The Amazons – Future Dust

Mit einem Stoner-artigen Riff, einer zweistimmigen psychedelischen Melodie aus Gitarre und Gesang und Strophen zwischen Indie- und Pop-Rock steckt schon der erste Song “Mother” einen beachtlichen Rahmen für das neue The Amazons-Album ab.

The Amazons — hinter diesem Namen steckt weder eine Girls-Only-Band, noch sind es die Betriebs-Musikanten eines großen Versandhändlers (oder muss man “Logistiker” sagen?!). Nein, der Name ist nicht Programm. The Amazons gründeten sich 2014 in Reading, gut eine Autostunde westlich von London. Damals steckte Frontmann Matt Thomson (Gesang/Gitarre) bei seinem Job an der Supermarktkasse den Leuten noch Demo-Aufnahmen in die Tüten. 2016 und 2017 wurde die Band dann für verschiedene Newcomer-Awards nominiert und nahm schließlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum auf, das es in den UK-Charts bis auf Platz 8 geschafft und der Daily Telegraph in seiner Liste der besten Alben des Jahres 2017 aufgelistet hat.
Nun hat das Quartett — neben Thomson gehören noch Chris Alderton (Gitarre), Elliot Briggs (Bass) und Joe Emmett (Schlagzeug) dazu — also ein Zweitwerk nachgelegt: “Future Dust”.

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Video zu “Mother”

Dessen schon erwähnter Opener geht nahtlos in “Fuzzy Tree” über, das bis auf den Psychedelic-Teil mit ähnlichen Anleihen arbeitet, insgesamt aber doch eher nach Alternative klingt. Im weiteren Verlauf wird das Spektrum dann in Richtung Blues-Rock erweitert — in “Doubt It” oder in “End Of Wonder” zum Beispiele, um nur zwei der Stücke zu nennen.
Der irgendwie zwar einfache, aber wirkungsvolle Refrain von “Dark Visions” und der großartige Groove von “Warning Signs” wirken nach dem ersten Durchlauf am meisten nach. Stark auch das Independent-Rock-Stück “25”, das an New Model Army oder Maxïmo Park erinnert und später noch einmal als Akustik-Reprise auftaucht.
Etwas anders als der Rest wirken dagegen “All Over Town”, das als Ballade des Albums durchgeht, und der Schlusspunkt “Georgia”, das einfach cleaner und leichter klingt als die vorangegangenen Songs. Beide können aber auch durchaus überzeugen: Ersteres mit warmem Südstaaten-Flair, Letzteres, das ansonsten straight durchläuft, mit schönem Groove im Refrain und einem ausgedehnten Gitarren-Solo.

Nachdem die Band festgestellt hatte, dass ihnen selbst ihre etwas “härteren” Songs live am liebsten waren, sollte das neue Album etwas weniger Indie und stattdessen rockiger werden — welch löbliches Vorhaben, zumal es ja sonst eher so ist, dass der Output mit der Zeit eher softer und gefälliger wird. Inspiration dazu holte man sich jedenfalls tatsächlich in alten Blues-Aufnahmen und der Abgeschiedenheit.
Diese Veränderung von “The Amazons” zu “Future Dust” hört man und sie hat der Band und ihrem Sound ganz offenbar gut getan, auch wenn sie andererseits auch nicht gerade von revolutionärem Ausmaß ist. Die große Stärke von “Future Dust” ist sowieso vor allem, dass es dicke Riffs genauso beherrscht wie die leiseren Töne und zu keiner Zeit langweilig oder beliebig klingt. Diese Band sollte man wohl weiter im Auge behalten…Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

The Amazons
Future Dust
(Fiction / Caroline)

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Gerald

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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