Max Prosa – Keiner Kämpft Für Mehr

Wurde Max Prosa bislang etwa grundlegend missverstanden? Dem Text zufolge, mit dem sein neues Album beworben wird, hätte er sich in der Schublade der “Deutschpoeten” nie wirklich heimisch gefühlt. “Mir geht es nicht unbedingt darum, etwas zu sagen, was noch nie gesagt wurde.”, wird er dort außerdem aus dem Film zitiert, der den Album-Release in ausgewählten Kinovorstellungen begleitet (und der in der Digipack-Version enthalten ist). Und das, obwohl er doch immer den Eindruck macht, er würde seine Worte äußerst bedacht wählen. Das muss aber auch nicht unbedingt ein Widerspruch sein, denn er vervollständigt: “Sondern ich will das, was bereits gesagt wurde, so formulieren, dass es gefühlt wird.


Video zu “Glücklich mit nichts”

Mit “Keiner kämpft für mehr”, so der Titel des Albums, soll also der Beweis angetreten werden, dass Max Prosa eben kein möglichst intellektuell klingender Dylan-Nachfolger auf Deutsch sein will, sondern sich seine Musik einem Ziel unterordnet — quasi: form follows function.
Folglich überraschen die neuen Stücke, oder zumindest einige davon, mit Klängen und Arrangements, die man auf einem Prosa-Album bislang nicht für möglich gehalten hätte. Die schon ungewohnt poppig klingende, aber auch ungemein ansteckende Single “Glücklich mit nichts” (mit der passenden Zeile “Ich wollte immer nur singen”), fungiert dabei als Türöffner. Über sie konnte man sich schon vorweg auf den “neuen Max Prosa” einstellen. Auf dem Album erwarten einen dann neue Überraschungen: in “Der Boxer” gibt es giftigen Sprechgesang mit leicht verzerrter Stimme — wohlgemerkt der von Max Prosa selbst, während dieselbe im Katy-Perry-poppigen “Studio 54 Mix” von “Seiltanz” wiederum sehr glatt klingt und kaum wiederzuerkennen ist. Insgesamt wurde der Produktion offenbar wesentlich mehr Gewicht beigemessen: eine zweite Stimm-Spur von Prosa selbst, eine zusätzliche weibliche Stimme, Sounds aus der Elektronik-Abteilung, usw.

Verantwortlich dafür dürfte vor allem der von Prosa ins Boot geholte Produzent Mirko Schaffer sein, der auch schon für die Ärzte tätig war. Als Prosa ein Album mit einer Anziehpuppe verglich, der man passende und weniger passende Kleider anziehen kann, fügt Schaffer an: “Es ist immer noch Mutter Theresa, nur im Body von Rihanna, mit High Heels”.
Das trifft es wohl ganz gut, obwohl die Aussage dann vielleicht doch etwas arg abschrecken könnte. Es sind durchaus auch Stücke enthalten, die dem bisherigen Stil schon recht nahe kommen. “Lieber Freund” zum Beispiel. Oder das starke “Rob a bank”. Und das selbst zitierende “Die Phantasie wird siegen” hätte, zumindest was die Strophen angeht, auch auf dem Vorgänger-Album “Rangoon” gut gepasst.
Nicht unerwähnt bleiben soll das ruhige und recht politische Titelstück, das unser aller Hang zu Alibi-Hilfsbereitschaft thematisiert und “keiner für mehr kämpft”. Man mag irgendwie noch anfügen: und keiner kämpft mehr für, sondern nur noch gegen

Mit “Keiner Kämpft Für Mehr” tastet sich Max Prosa in poppigere Gefilde vorwärts, allerdings ohne dabei auf gute Texte zu verzichten. Für den einen oder anderen Fan wird das Album eine mittelschwere Probe sein. Bis auf den (musikalisch) wirklich etwas arg seicht klingenden Dance-Mix kann man sich aber durchaus mit dem ausgeweiteten musikalischen Spektrum anfreunden.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Max Prosa - Keiner kämpft für Mehr - Tribe Online Magazin
Max Prosa
Keiner Kämpft Für Mehr
(Columbia)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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