Machine Head – Catharsis

Das sind wahrlich stürmische (politische) Zeiten in denen wir leben. Überall auf der Welt Krisenherde, manche glimmen vor sich hin, andere lodern lichterloh. Schauen wir über den großen Teich, sehen wir auf der anderen Seite diese orangehäutige Witzfigur, die, warum auch immer, weiterhin im Amt sein und sich für den größten Führer der Welt halten darf. Da ist es nur logisch und nachvollziehbar, dass mit der Zeit der Widerstand immer größer und präsenter wird. Die nächsten auf der Liste sind nun Robb Flynn und seine Mannen von Machine Head.

Für den aktuellsten Silberling „Catharsis“ haben die Jungs ihr eigenes Rad nicht nur neu erfunden, sie haben es mit riesigen Spikes überzogen, denn die angetretene Fahrt verspricht sehr unruhig zu werden. Wer sich wieder auf einen Kopfkino-Rockepos-Abend á la „The Blackening“ einstellen will, wird jäh gestoppt, denn Robb hat eine Menge politischer Statements abzugeben, und da bleibt keine Zeit für viel Fleisch um die Knochen.

Was uns hier vorgesetzt wird ist rohe, fast schon schizophrene Wut über den Zustand der Welt in einem für Machine Head unüblich gewordenem Ausmaß. 15 Songs wurden uns zuletzt ansatzweise zu Supercharger-Zeiten präsentiert (da waren es 14). Der erste Song „Volatile“ bietet schon das Leitmotiv des gesamten Albums, wenn Robb uns ein charmantes „Fuck The World“ entgegenschmettert.

Nochmal zurück zum Thema Schizophrenie: Selten war ein Album so überladen mit allen möglichen Einflüssen, auch aus der eigenen Vergangenheit. Es gibt sehr viele Riffs und Melodiebögen, die nach Überbleibseln aus der Burning Red- und Supercharger-Ära stammen könnten, jede Menge Ausflüge zurück zu Nu Metal und Rap Metal und dann natürlich noch die Experimente. An „Bastards“ scheiden sich die Geister: Was als Guns’n’Roses/Bon Jovi-Reminiszenz anfängt, bekommt erst sehr spät den gewohnten Machine Head-Stempel aufgedrückt. „Grind You Down“ hört sich an als ob es ein Slipknot Cover wäre und „Eulogy“ ist genau genommen ein 6-Minuten-Outro.

Hier sind wir wieder beim alten, leidigen Thema mit dem Experimenten. Die Romantiker werden wieder anführen, dass Experimente nicht sein müssen, andere werden sie begrüßen. Auch in diesem Fall muss jeder wieder selbst für sich entscheiden, wo er „Catharsis“ haben will. In Dauerrotation oder verstaubend im Schrank.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Machine Head
Catharsis
(Nuclear Blast / Warner)

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