Navarone – Salvo

Die heutigen Zeiten können einen doch etwas überfordern. Eigentlich darf man gar nicht mehr allzu sehr darüber nachdenken, ob man etwas grundsätzlich richtig gut oder scheiße finden soll. Früher war das irgendwie einfacher. Da konnte man – zumindest musikalisch – schön einfach schwarz-weiß denken: Eine Band war entweder gut genug, um das geneigte Ohr passieren zu dürfen, oder sie war es nicht einmal wert beim Namen genannt zu werden, ohne dabei verächtlich das Gesicht zu verziehen. Meist spielten die vermuteten monetären Beweggründe zum Musiker-Dasein eine Rolle. Kommerz geht ja letztendlich gar nicht. Auch wenn bei den Bands, denen man wohlwollend zugeneigt war, nicht minder die Kasse klingelte. Image ist eben doch alles.

Bis vor kurzem war mein Weltbild also noch schön beschaulich. Casting-Shows machen es einem wie mir da natürlich auch leicht. Es gibt echte Musiker, und dann gibt es Kasper, die sich in solchen Shows vorführen lassen. Als ich gefragt wurde, ob ich die neue Platte von Navarone besprechen möchte, sagte ich gleich zu. „Oscillation„, die letzte Veröffentlichung, kam schließlich auch ganz gut weg. Auf Youtube machte ich dann die erschreckende Entdeckung. Navarone bei The Voice. Warum zur Hölle…? Und was soll jetzt aus meinem schön einfachen Weltbild werden? Manch einer mag jetzt sagen: Jaa, aber bei The Voice, die können da wirklich gut singen, und da ist alles ganz anders als bei anderen Casting-Shows. Bullshit. Da drückt ein Casting-Kasper theatralisch auf einen Knopf, und in seinem Gesicht liest man die Gedanken, nachdem er den tatsächlich talentierten Musiker dann letztendlich zu Gesicht bekommt: OMFG, wie kannst du gleichzeitig hässlich sein und trotzdem gut singen? Also gut, sei´s drum. Navarone sind jetzt mit „Salvo“ am Start.

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Video zu „Cerberus“

Beim ersten Reinhören fällt auf: Die Jungs sind gewachsen (musikalisch natürlich). Die Musik klingt deutlich ausgereifter, weniger experimentell und vor allem selbstbewusst. Der Opener geht mit derben Gitarren-Riffs gleich in die Vollen. „Only the strong will survive„, singt Merijn van Haren immer wieder auf´s Neue. Das Arrangement ist schön dynamisch, mal etwas ruhiger, dann wieder vollgas. Purer Rock´n´Roll. „Reset“ kommt da deutlich poppiger daher, und dabei unfassbar groß. Unzählige Spuren mit Soundeffekten, Background, Percussion, aber sauber und aufgeräumt gemischt, ohne im Chaos zu versinken. Etwas ruhiger, und um so eindrucksvoller ist Fire, das durch extrem atmosphärische Gitarrenklänge und der unglaublich dynamischen Stimme unter die Haut geht. Überwiegend finden sich auf „Salvo“ rotzige Rock-Nummern, die sich immer wieder gern in seichte Gewässer begeben, um sich letztendlich dann wieder spektakulär zu Tsunamis auftürmen. Und das ganz selbstverständlich innerhalb weniger Takte.

„Salvo“ glänzt ganz klar durch die extreme Vielfalt. Kaum eine Band schafft es, sich innerhalb eines Genres so viel Platz zu schaffen und dieses in alle Richtugnen auszudehnen. Die gute Produktion tut ihr Übriges. Die Platte mach Laune. Und über die Sache mit The Voice komme ich auch noch hinweg.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Navarone
Salvo
(Suburban Records / Soulfood)

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