Zlang Zlut – Crossbow Kicks

Erst vor wenigen Wochen hatte ich an anderer Stelle geschrieben: “Manchmal braucht es eben nur zwei Komponenten, um ein gut funktionierendes Ganzes zu bilden”. Und schon läuft ein weiteres gutes, wenn auch ganz anderes Beispiel dafür durch meinen Player.

Das Duo Zlang Zlut kommt aus dem nahen Basel und lässt mit seinem Etikett “Cello-Rock” den durchschnittlichen Rock-Fan vermutlich zunächst ungläubig die Augen rollen: “Wie zur Hölle wollen nur zwei Musiker, von denen einer auch noch Cello spielt, treibenden Rock fabrizieren?” So oder so ähnlich… Und, ganz ehrlich? Wie das letztendlich funktioniert, weiß ich immer noch nicht. Aber glaubt mir, es geht!


Video zu “Hit The Bottom”

Es mag einem auf Grund des Instrumentes bzw. der Genre-Schublade möglicherweise erst einmal Apocalyptica als Vergleich in den Sinn kommen. Aber was Zlang Zlut auf ihrem bereits zweiten Album “Crossbow Kicks” präsentieren, hat mit den Finnen wirklich herzlich wenig zu tun.
Das liegt auch daran, dass man das E-Cello von Beat Schneider nur in ein paar wenigen Momenten (z.B. bei “Rage”) als solches erkennt. Denn im Normalfall hat Schneider sein Streichinstrument heftig verzerrt und spielt es zwar mit Bogen aber im Grunde eher wie eine E-Gitarre.
Fran Lorkovic, der zweite in diesem ungewöhnlichen Bunde, gibt der ganzen cellistischen Virtuosität einen rhythmischen Unterbau und kümmert sich von seiner Schießbude aus außerdem auch noch um energievolle Vocals – und zwar, anders als der Name vermuten ließe, in englischer Sprache anstatt in schwyzerdütschem Zlang… 😉

Für einen satten Sound würde nun zumindest noch ein Bass fehlen. Dazu ist zunächst notiert, dass Schneider nebenher einen analogen Bass-Synthesizer, Modell Moog Taurus, per Fuß bedient. Hin und wieder (beispielsweise “Little Demon” oder “Now”) ist auch mal ein bisschen elektronisches und effektbeladenes Spiel zu hören. Ob der Moog Taurus aber für den gesamten Bass auf der Platte verantwortlich ist, vermag ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist zumindest im Studio auch noch eine Bassgitarre im Spiel — zumal in einem älteren Video eine zu sehen ist.

Besondere Erwähnung verdienen vor allem der abgehende Opener “Hit The Bottom” (siehe Video), das sehr an Led Zeppelins “Kashmir” erinnernde “Rage” und das herrlich schräge “Now”. Das Cello klingt schon auch mal ein bisschen wie eine irische Geige (“They Gave You Madness”) und schweift vor allem immer wieder gerne in wilde Soli ab. Bluesrock ist immer wieder als Einfluss zu erkennen, besonders stark natürlich im langsamen Blues-Stück “Freedom Is A Bitch”, bei dem Sämi Schneider als Gast seine Bluesharp beisteuert.

Mit “Crossbow Kicks” haut uns Zlang Zlut ungehobelten und dreckigen Rock in elf Kapiteln (zehn eigene und mit “Out Of Control” ein Saxon-Cover) um die Ohren. Die Songs zwischen Bluesrock, Sleaze und Hardrock erschließen sich zum Teil nicht direkt beim ersten Durchgang und dürften bei Enthusiasten glatten HiFi-Rocks die Nackenhaare aufstellen. Wer aber auf Rock’n’Roll in Reinform steht, solchen mit einer gewissen Punk-Attitüde, der wird die beiden und ihr Album lieben!Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Zlang Zlut - Crossbow Kicks - Tribe Online Magazin
Zlang Zlut
Crossbow Kicks
(Czar Of Revelations)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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