Niedecken – Das Familienalbum: Reinrassije Strooßekööter

Fünf Jahre nach „Zosamme alt“ erscheint mit „Reinrassije Strooßekööter“ erneut eine Niedecken-CD, die neue Versionen bereits veröffentlichter Songs aus den letzten Jahrzehnten vereint. Erneut wurden diese Lieder in Amerika mit namhaften Musikern eingespielt (u.a. Stewart Lerman, Steuart Smith, J.J. Johnson) und wieder verbindet die ausgewählten Songs ein Thema. Während auf „Zosamme alt“ (hier übrigens unser Review) die Lieder zusammengestellt wurden, die Niedecken in den zurückliegenden Jahrzehnten für seine zweite Frau schrieb, weitet Niedecken nun den Blickwinkel und legt „das Familienalbum“, so der Untertitel von „Reinrassije Strooßekööter“, vor.

Während beim ersten Album dieser Art die reduzierte musikalische Umsetzung sehr ungewöhnlich und somit auch sehr besonders war, hält sich die Überraschung beim aktuellen Album in Grenzen. Und genau das ist es, was das Album zwar gelungen und gut hörbar erscheinen lässt, nicht aber wirklich bahnbrechend. Das Album klingt fast etwas vorhersehbar. Die ruhigen, eher gedämpften Arrangements folgen der Linie, die bei „Zosamme alt“ eingeschlagen wurde, wobei manche Lieder nicht weit weg vom Original sind („Frankie un er“, „Sowiesu“, „Dä letzte Winter…“). Spannung kommt auf dem Familienalbum selten auf. Ein besonders überraschender und emotionaler Moment ist, wenn Niedecken bei „Et ess lang her“, dem Lied, das die Entstehung von „Verdamp lang her“ beschreibt, die letzte Strophe eben dieses Liedes einfließen lässt. Wunderbar! Solch inspirierte und dadurch spannende Momente wünscht man sich gerne mehr auf „Reinrassije Strooßekööter“.
Unklar bleibt, aus welchem Grund Lieder wie „Bahnhofskino“, „Chlodwigplatz“ oder „Für ’ne Fründ“ auf dem Album zu finden sind. Ein inhaltlicher Bezug zum Thema Familie lässt sich nur schwer erkennen. Ob ein Lied wie „Bahnhofskino“ durch die neue Interpretation die Intensität des Originals oder der veröffentlichten Liveversionen beibehält kann jeder Hörer für sich entscheiden.

In veröffentlichten Interviews mit Niedecken rund um das Erscheinen des Albums ist zu spüren, dass es für Niedecken eine Herzensangelegenheit ist, mit amerikanischen Musikern zusammen zu spielen. Es sei ihm gegönnt, dass er sich diesen Wunsch nun bereits zum zweiten Mal erfüllen kann. Wünschenswert wäre es, wenn Niedeckens Soloplatten zukünftig nicht ausschließlich Rückschauen in Form von Neuaufnahmen von BAP-Songs wären, sondern, wenn Niedecken mit diesen Musikern neue Lieder hervorbringen würde. Neue Texte, die musikalisch in dieser Art umgesetzt werden — das wäre der nächste konsequente Schritt in dieser Richtung.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Niedecken
Das Familienalbum: Reinrassije Strooßekööter
(Vertigo Berlin / Universal Music)

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