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Kiss – Monster

Im heutigen Spitzenspiel bekommt es der MSV Kiss mit dem 1. FC Älterwerden zu tun. Die Alte-Herren-Mannschaft des MSV tritt in Bestbesetzung an und will nach einer intensiven Vorbereitungsphase an die goldenen Zeiten der 1970er-Jahre anknüpfen. Der seit eh und je zeitlose FC hält mit seiner bewährten Methode des Abwartens dagegen – wir erwarten ein spannendes Spiel, von dem wir nun live berichten!

Der MSV Kiss hat Anstoß und stürmt mit „Hell or hallelujah“ sofort nach vorne. Das Auftreten der Spieler hat man so seit Mitte der 70er-Jahre nicht mehr gesehen, sie spielen klassisch, schnörkellos und mit viel Zug zum Tor. Nach einem tollen Solo von Tommy Thayer flankt er in die Mitte, wo Paul Stanley locker zum 1:0 einköpft. Was für ein Auftakt!

Schlägt der 1. FC Älterwerden gleich zurück? Weit gefehlt, sofort nach dem Wiederanstoß schnappt sich Gene Simmons das Leder, blockt alle Attacken seiner Gegner auf gewohnt rotzige Art ab und stürmt nach vorne. Ein Haken hier, ein kurzer Stopp da, so spielt er die gegnerische Abwehr schwindlig. Mit seiner „Wall of sound“ erhöht er permanent den Druck und knallt den Ball schließlich mit voller Wucht ins Netz. 2:0 für die Alten Herren aus New York!

Nach dem furiosen Auftakt lässt es der MSV Kiss ein klein wenig ruhiger angehen. Die Spielweise wird getragener, bleibt aber sehr flüssig. Man merkt der Mannschaft an, dass sie stolz auf sich ist, die Spieler bezeichnen sich ein wenig ironisch als „Freak“ und feiern sich mit einer Hymne bereits auf dem Platz. Ganz nebenbei fällt das 3:0 – Kiss scheint fest vom Sieg auszugehen. Ob das nicht ein wenig verfrüht ist? Der 1. FC Älterwerden ist bekannt für seine Ausdauer und Geduld…

Prompt gerät der MSV Kiss unter Druck, das Alter macht sich wohl doch bemerkbar. Auch bei Gene Simmons, der aber aus der Not eine Tugend macht und auf die Waffen des Mannes setzt: „Back to the stone age“ ist der Schlachtruf für die ganze Mannschaft, auch Torwart Eric Singer treibt seine Vorderleute pausenlos an. Die rohe Kraft der Steinzeit scheint zu helfen, Simmons rüpelt sich auf seine ungehobelte Art durch die gegnerische Hälfte und erzielt mit einem Gewaltschuss das 4:0. Wow.

Nun scheint aber die Luft doch etwas raus zu sein. „Shout mercy“, rufen die Spieler des MSV Kiss, man mag sie ihnen gewähren. Auch wenn sie gerade ein wenig pomadig spielen und wenig Neues bieten, geraten sie nicht in Gefahr, vom 1. FC Älterwerden überrannt werden. Dennoch hofft das Publikum, dass die Mannschaft sich nur eine kurze Verschnaufpause gönnt und danach wieder Vollgas gibt. Es tut sich wenig, der Spielstand bleibt beim 4:0.

Ob das dem Trainer gefallen wird? Der MSV Kiss nimmt weiter das Tempo aus dem Spiel, befindet sich offenbar auf einem „Long way down“. Die Partie wird gerade ein wenig langweilig, es fehlt die Spritzigkeit der Anfangsphase. Doch ein Zeichen des Alters? Oder Kalkül, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen? Wir werden es wohl erst nach der Halbzeitpause herausfinden. Zeit für ein Bier.

Kurz vor dem Wiederanpfiff versammeln sich die Spieler des MSV Kiss am Mittelkreis und feuern sich offensichtlich an: „Eat your heart out“, das scheint der Weckruf für die zweite Hälfte zu sein – und siehe da, die alte Leichtigkeit scheint zurück zu sein. Gene Simmons zeigt, dass er nicht nur bei Gehaltsverhandlungen ganz weit vorne ist, sondern auch mit lange nicht gesehener Leichtigkeit über den Platz tänzeln kann und seine Mitspieler mitreißt. So wollen wir den MSV Kiss sehen: Selbstsicher, lebensfroh, leichtfüßig, und zielsicher – kein Wunder, dass Simmons höchstpersönlich das 5:0 erzielt. Die Fans feiern ihre Mannschaft, zu Recht.

Simmons scheint Spaß daran zu haben, das Spiel zu dominieren. „The devil is me“, grölt er und führt sich auch entsprechend auf. Flankiert von Stanley und Thayer, nach vorne gepeitscht von Singer, tankt Simmons sich durch alle Zweifel, die kurz vor der Halbzeitpause aufgekommen sein mögen. Thayer brilliert erneut als Linksaußen mit seinen Soli, liefert Simmons eine tolle Vorlage, die der für den Endspurt und ein tolles 6:0 nutzt. Wenn die Truppe so weiter macht, wird’s ein echter Kantersieg…

Plötzlich schaut das Publikum leicht irritiert – gab es einen Wechsel beim MSV Kiss? Steht plötzlich statt Tommy Thayer der Ehrenvorsitzende der Anonymen Alkoholiker Ace Frehley auf dem Platz? Nein, doch nicht. Es ist Thayer, der auf interessante Weise sowohl Spielstil als auch Stimme des ehemaligen Kiss-Flügelspielers Frehley imitiert und damit neben den Fans auch den Gegner irritiert. Auch wenn sich Jugendspieler Thayer sehr großzügig bei Altmeister Frehley (den angeblich Aliens entführten, dann aber doch nicht behalten wollten…) bedient, gelingt ihm damit einer der besten Spielzüge der Partie und ein herausragendes Tor. 7:0, den Sieg kann dem MSV Kiss nun keiner mehr nehmen.

Der MSV Kiss ist nun restlos überlegen, vergessen ist die leichte Schwächephase, die Mannschaft zaubert. Und sogar Torhüter Singer spielt plötzlich ganz vorne mit, übernimmt bei „All for the love of rock & roll“ die Führung und dribbelt sich leichtfüßig von ganz hinten nach ganz vorne, in die Herzen des Publikums und vors gegnerische Tor, wo er mit einem sehenswerten Fallrückzieher locker auf 8:0 erhöht.

Der Erfolg scheint Simmons zu beflügeln. Der ewige Schwerenöter nutzt die Gelegenheit und flirtet mit allen weiblichen Fans im Stadion, und wird schnell von Stanley unterstützt, der ebenfalls nicht mit allerlei Anzüglichkeiten geizt. „Take me down below“ ist die eindeutig zweideutige Aufforderung, was dem 1. FC Älterwerden aber auch nichts mehr hilft. Simmons und Stanley im Doppelpass und Simmons schiebt locker per Hacke zum 9:0 ein, während er mit seiner Zunge nicht nur den gegnerischen Torwart irritiert. Das Spiel erinnert nun mehr an ein Rockkonzert, was den Zuschauern egal ist, die feiern schon längst.

Das Spiel ist fast vorbei, doch der MSV Kiss will seine „Last chance“ noch nutzen, diesmal wieder mit Paul Stanley am Ball, unterstützt von Thayer. Beide spielen sie den Gegner schwindlig, stehen vor dem leeren Tor und nutzen die Gelegenheit, ein bisschen mit den Fans zu singen und zu feiern, bevor Stanley sich selbst den Ball zum Kopfballtor vorlegt – 10:0, das ist auch der Endstand.

Spannend war die Partie nur am Anfang, denn schnell war klar, dass der MSV Kiss die Partie dominieren würde. Der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können, aber auch so hat sich die Mannschaft eindrucksvoll zurück gemeldet. Kiss haben sich mit „Monster“ den passenden Albumtitel ausgesucht.

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Kiss - Monster
Kiss
Monster
(Universal)

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