MiA. – Limbo

Ich tanze Limbo, ich pfeif’ mein Lieblingslied, ich male Smileys. Warum, warum? Weil ich es kann!”, singt Mieze im Titelstück des neuen MiA.-Albums “Limbo”. Damit liefern uns die Berliner eigentlich den Kopf-hoch-Song überhaupt, um der Corona-Krise und dem damit einhergehenden Quarantäne-Blues optimistisch zu trotzen. “Mag mein Glas halb voll, sing lieber Dur als Moll.” — Im Video dazu lassen sie ausgerechnet jemanden tanzen, der sonst die ja meist bedrückenden Nachrichten in Moll aus aller Welt verliest: Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder. Und warum, warum? Weil er es kann!
Dabei war der Virus, der momentan die ganze Welt im Schwitzkasten hält, beim Songwriting natürlich noch nicht präsent. Stattdessen ging es dem Quartett nach dem 20-Jährigen vor drei Jahren darum, gut gelaunt, aufgeschlossen und neugierig gewissermaßen einen kleinen Reset zu wagen.

Kaltes Wasser, kopfüber, ein rauschender Chor”, heißt es kurz darauf im Refrain “KopfÜber”, “und es nichts wie davor.”. Die schon vor Monaten als erste ausgekoppelte Single zelebriert den Neuanfang dann als Chance geradezu. Andy, Bob, Gunnar und Mieze trennten sich von Label und Management, arbeiten jetzt mit Four Music und einem befreundeten Produzenten zusammen. Dazu wurden nun alle Songs von vorne bis hinten gemeinsam ausgearbeitet und die Texte gemeinsam geschrieben. “Sieben Meere, sieben Brücken, sieben Sinne, und was für ein Blick! Einmal hin und zurück.”, geht der Refrain weiter, und man wird schier verrückt, weil er einerseits so eingängig ist und man auf der anderen Seite so einige Anläufe braucht, um ihn richtig mitzusingen.

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Video zu “No Bad Days”

Auch die Discofox-Nummer “Tortenguss”, die den Tanz nur für einen SloMo-Moment vor dem Refrain unterbricht, und das by-fan-tattoo entwickelte “No Bad Days” — ebenfalls beides schon vor dem Album-Release ausgekoppelt — zeigen den eingängigen, aber auch eigenwilligen Pop, für den MiA. von den Fans zurecht seit Jahren geliebt wird. Nur “Sorgenfalter” klingt etwas un-inspirierter, weniger eigenständig.
Neben Optimismus und Neubeginn und sonstigen schönen Gedanken (“Immer wenn ich dich seh‘ geht die Sonne auf.”) geht es aber auch mal um nicht so Erfreuliches im Zwischenmenschlichen, wie z.B. in “Vorbei” (“Bye, bye Märchenprinz!” — “Es ist vorbei! Bevor ich mich noch mehr verschwende, sing ich unser Lied — ohne Happy Ende.”) oder in “Crash” über Beziehungsstreits. In “Reisen” singt Mieze davon, sich einfach mal auszuklinken und in Gedanken einen kurzen Erholungsurlaub zu nehmen. Das schon erwähnte “No Bad Days” (Video s.o.) taugt schließlich als Hymne für alle “Geisterfahrer und Gegendenstromschwimmer”, für alle die “leidenschaftlich anders” sind, wie es der Promotext treffend formuliert.

Ich gebe zu: Mit den drei Alben nach “Zirkus” (2006) haben mich die MiA.s irgendwie nicht mehr so richtig überzeugt. “Limbo” kann ich aber tatsächlich wieder richtig feiern — aus meiner Sicht also das beste Album seither! Ob das “Neuanfängchen” nun wirklich so viel Effekt auf die Kreativität hatte? Schwer zu sagen. Das Ergebnis gibt ihnen jedenfalls Recht — und uns die notwendige Dosis Positivität in Zeiten von Hamsterkäufen, Lagerkoller und Social Distancing.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

MiA.
Limbo
(Four Music / Sony Music)

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.[BR] Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.
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