Chvrches – Love Is Dead

Das Electro-Pop-Trio Chvrches hat bislang wirklich so ziemlich alles richtig gemacht. Natürlich waren die tollen Song-Ideen und sicher auch Frontfrau Lauren Mayberry und ihr poppig-süßer Gesang wichtige Grundsteine des Hypes 2012/13. Eine der wichtigsten Entscheidungen dürfte aber auch die gewesen sein, keine externen “Hit-Produzenten” an den Band-Sound zu lassen und diesen stattdessen erst einmal selbst zu entwickeln und zu einer Marke zu machen — Know-How war ja ganz offenbar genug vorhanden.
Das 2015er-Zweitwerk “Every Open Eye” (hier unser Review) entfernte sich zwar schon ein kleines Stück vom Underground-Stil des Debütalbums “The Bones of What You Believe” (2013; hier unser Review) und liebäugelte dafür mit dem Mainstream. Aber auch dabei behielt man die Zügel zur Sicherheit lieber noch in den eigenen Händen.

Für das dritte Album “Love is Dead” waren Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty bereit, Einflüsse von dritten in ihre Musik und ihren Sound einfließen zu lassen. Wichtig blieb ihnen dabei aber die Gewissheit, dass da niemand kommt, und aus Chvrches etwas macht, das es nicht ist und wohl auch nicht sein will.
Die Wahl fiel hauptsächlich auf Produzent Greg Kurstin (Adele, Sia, Lily Allen, aber auch Foo Fighters und Red Hot Chili Peppers), der zwei Drittel der Songs co-produziert hat. Das als vierte Single ausgekoppelte “Miracle” wurde außerdem zusammen mit Steve Mac, einem Musik-Hit-Produzent, der hauptsächlich im Pop-Bereich, von Westlife über Boyzone bis Ed Sheeran, aktiv ist) realisiert.

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Video zu “Miracle”

Dementsprechend klingt “Love is Dead” auch noch einmal eine ganze Spur poppiger und glatter als die beiden Vorgänger — ein Ziel das die Band aus Glasgow unter dem Motto “wenn Pop, dann so richtig” tatsächlich auch aktiv verfolgt hat. Übrigens mit Eurythmics’ Dave Stewart sozusagen als “Album-Mentor”. Nur die drei Songs “My Enemy” (mit Gastsänger Matt Berninger von The National), “God’s Plan” (von Martin gesungen) und “Really Gone” entstanden diesmal in komplett eigener Produktion und sorgen prompt für Abwechslung, wenn auch eher damit, dass sie einiges ruhiger als der Rest daherkommen.
Ansonsten versuchen sich, anstatt der früheren, kauzigen Synthie- und Sampler-Spielereien, wie z.B. bei “Lies”, jedenfalls nun gleich eine ganze Reihe von Refrains (vor allem in “Get Out”, “Graffiti”, “Miracle” und “Deliverance”) mit ausgefeiltem Pop-Bombast gegenseitig zu übertreffen. Und in der Tat sind das allesamt tolle Popsongs, keine Frage! Kaum eines verfehlt die eingängige Wirkung, zumal die Musik, vor allem dank immer wieder zu hörender Synthie-Stil-Marken und natürlich Laurens Gesang, trotz der Überarbeitung noch nach Chvrches klingt. Über einen richtigen Ausfall stolpert man außerdem auch nicht.

Allerdings entfernen sich die drei damit nun noch ein Stück weiter von dem, was den Hype damals zu Recht ausgelöst hat. Das Experiment sei ihnen natürlich gegönnt — ewig auf derselben Welle weiter zu reiten, ist ja schließlich auch nicht die Erfüllung.
Beim Fazit bin ich hin- und hergerissen: “Love is Dead” liefert guter Pop mit tollen Hooks. Insgesamt aber etwas too much, ein bisschen zu eintönig cheesy, auch wenn das Vorhaben kompromisslos das poppigste Chvrches-Album zu produzieren und dabei gleichzeitig bloß nicht die Chvrches-Seele zu verkaufen am Ende doch irgendwie geglückt ist. Nächstes mal definitiv lieber wieder in kompletter Eigenregie und äußerst gerne wieder mehr “independent”!Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Chvrches
Love Is Dead
(Vertigo Berlin)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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