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Perturbator – The Uncanny Valley

Gerade erst vor zwei Wochen habe ich über das Solo-Debütalbum des Dope Stars Inc.-Frontmanns Victor Love berichtet. Nun liegt mir dagegen mit “The Uncanny Valley” das vierte Album des französischen Electro-Musikers James Kent alias Perturbator vor. Auf den ersten Blick bzw. musikalisch haben jenes heftige, zum Industrial tendierende Cyberpunk-Werk und diese Synthwave-Scheibe, die die frühere Beschäftigung Kents als Black-Metal-Gitarrist in keinster Weise vermuten lässt, wenig gemein. Eine Vorliebe zu Retro-Sounds der Achtziger auf der einen und der musikalischen Projektion einer technologisierten Dystopie auf der anderen Seite zeigen aber beide.

Bei Kent, der bei seinen Produktionen gerne auf alte Synthies (bzw. offenbar Software-Emulatoren davon) zurückgreift, kommt beides allerdings noch etwas stärker zum Tragen. Dieses vierte Album setzt story-technisch knapp zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Vorgänger auf. In einer Zeit nach dem “War Against Machines”, in der Hass und Misstrauen gegenüber den Maschinen weit verbreitet sind. Daher auch der Titel: “The Uncanny Valley” heißt ein Phänomen in der Robotik, das beschreibt, dass Roboter mit zunehmender Menschenähnlichkeit zwar immer vertrauter werden, dieser Grad der Vertrautheit aber kurz vor der 100%-igen Ähnlichkeit einen krassen Knick erleidet — bis hinab zum Sympathie-Empfinden gegenüber eines Zombies.

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Das gesamte Album im Stream

Konzept und Geschichte hin, semi-wissenschaftliche Klugscheißerei her… Musikalisch kommen bei dem treibenden Darksynth von Perturbator jedenfalls besonders Freunde von Retro-Soundtracks und einem Arcade-Electro-Stil auf ihre Kosten – und das trifft auch auf dieses Album zu. Wie Tempo und Rhythmus wechselt aber je nach Szene auch die Stimmung immer wieder.
Zum Beispiel untermalt „Femme Fatale“ (eine Kooperation mit dem israelischen Produzenten Highway Superstar) mit verführerischem Saxophon, wie der Titel erahnen lässt, den Auftritt der androiden Killerin, die eine der Hauptrollen im Konzept übernimmt. Wessen Kopfkino hier nicht spontan eine Szene aus einem beliebigen Achtzigerjahre-Detektivbüro à la Hollywood abspult, der hat das Jahrzehnt nicht erlebt. „Disco Inferno“ erinnert mit seinen funky Gitarren-Einwürfen ebenso an Fernsehen und Kino der 80s, aber natürlich auch ein wenig an die Disco-Generation davor.
Weitere Gastkünstler gibt es im eher atmosphärischen Track „Souls At Zero“ (Astronoid) und den beiden einzigen mit Gesang garnierten Songs der Platte – „Venger“ (feat. Greta Link) und „Sentient“ (feat. Hayley Stewart) – zu hören. Vor allem letztere dürften für Quereinsteiger besonders geeignet sein, weil sie doch ziemlich catchy und etwas poppig sind.

„The Uncanny Valley“ ist ein großartiges Synthwave- und ein sehr gutes, abwechslungsreiches Perturbator-Album, dessen düstere Klänge praktisch einen Retro-SciFi-Film abspielen lassen und außerdem auch immer wieder mit Eingängigkeit spielen. Für Fans von Synthwave, Darksynth, Electro – und auch z.B. von Nero (und vor allem deren aktuellem Album).Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Perturbator - The Uncanny Valley - Tribe Online Magazin
Perturbator
The Uncanny Valley
(Blood Music)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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