Motorpsycho – Here Be Monsters
Wer versucht, das Phänomen Motorpsycho oder deren Musik mit wenigen Sätzen zu erkären, der hat das Kollektiv aus Trondheim nicht verstanden. Mit ihren zahlreichen Konstellationen und den dadurch sehr unterschiedlichen musikalischen Resultaten locken Motorpsycho neben einer großen, internationalen Fangemeinde auch die Musiknerds. Unlängst in Trondheim vom Norwegian National Museum of Rock mit einer eigenen Retrospektive namens ‚Supersonic Scientists‘ geadelt ist ‚Here Be Monsters‘ nun das neue Studioalbum.
Monströs ist allenfalls der Umfang der neuen Songs. Weniger Psycho, eher Psychedelic ist ‚Lacuna Sunrise‘ ein Thermikflug, ein behende ausladender Klangkomplex, der auch wunderbar auf ‚Wish You Were Here‘ von Pink Floyd gepasst hätte. ‚Running With Scissors‘ dagegen ist eine ellenlange, instrumentale Jazzimprovisation, Keyboard- und Gitarrenausschweifungen und scheppernden Becken. ‚IMS‘ nimmt den Faden mit mehr Dampf auf den Gitarren auf, inklusive harmonischem, mehrstimmigem Gesang und ebenfalls sehr ausdauernden Soli. ‚Spin Spin Spin‘ im Original ein Folksong von HP Lovecraft fügt sich in das akustische, psychedelisch-hippiesken Corporate Design ein. ‚Big Black Dog‘ bricht mit der Grundstimmung des Albums, ist mit seinen gut 17 Minuten Spielzeit nicht ganz so lang wie ein nordischer Winter, walzt geradezu bedrohlich und symbolisiert die (seelische) Düsternis dessen.
Nach 25 Jahren Bandgeschichte geht es sicherlich nicht darum, die Hörgewohnheiten der Fans immer wider mit dem Überego zu beugen. So müssen es sich Motorpsycho auf ihrer Monsterjagd in erster Linie selbst recht machen. Umso besser, wenn der geneigte Hörer dabei auf das Vortrefflichste unterhalten ist.