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Max Prosa – Rangoon

Max Prosa - Tribe Online MagazinSeine besondere Art, Geschichten zu erzählen, fand einige begeisterte Zuhörer, als sich Max Prosa erst letztes Jahr mit seinem Debütalbum “Die Phantasie wird siegen” in die große Öffentlichkeit begab. Die großartigen und gerne poetisch verschlüsselten Texte haben einige Gesichter staunen lassen. Nicht zuletzt auch, weil der Musiker die in seinen Stücken besungene Welt selbst erst gut 20 Jahre kennt. Schmeichelnde Vergleiche mit Bob Dylan: wohl unvermeidlich, schließlich zahlreich.

Und die Kreativität scheint zu sprudeln. Schon Ende 2012 war klar, dass das zweite Werk schneller als zunächst erwartet das Licht der Welt erblicken könnte. Also wurde die für November angesetzte Tour einfach auf diesen Frühling verlegt, so dass die Auftritte gleich mit einem Repertoir aus zwei Alben gefeiert werden können.

Was mich an Rangoon fasziniert hat waren die Gegensätze, die diese Stadt und das Land Myanmar ausmachen. Einerseits das Paradies am Palmenstrand, die unberührte Natur, das friedliche buddhistisches Volk und andererseits die Militärdiktatur, die blutige Niederschlagung von friedlichen Demonstrationen, Verschwörung und Gewalt. Diese gegensätzlichen Assoziationen haben für mich gut in diese Zeit und zu dem Album gepasst.Max Prosa

Max Prosa - Rangoon - Tribe Online MagazinNun ist also “Rangoon” da. Mit Stücken, die dort ansetzen, wo “Die Phantasie wird siegen” aufgehört hat. Und doch ist etwas anders. „Rangoon“ ist, sowohl was die Musik betrifft als auch die Texte, insgesamt heterogener. Der Promo-Text sagt es so: “Zwölf Songs, zwölf Farben, zwölf starke Texte”.

Viel Kritik ist in den Texten diesmal enthalten. Mal in Metaphern verpackt, wie bei “Der Clown” (“Und dressierte Menschen springen, wenn Dompteure Peitschen schwingen.”), ein anderes Mal aber auch, fast untypisch, sehr direkt ausgesprochen: “Unser Erbe wiegt tausend Jahre schwer. Der Plastikmüll treibt als Mahnmal im Meer.” (“Chaossohn”).
Natürlich fehlt es aber auch nicht an den ganz persönlichen Liedern. Tolle Beispiele finden sich bei „Zwei Falter“, dem Loblied auf die Zweisamkeit (“Selbst wenn der Wind dich mit sich nimmt, ist das was bleibt, die schönste Zeit.”) oder im Trennungs-Trauer-Stück “C’est la vie” (“Sie nahm Abschied und so weiter, als ich schlief. Und bei mir blieben all die Geister, die sie rief.”).

Gibt es denn, bei all den “zwölf verschiedenen Farben” einen roten Faden, der die Songs irgendwo verbindet?

Ja, den stetigen Wandel, die Veränderung, dieses Album ist eine Reise. Es geht in „Rangoon“ um alles, von der großen weiten Welt bis hin zu den kleinen Universen zweier verliebter Menschen. Es geht nicht um die eine Wahrheit, es geht um viele Wahrheiten und ihr Verhältnis zueinander.Max Prosa

Musikalisch startet das Album mit „Der Clown“ zunächst irgendwie gewohnt – mit gezupfter Akustikgitarre und Klavier. Ein starkes Stück, das, vielleicht mit Ausnahme des Refrains, sehr an Nick Drake erinnert. Danach wird dann ein bisschen links und rechts des bisherigen Pfads ausgekundschaftet, was sonst noch „mit Prosa“ funktioniert. So fällt z.B. im sozialkritischen “Charlie”, das man so nach dem ersten Album gar nicht erwartet hätte, und auch im wunderschönen Liebeslied “Zwei Falter” vor allem der Basslauf auf.

Besondere Aufmerksamkeit verdient zudem der Titel, bei dem Max nur Interpret ist: die Cover-Version von Leonard Cohens “Hallelujah”, deren ins Deutsche übersetzen Textzeilen aus der Feder von Misha Schoeneberg – früher Texter für Ton Steine Scherben und Rio Reiser, heute Freund und Mentor von Max – stammen.

Er brachte es an meinem zwanzigsten Geburtstag mit in meine damalige WG. Wir spielten es ein bisschen, nahmen es mit ein paar Mikrofonen auf und Misha bat dann mit dieser Version per Mail um die offizielle Erlaubnis von Mr.Cohen für diese Übersetzung. Niemand hätte damit gerechnet, aber er bekam kurze Zeit später das erste und einzige Approval für dieses Lied auf Deutsch.Max Prosa

Mein Fazit ist zum Schluss: die Musik ist etwas schwerer zugänglich als noch im Debütalbum, und es hat zwei, drei Durchläufe gebraucht… Letztendlich hat mich Max mit “Rangoon” aber wieder überzeugt. Das Album ist vielseitiger, aber auch weniger harmonisch als sein Vorgänger. Also: wer Spaß an Musik mit Tiefgang hat, der wird hier auf’s Neue berührt und findet gelungene Texte zum Nachdenken und Genießen.

Ich freue mich nun schon auf seinen Auftritt im Freiburger Jazzhaus am 04.05. Für diesen Termin haben wir ein Interview mit Max geplant. Ihr werdet es hier natürlich lesen… Hier nun das Interview.


Hier noch die gesamten Tourdaten. Was wir von Max live erwarten dürfen? Wir haben ihn gefragt…

Text und Ton, in vielen Facetten. Eine Reise durch intensive Momente und Ekstase, ineinander verwoben mit leisen und berührenden Tönen.Max Prosa

24.04. Stadtgarten, Erfurt
25.04. Forum, Bielefeld
27.04. Kulturetage, Oldenburg
28.04. KuFa, Krefeld
29.04. Bürgerhaus Stollwerck, Köln
01.05. Batschkapp, Frankfurt
02.05. E-Werk, Erlangen (verlegt aus Nürnberg)
03.05. Posthalle, Würzburg
04.05. Jazzhaus, Freiburg
06.05. Wagenhalle, Stuttgart
07.05. B72, Wien
08.05. Ampere, München
09.05. BASF Feierabendhaus, Ludwigshafen
10.05. Moods, Zürich
12.05. Garage, Saarbrücken
13.05. Musikzentrum, Hannover
15.05. UT Connewitz, Leipzig
16.05. Scheune, Dresden
17.05. Heimathafen, Berlin
18.05. Uebel & Gefährlich, Hamburg

Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Max Prosa - Rangoon - Tribe Online Magazin
Max Prosa
Rangoon
(Columbia / Sony Music)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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2 thoughts on “Max Prosa – Rangoon”

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