Toy – Lärm mit Stil – ein Interview

Die Band Toy aus London ist relativ frisch; 2010 gegründet, den ersten Auftritt Anfang 2011 in London im Club absolviert und schon ging es auf diverse Festivals und auf Tour mit The Horrors. Man machte sich recht schnell mit einem Mix aus Postpunk, Kraut- und Psychedelic-Rock einen Namen. Poppige Melodien zu fluffigen Basslines oder lärmendes Feedback-Gitarren-Inferno, die Songs von Toy bahnen sich ihren Weg, schaffen sich Platz, sind gerade so weit ausdefiniert um in der Halle Vollendung zu finden. Mittlerweile spielt die Band um Sänger und Gitarrist Tom Dougall auf der Insel ausverkaufte Headlinershows. Auf dem Festland sind Toy gerade mit Placebo auf deren Einladung unterwegs auf einer weiteren Arenatour.

Bei ihrem Stop in Zürich entstand dieses Interview mit Bassist Maxim Barron im Backstagebereich des Hallenstadions.

Die Freunde Tom Dougall, Dominic O’Dair und Maxim Barron spielten zunächst in der Band Joe Lean & the Jing Jang Jong. „Den Sound unserer früheren Band kann man mit dem von Toy nicht vergleichen. Es war eine Art Indie-Rock. Wir waren 18 zu jener Zeit, kamen praktisch gerade von der Schule. Wir drei haben Joe Lean & the Jing Jang Jong dann verlassen. Als Freunde, die wir schon immer waren wollten wir unsere eigene Band und das tun, woran wir Spass haben.“

Toy haben dann einen wahren Blitzstart hingelegt. 2010 gegründet ergatterte man gleich mit dem ersten Gig einen Plattenvertrag und jetzt zieht die Band durch die großen Arenen. „Unser erster Gig in London war ein Headliner-Gig im Schacklewell Arms, einem Pub vor vielleicht 10 Leuten. Wir hatten bestimmt 9 Monate lang keinen Auftritt. So probten wir und wählten sehr sorgfältig aus, was wir spielen wollten, das wurden dann die Songs auf unserem ersten Album. Etwas Glück war dabei dann auch im Spiel, Jeff Barrett von Heavenly Recordings kam zu unserem Konzert und ihm hat gleich gefallen, was er sah. Wir mochten ihn auch und er bot uns dann eine Single an. Es ist also ein Mix aus Glück und harter Arbeit.“

Mit Joe Lean & the Jing Jang Jong spielten Toy eher in kleinen Läden. Ist das eine Erfahrung, die der Band mittlerweile fehlt? „Wir werden weiterhin Clubs spielen, im Februar kommen wir wieder. Es ist sehr schön, große Hallen zu spielen, alles ist so professionell, aber diese schweisstreibenden Konzerte in Clubs machen auch sehr viel Spass. Mit dieser Tour kommen die richtig großen Arenen, allerdings haben wir mit den Vaccines auch schon vor 20.000 Leuten gespielt.“
 
Nun also eine Tour mit Placebo, eine Band mit großer Anhängerschaft, die es erst einmal zu überzeugen gilt.  „Es sind sehr nette Leute, die zu den Konzerten kommen, aber es hängt stark vom Publikum ab. Wir haben die Chance, bei den Shows einige Leute zu überzeugen, aber es sind eben doch hauptsächlich Placebo-Fans. Auf dieser Tour spielen wir einige neue Songs, aber es wird ein Mix aus neuen und alten Songs.“
 
toy07Auf die Hörgewohnheiten nahm die Band bei ihrem 30-minütigen Set im Hallenstadion dann auch tatsächlich keine Rücksicht. Cool enterte man die Bühne, wirkte unglaublich abgeklärt, trotz des noch sehr jugendlichen Alters.  Die Musik von Toy ist ein Mix aus Post Punk, Psychedelic und Noise-Rock, wie kommt man als relativ junge Musiker zu einem derartigen Retro Sound? „Musik ist unsere größte Leidenschaft. Wir freuen uns immer, wenn wir etwas für uns Neues hören. Toms Vater hat eine sehr große Plattensammlung. Als wir 10, 11 Jahre alt waren haben wir uns immer getroffen und Platten gehört. Television hat uns sehr beeindruckt, aber auch Folk wie Fairport Convention, Nick Drake oder The Stooges. Wenn wir spielen schauen wir als Band aber eher vorwärts als rückwärts. Wir haben es gerne spacig, experimentieren gerne mit Sounds.“

Auf dem Debutalbum und auch auf „Join The Dots“ sind die Bassläufe sehr charakteristisch, mal denkt man an die hohen Basstöne von Peter Hook, dann gibt es wieder sehr treibende Bassarrangements und dann wieder Töne, die von Synthies kaum zu unterscheiden sind wie im Song „Colours Running Out“. Drums und Bass sind essentiell für unser Songwriting. Wenn ich Basslinien im Kopf habe, versuche ich sie klingen zu lassen wie einen Sequencer. In „Colours Running Out“ zum Beispiel ist ein echter Bass zu hören, ich spiele ihn eben nur sehr schnell.“

Das neue Album „Join The Dots“ erscheint relativ schnell nach dem Debut, es ist gerade mal ein Jahr vergangen. „Es gab da einige Songs, die nicht zu dem letzte Album passten. Wir schreiben Songs, wenn wir dazu bereit sind und deshalb sind wir weit entfernt von einem dreieinhalb-Jahre Rhythmus, den andere Bands haben, um Platten zu veröffentlichen. Das Label wollte das neue Album etwas herauszögern, aber wir wollten es jetzt durchziehen. Es fühlt sich für uns richtig an, ein neues Album zu diesem Zeitpunkt zu veröffentlichen, und ich hoffe das ist ebenso bei den Fans. Eine Entwicklung zum letzten Album ist zu hören. Wir arbeiteten wieder mit dem selben Produzenten. Die Arbeitsweise war sehr aufregend, wir haben uns quasi gegenseitig verstärkt. „Join The Dots“ ist eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss, wir sind gespannt.“   

„Join The Dots“ beginnt mit einem recht sperrigen, 7-minütigen Instrumental, da hat die Band es den  Fans auf dem ersten Album leichter gemacht. „Es gibt auf dem ersten Album definitiv poppigere Songs, „Join The Dots“ ist experimenteller, aber auf dem neuen Album sind auch Hits, Hits in der Art wie wir das empfinden.“
 
Die besten Alben erschließen sich aber auch erst nach und nach. „Absolut, so sehen wir das auch, und das funktioniert, wenn sich auch das Album entwickeln kann. Für ein neues Album sammeln wir schon wieder Ideen, es wird hoffentlich nächstes Jahr veröffentlicht. Wir geniessen es, Songs zu schreiben, das geht bei uns momentan sehr fließend. Die besten Ideen entstanden spontan und auf unterschiedliche Art und Weise. Es ist wie mit Farbschichten. Man hat eine Idee, hält diese als Demo fest, und dann spinnen sich weitere Ideen drum. Und so kommt es auch zu den Creaky Noises und Explosionen. Dieser Gitarrensound gefällt uns sehr gut, zum Beispiel auch an Bands wie Sunn oder Wire.“

Waren Wire auch in der Plattensammlung vertreten? „Ja. Wir sind sehr große Fans der Band. Wir spielten sogar schon mit Wire, in England, vor etwa 5 Monaten. Es waren zwei Bands an diesem Abend im The Lexington, und Wire supportete uns.“  

Ins Studio ging es dann abermals mit Produzent Dan Caery. „Die Ideen zu „Join The Dots“ entstanden in unserem Proberaum, entwickelt haben sie sich im Studio von Dan Carey in Süd-London. Für das neue Album hatten wir auch etwas mehr Zeit: Das Debut entstand innerhalb einer Woche, dieses Mal hatten wir zwei Wochen. Da blieb etwas Zeit fürs Mixing, und wir konnten etwas an den Songs herumspielen. Das erste Album war ein Bild der Band beim Spielen, diesmal kamen einige Overdubs dazu, einige zusätzliche Farbschichten, mehr Gitarren. Das letzte Stück „Fall Out Of Love“ hat an die 40 Gitarren.“

Im Gegensatz zu dem Feedback und Lärm gibt es auch sehr süssliche Melodien auf den Alben, in Songs wie „Endlessly“ oder „The Reason Why“. „Melodien sind sehr wichtig, wir wollen kein Album allein mit Traurigkeit füllen. Starke Emotionen, Melancholie und Euphorie gehen miteinander einher, manche Melodien sind sehr süßlich, aber es wird auch wieder heavy. Es ist eine natürliche Art und Weise, wie Melodien entstehen.“

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Chris

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