Odeville – Bleibt alles anders

Mit ihrem vierten Album ‚Phoenix‘ schlägt die 2007 gegründete Band Odeville ein neues, musikalisches Kapitel auf. Die Message auf dem jüngst erschienen Album ‚Phoenix‘ ist positiver, die Stimmung gelöster als zuletzt. Mit sonnig-poppigen Melodien holen die Hamburger ein Stückchen Kindheit und Jugend zurück. Mit dem leichten Indie-Pop der Single ‚Leuchtreklamenpoesie‘ rotieren Odeville sogar im Radio. Dabei begannen die mittlerweile zum Quintett erstarkten Hanseaten, damals noch zu viert, mit einem eher archaischen Sound, positioniert irgendwo zwischen Emo, Punk und Hardcore und mit englischen Texten.

Der neue Bassist Tim Sinclair und Sänger Hauke Horeis sprechen über die Entwicklung von Odeville, musikalische Vorbilder und vergebene Kronen.

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Odeville vlnr: Martin Dörr, David Bergert, Hauke Horeis, Sascha G., Tim Sinclair. Photo: Melanie Biesenbach

Der NDR hat Euch den Stempel Deutschpop mit Botschaft aufgedrückt. Das hätte vor zwei Jahren so wohl noch keiner über Euch gesagt. Zuerst der Schwenk von Englisch zu Deutsch, dann ein Stilwechsel. Ist Veränderung die Konstante bei Odeville?

Tim: Das hat sich einfach so entwickelt, allein in der Bandkonstellation ist viel in den letzten Jahren passiert. Mit Martin am Piano sind wir auch zum ersten Mal fünf feste Mitglieder. Jeder hatte das gleiche Mitspracherecht im Songwriting. Wir haben uns beim schreiben nie eine bestimmte Richtung gesucht, sondern geschaut was passiert. Ich persönlich finde das angenehmer als 20 Jahre in der selben Suppe zu kochen. Man verändert sich ja auch menschlich weiter.

Hauke: „Movement is Live“ wer sich nicht mit dem Zeitgeist bewegt, wird von ihm verschlungen. Ich bewundere Workaholics wie Mike Patton oder Chilly Gonzales. Künstler die das produzieren, wonach ihnen der Sinn steht und sich in keinster Weise von der äußeren Meinung beeinflussen lassen. Wir haben so viel Output, das es mich nicht wundern würde, wenn der Phoenix-Nachfolger wieder ein Schippe drauf setzt.

Auf ‚Phoenix‘ gibt es sehr viele Kindheits- und Jugenderinnerungen. Gibt es einen Grund, dass Ihr gerade jetzt darüber singt?

Hauke: Die Texte sollten hoffnungsvoll, motivierend und aufbauend sein. Die Inspiration bedient sich aus Kindheitserinnerungen und Wünschen meiner Vergangenheit. Ich habe damals das Gefühl gehabt, durch einen Sumpf aus „First-Wold-Problems“ zu waten und wollte darüber auf keinen Fall schreiben. Ich will mich lieber mit den elementaren Dinge des Lebens auseinandersetzen und nicht mit den Sneakers die ich mir nicht leisten kann.

Odeville_02(c)MelanieBiesenbachGegenüber dem Line-Up von ‚Helion‘ gab es zwei Besetzungswechsel, mit Tim Sinclair habt Ihr einen neuen Bassisten, und Keyboarder Martin Dörr kam auch hinzu. Wirkt sich das auf das Bandgefüge aus?

Tim: Als ich zu der Band als neuer Bassist dazukam, war das erstmal komisch. Hauke, Sascha und David kennen sich schon sehr lange und ich brauchte etwas um mich einzuleben. Ich glaube durch Martin und mich hat sich das alte Bandgefüge etwas aufgelockert, so empfinde ich das jedenfalls.

Hauke: Wir halten uns gegenseitig auf Kurs, motivieren uns gegenseitig und kollabieren aber auch zusammen. Niemals hab ich mich in einer Band wohler gefühlt als jetzt.

Musikalisch habt Ihr Euch weit vom Vorgänger-Album ‚Helion‘ entfernt. Zu den Texten der neuen Songs passen das Leichtigkeit vermittelnde Piano und die weniger dominante Gitarren natürlich besser. Habt Ihr Euch schnell als Band auf den neuen Sound einigen können oder gab es Streitigkeiten?

Hauke: Wir haben so richtig langweilig harmonisch den Schreibprozess bis zum Studio durchgezogen, ohne große Dramen. Keiner hat eine Tür zugeknallt und niemand wollte die Band verlassen. Martin ist nach seine Co-Produzentenrolle sogar neu eingestiegen, weil wir uns so sehr ineinander verliebt haben. Ursprünglich waren zwei bis drei Tracks mit Klavier angedacht und der Martin hat sich dann einfach alle gekrallt und sich zu eigen gemacht.

Tim: Beim Songwriting gibt es immer Reibungspunkte, das ist bei 5 Leuten in einer Band ganz normal. Große Streitigkeiten gab es aber nicht. Wir haben versucht alles für uns so geil wie möglich zu machen. Leitspruch war: Nur geil ist auch wirklich geil.

Der ‚Phoenix‘ steht ja oft für einen Neuanfang. Ist das bei Euch auch so oder wie kam der Albumtitel zu Stande?

Tim: Dieses Album ist auf jeden Fall eine große Veränderung. Nicht nur durch die Songs und die Besetzung an sich, sondern auch die Produktion und alles drumherum. Der Phoenix entsteht ja nicht komplett neu, sondern erschafft sich aus seinem alten Selbst. Das fanden wir im Studio irgendwann sehr passend als Albumtitel.

Wie verkraften die Fans der ersten Stunde eigentlich Eure musikalische Entwicklung?

Hauke: Unterschiedlich. Die Fans aus der aller ersten Stunde, finden es geil, Songs wie „Leuchtreklamenpoesie“ im Radio zuhören und freuen sich für uns. Wir haben einen unglaublichen krassen Zuwachs an neuen Fans, was wir so nicht erwartet hätten. Manchmal schreit auch jemand: „Ausverkauf“, aber ich finde nach Fjørts „Kontakt“ brauchen wir auch keinen mehr auf Metal zu machen. Diese Krone ist vergeben. Wir bringen dann mal frischen Wind in Deutschlands Poplandschaft. Am besten mit Botschaft.

Ist auch die zukünftige Entwicklung von Odeville wieder völlig offen?

Tim: Darüber haben wir bisher noch nicht nachgedacht. Wir sind gerade so froh, „Phoenix“ veröffentlicht zu haben und hoffen, dass wir das Album dieses Jahr sehr viel live spielen können. Ich glaube aber, dass wir unserem Grundsatz treu bleiben werden, Songs zu machen, die wir geil finden. Wo das dann hingeht wird sich zeigen.

Hauke: Ich persönlich hätte ja Bock auf ein elektronisches Album, aber wir schauen mal an welcher Kreuzung wir 2017 stehen.

Ist neben den Release-Gigs eine Tour für ‚Phoenix‘ geplant?

Hauke: Auf jeden Fall. Und dann natürlich die Festivals. Deichbrand steht schon fest, mehr folgen bald. Versprochen.

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