Fenech-Soler – Rituals

Fenech-Soler? Da war doch was… Ja, genau! Die Synthpop-Band aus England, bei deren Namen man hierzulande so herrlich rätselte, wie man den nun auszusprechen hat. “Fenesch Solähr” vielleicht?! Oder eben doch “Feneck Soula”?! Ob in der einen Variante oder der anderen, die Band war vor drei, vier Jahren mit ihrem hochgelobten, selbstbetitelten Debütalbum in aller Munde. Großartige Elektropop-Hits wie “Stop and Stare” oder “Demons” wurden auch im Radio hoch und wieder runter gespielt.
Gerade auf dieser hohen Welle reitend, bekam Sänger Ben Duffy dann Krebs diagnostiziert. Weitere Aktionen der Band lagen somit natürlich erst einmal auf Eis. Nun könnte man meinen, dass die lange Pause zwischen Erstwerk und Nachfolger durch diesen gesundheitlichen Rückschlag zu erklären ist. Tatsächlich konnte der Krebs aber in relativ kurzer Zeit besiegt werden, so dass die Band schon wenig später wieder in Glastonbury auf der Festival-Bühne stand. Außerdem erscheint die Pause ein Jahr länger, als sie tatsächlich war. Denn “Rituals” erschien in der britischen Heimat schon zum Ende des Sommers 2013 – wie und wieso so etwas auch immer passieren muss…

Schließlich ging es jedenfalls um nicht weniger, als darum, einen legitimen Erben für ein so gehyptes Debüt auf die Beine zu stellen. Nicht gerade eine anspruchslose Aufgabe, und die Band bestätigt: “Es war die größte Herausforderung, die wir als Band jemals hatten”. Die Frage, ob diese Mission erfolgreich war, stellen wir zunächst hinten an.

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Video: Fenech-Soler – All I Know

Klar ist, dass weiterhin das gleiche Klientel bedient wird. Und das mit so ziemlich vergleichbaren Mitteln: catchy Hooks, reichlich Falsett-Gesang über reichlich Pop- und teilweise auch Club-Beats, und das Ganze fast ausschließlich in eine sommerliche, sonnige und leichte Stimmung getaucht. Allerdings hat man den Eindruck, die Musik klingt nicht mehr ganz so experimentierfreudig und stattdessen etwas erwachsener.
Als Anspieltipps dürften das extrem eingängige Radio-Pop-Stück “All I Know”, das ebenso ohrwurmige “Last Forever”, das durch einen fetten Basslauf und unverwechselbar krächzenden Synth-Sounds im Gedächtnis bleibt und “Two Cities” ganz gut geeignet sein. Letzteres, weil es, wie z.B. auch “Glow” etwas ruhiger, weniger euphorisch und dafür etwas geheimnisvoller klingt.
Ansonsten ist noch wegen ihrer House-Anleihen auf die beiden Stücke “Maiyu” und “Somebody” hinzuweisen. Außerdem sollte noch erwähnt werden, dass die beiden Ritual-Tracks (“Ritual” und “Ritual II”) lediglich kurze Interludes darstellen, oder wahlweise eine Einleitung auf die darauf folgenden Stücke.

On Top bietet die Bonus-Edition – bei uns erscheint wohl gar keine andere – übrigens zusätzliche Akustik-Versionen von sechs Songs des Albums. Die funktionieren auch in dieser Art Arrangement tatsächlich sehr gut und können wirklich als Mehrwert gesehen werden. Vielleicht eine Entschädigung für die späte Veröffentlichung…

Am Ende, würde ich sagen, beweisen Fenech-Soler mit “Rituals” auf’s Neue ein extrem gutes Gespür für wirkungsstarke Popsongs. Das Album kann an seinen Vorgänger anknüpfen – und doch muss die Anmerkung erlaubt sein, dass man, nachdem sich das Quartett mit dem 2010er-Werk und ziemlich großem Einfallsreichtum so steil in die Höhe geschossen hatte, irgendwie etwas Mutigeres, Innovativeres erwartet hätte.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Polo Pony With Brush Cut Mane
Fenech-Soler
Rituals
(No, Butyes! / Sony BMG)

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Gerald

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Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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