die ich praktisch auch für mich selber machen kann, aber dann brauche ich viel längere Zeiträume. Also praktisch sich darüber bewusst zu werden, was wie wirkt bei einem Lied.

Ich habe das vorhin mit “Café Noir” beschrieben: das geht, wenn man es vor dem Publikum spielt. Man muss sich da eben Zeit lassen. Und wenn jemand da ist, der das auf eine gute Art und Weise für einen reflektiert und einem aufzeigt, was damit anklingt, was gut ist und was vielleicht noch einmal Überarbeitung bedarf, dann ist das sehr hilfreich. Und das hat er bei allen Texten auf diesem Album gemacht. So haben wir zusammen gearbeitet. Ein paar haben wir auch zusammen geschrieben. Beim ersten Album war das eher oberflächlicher und ich weiß auch noch nicht, wie das jetzt weitergeht. Aber es ist großartig, dass das so klappt. Das ist ja auch nicht immer so gesagt, weil Texten ja eigentlich eher so etwas Einsames ist.

Du schreibst also etwas und ihr besprecht das dann nochmal, wie das wirkt und so…

Genau. Bei der Art und Weise, wo er die Texte lektoriert hat, ist das so gelaufen. Und bei anderen, die wir zusammen geschrieben haben, haben wir zusammen Ideen und Bilder entwickelt und sind dann irgendwie auf einen Nenner gekommen. Und das hat geklappt.

Vorhin hast du von “der Band” gesprochen. Gibt es denn eigentlich “die” Band oder sind das wechselnde Musiker?

Es gibt “die” Band. Für die CD gibt’s praktisch die erweiterte Band, das erweiterte Umfeld. Das sind aber alles Freunde oder Freunde von Freunden, Bläser und Streicher, die da noch dazukommen. Aber die eigentliche Band, die mit mir tourt, die gibt es. Und die hat sich gerade auch noch einmal erweitert. Magnus [an der Gitarre, Anm. d. Red.] ist noch dazugekommen im letzten Sommer.

Diese Findung dieses Sounds hat auch eine wichtige Rolle gespielt bei dem Album. Es sind alles sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die da zusammengetroffen sind, die ich praktisch dafür ausgewählt habe. Von ganz unterschiedlichen Orten, mit ganz unterschiedlichem Musik-Hintergrund. Persönlichkeiten, die auf eine tolle Art und Weise zusammen funktionieren.

Du bist jetzt natürlich sicher erst einmal glücklich, dass dein “Baby” jetzt endlich veröffentlicht wurde und ihr damit auf Tour gehen könnt. Trotzdem die Frage: gibt es denn vielleicht schon Vorstellungen, Wünsche oder Ideen, für das was kommt?

Ja, klar. Das hat schon lange bevor “Rangoon” rausgekommen ist angefangen, dass es in meinem Kopf schon wieder weiterging. Aber es ist für mich etwas Anderes, das zu denken und die ganzen Optionen durchzuspielen, die auch heute mal so sind und morgen so. Oder wenn das Konzert heute Abend gut war, so, und wenn’s schlecht war, so.

Im Endeffekt bin ich froh, dass ich es nicht weiß, denn ich kann mir alles Mögliche vorstellen. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen – vielleicht nicht jetzt, sondern nach dem nächsten Album oder so, mal was anderes zu machen. Mal irgendwie so in Richtung Buch oder eben eine andere Kunstform zu gehen. Oder vielleicht doch weiterzumachen, oder mal andere Projekte zu probieren als dieses “Max Prosa”-Ding, wie es jetzt funktioniert.

Aber das weiß ich alles noch nicht, und ich bin froh darüber, dass das alles noch so offen ist und ich mich da so ein bisschen reintreiben lassen kann. Und am Ende wird’s irgendwie passieren. Ich versuche nur immer, für alles so offen zu sein, wie’s geht. Und vor allem, in mich selber reinzuhören und zu sehen, was insgesamt gut wäre für mich und wie ich meinen eigenen Ansprüchen am besten genügen kann.

Treibt es dich nicht schon wieder zum Schreiben? So, dass du irgendwelche Dinge während der Tour umsetzt…

Ja, doch. Aber noch nicht fokussiert. So ein Album muss enstehen können. Es darf nicht so sein, dass ich sage: Ok, wir brauchen ein Album, d.h. wir brauchen zwölf Songs. So und so viele Liebeslieder, so und so viele Balladen. Zack, zack, zack… Ich will, dass das so ein konstanter Prozess ist, das Schreiben und auch das Musizieren mit der Band, das Sound-Finden. Und daraus werden dann immer so “Foto-Serien” veröffentlicht.

Woher weißt du dann, was auf so ein Album gehört?

Das muss halt so eine geschlossene Einheit bilden. Das war jetzt bei “Rangoon” auch so. Wir hatten bei “Rangoon” auch noch viel mehr Lieder – es waren, glaube ich, 18 nach dem Master. Und dann haben wir uns für die zwölf entschieden. Ein paar davon sind dann auch auf der “Streunende Hunde”-Bonus-CD gelandet. Wir haben uns aber für die zwölf entschieden, weil dieser Ablauf irgendwie interessant war. Diese “Foto-Serie” eben, wo man denkt: so fängt’s gut an, so hört’s gut auf, das ist die Serie.

Man darf nicht zu viel reinpacken, denn dann verliert es irgendwie an Kraft, wenn es zu lang ist. Und genau so will ich gerne, dass es weitergeht, so dass es an irgend einem Punkt wieder für mich so ist, dass ich sage: ok, die passen gut zusammen. Aber nicht so, dass ich immer wieder aufhören und anfangen muss, zu schreiben und aufzunehmen. Das ist, glaube ich, das Schwierigste, dass es eher so etwas Gleichmäßiges ist, dass ich mir auch selber keinen Stress machen muss.

Ok, das war’s. Ich danke dir vielmals und wünsche dir noch viel Erfolg.

Cool. Ich danke auch.

 

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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