Alter Bridge – Walk The Sky

Drei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum “The Last Hero” legen Alter Bridge mit “Walk The Sky” einen weiteren Longplayer nach — ihren sechsten bisher. Und “Longplayer” ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, bietet die Scheibe mit 14 Tracks schließlich wieder eine satte Stunde Hörspaß.
Allerdings hat sich das Quartett bemüht, die Songs im Vergleich zum Vorgänger nicht ganz so ausschweifend werden zu lassen. Das hängt möglicherweise auch direkt mit dem geänderten Songwriting-Prozess zusammen. Myles Kennedy und Mark Tremonti haben diesmal nämlich separat voneinander erst einmal ganze Songideen entwickelt und sich, während den Tour-Terminen mit Slash (im Falle von Myles) bzw. im Rahmen der Solo-Karriere (im Falle von Mark), per Internet ein bisschen gegenseitig mit Demos auf dem Laufenden gehalten. Erst als die Band Anfang 2019 im Studio zusammengekam, wurden die Songs dann von allen gemeinsam — zusammen auch mit Produzent Michael “Elvis” Baskette (u.a. Slash) — innerhalb von zwei Wochen im Detail fertig ausgearbeitet. Anschließend folgte noch einmal eine längere Recording-Phase.

Das Ergebnis ist jedenfalls einmal mehr gewaltig. Zwar beginnt das Album zunächst mit einem anderthalb-minütigen, ruhigen, atmosphärischen und weich gezeichneten Intro-Track (“One Life”), man ahnt aber natürlich schon, dass die folgende Stunde gänzlich anders verlaufen dürfte.
Prompt legt “Wouldn’t You Rather” ein zentnerschweres Riff auf. Zu den Strophen nimmt sich die Rhythmus-Gitarre etwas zurück, brodelt aber mit viel Distortion weiterhin grimmig im Hintergrund weiter. Der Refrain kommt dann natürlich wiederum sehr melodisch und eingängig rüber. Allgemein hält man sich auch im Rest an diese bewährte Rezeptur aus harten Gitarren, Groove, gut reinlaufenden Chorussen und Myles’ markantem Gesang. Zu erwähnen sind die hier (“Walking On The Sky”) und da (“Pay No Mind”) im Hintergrund platzierten Keyboards/Synths, der leicht orientalische Gary Numan-Touch zu Beginn von “Indoctrination” und das starke “Forever Falling”, bei dem Mark wieder einmal Myles’ Mikro kapert.

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Video zu “Dying Light”

So konstant der Sound über die Alben hinweg auch ist, inhaltlich könnte sich “Walk The Sky” kaum mehr vom Vorgänger unterscheiden. Stand das irgendwie politische “The Last Hero” (hier übrigens unser Review) noch sehr unter dem Eindruck des unsäglichen Wahlkampfes zur US-Präsidentschaft zwischen Clinton und Trump (für Myles, wie er den Eindruck machte, übrigens die vielzitierte Wahl zwischen Pest und Cholera), kümmert sich das neue Werk nun viel mehr um das eigene Innere, die Erleuchtung oder ewiges Leben.
Das schon erwähnte, von Myles geschriebene “Wouldn’t You Rather” verkündet beispielsweise das “Folge deinem Herzen”-Motto — “wouldn’t you rather live from the heart / a life that will matter, to be lived from the start”, heißt es da. Oder das vom Sound her leider etwas arg zugekleisterte und unnötig mit Hall unterlegten Vocals versehene “Godspeed”, mit dem Mark seinem langjährigen Kumpel Seth gedenkt: “farewell, godspeed and goodbye, you have lived, and you have changed all of our lives”.

Alter Bridge verstehen es einfach, Rock, Metal und Eingängigkeit zu verbinden und feinste klassische Hard-Rock-Kompositionen am laufenden Band zu produzieren und dabei ihren eigenen Sound immer weiter zu verfeinern. Alleine große Veränderungen darf man dabei aber nach wie vor nicht erwarten.
Das Ganze gipfelt schließlich im längsten Song des Albums: Das pompöse und vielseitige “Dying Light” scheint noch einmal alles auffahren zu wollen, was die Band ausmacht. Und eine letzte Weisheit hat dessen Refrain auch noch parat: “in the dying light we learn to live, when we give in to the silent waves that crash inside”. Kennedys Kommentar dazu: “to me, that represents the idea of letting the ego die, detaching from the noise in your head and surrendering to the moment”. Einfach mal sacken lassen…Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Alter Bridge
Walk The Sky
(Napalm Records / Universal Music)

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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